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17. Mai 2016

Wochenberliner: Der klimpernde Kaffeebecher

Ich stehe am Hauptbahnhof und warte auf meinen Anschluss. Noch 12 Minuten muss ich hier stehen mit meinem warmen Schal und meinem gekauften Chai Latte in der Hand.
12 Minuten, das reicht für viele Dinge im Leben. Gute und schlechte Dinge. 

Ein junger Mann kommt auf mich zu, er trägt eine viel zu dünne Hose für diesen Tag und zwei ungleiche Schuhe. Ich konnte ihn schon riechen bevor ich den jungen Mann sah, er trägt eine Duftwolke aus Alkohol, Dreck und Schlaf mit sich herum. Er spricht mich an und bietet mir den Straßenfeger zum Verkauf an, ich willige ein. Als er weg ist stopfe ich den Straßenfeger in meine Jackentasche und starre wieder auf die Uhr. 
Berliner Blog, Elternblog Berlin, Papablog Berlin, Mamablog Berlin

Noch ganze 9 Minuten bis der Zug einfährt. 
Ein weiterer junger Mann schleicht über den Bahnsteig. Er trägt eine dicke Jacke und eine Wollmütze, seine Füße stecken in Sandalen. Mit gläsernem Blick wandert er auf mich zu und bietet mir die Motz zum Kauf an. Ich willige ein und stopfe die Motz zum Straßenfeger in die Tasche. Hoffentlich vertragen sich die beiden Konkurrenten auch in meiner Jacke. 

Noch 5 Minuten bis zum Eintreffen des Zuges, als ein weiterer junger Mann auf mich zukommt. Er klimpert mit einem alten Kaffeebecher um sich Gehör zu verschaffen. Er trägt mehrere dicke Pullover, eine alte Jeans und Turnschuhe. Mit seinem Kaffeebecher klimpert er auf mich zu. „Hast du bissel Kleingeld?“ fragt er mich und ich schüttele den Kopf. 
Ich hab jetzt wirklich alles Kleingeld für diese Zeitschriften in meiner Tasche ausgegeben und würde dem jungen Mann gern erklären warum es wohl eine traurigere Runde für ihn hier sein könnte, aber da ist der klimpernde Kaffeebecher schon schnell zum Nächsten weiter gezogen.

Noch 2 Minuten bis der Zug eintrifft und ich starre gebannt auf den Bahnsteig.


Alu 

Mehr Wochenberliner
21. Juni 2013

Wochenberliner: Simon und Garfunkel

Meine Wochenberliner sind zwei Herren Jahrgang 1941. Bereits als Kind kannte ich sie. Dank meiner Mutter blieben Sie in meinem Kopf.
Als Schulfreunde gründeten Sie die Band "Tom und Jerry" und versuchten sich im Rock`n´ Roll. Später nahmen Art und Paul ihre Nachnamen und wurden zu "Simon&Garfunkel".
In diesem Moment höre ich "The Boxer". Ein TV-Mitschnitt des legendären Konzertes von 1981 im New Yorker Central Park. Einem Benefit gegen die Schließung des Parks vor 500 000 Menschen.
Obwohl die beiden Musiker bereits 1970 die aktive Arbeit beendeten traten Sie ab und an gemeinsam auf und es gab auch neue Projekte, eine echte Wiedervereinigung gab es jedoch nicht.

So dass ich mir manches Mal eine schwere Krankheit wünschte um ein Druckmittel zu haben Sie live zu erleben. Ihr größter Hit "The sound of silence" war die Kulisse meiner ersten Lebenstragödie 1995 in Heringsdorf. Dort lief das Lied 4 Tage lang in Schleife auf einem geliehenen Discman (Danke Vadcek!)
Mit ihrem Folkrock und vieler unverwechselbarer Lieder, gab und gibt es nur eines:

"Feelin groovy [...] all is grooving"

und da ist Sie jetzt wieder die Gänsehaut: "Hello Darkness my old friend!"


und

Konsti
17. August 2016

Wochenberliner: Momente zum Grübeln

Momente auf Berliner Straßen


Gestern Abend im Regen bin ich beim Straßeüberqueren fast angefahren worden. Reflexartig schaute ich auf das Nummernschild. RH- stand da. Ich dachte: Provinz. Der ältere Fahrer öffnete sein Fenster: Ist ihnen etwas passiert? Nein alles in Ordnung. Wir machten weiter. Nur ein kurzer Endlichkeitsschauer kam über mich.


Familienblog, grünes Rad Geschichten, Mamablog, Papablog
Alles ist endlich.

7. Juli 2016

Wochenberliner: Ich kenne sie doch - gar nicht

Ich kenne sie doch


Mensch, den kenn ich doch. Heute Morgen laufe ich zur U-Bahn, dort sehe ich im Augenwinkel eine junge Frau, vollgepackt. Ich erkenne in ihr aus dem Augenwinkel eine Freundin und schreibe ihr später eine Nachricht. "Bist du in Berlin?"  "Nein",  schreibt sie, ich bin in Dresden. Es muss sich wohl um eine Verwechslung gehandelt haben. 
Als ich am S-Bahnhof Alexanderplatz aussteige, sehe ich einen jungen Mann den kenne ich dann doch, Conrad. Ich laufe nach Hause und überhole ein älteres Paar im Vorübergehen. Die Frau sagt zu ihrem Mann "Der überholt uns auch jeden zweiten Tag" und am liebsten möchte ich mich umdrehen und ihr sagen, dass ich sie noch nie zuvor gesehen habe.

Konsti

Mamablog, Papablog
Berliner Szene #einmalpommesrotweiß

19. Mai 2016

Berlin für Groß und Klein, Tipps für jedes Wetter #Werbung

Immer wieder werden wir als Berliner gefragt, was man denn so tolles mit Kindern in der Stadt unternehmen kann. Unsere Antworten fallen dann meist ziemlich lang aus, denn eines ist sicher: Berlin bietet eben auch für kurze Aufenthalte tolle Möglichkeiten die Stadt mit Kindern kennen zu lernen und alle zu beschäftigen. Selbst wir als Eingeborene kennen nur einen Bruchteil unserer Berliner Innenstadt und empfehlen eher das Altbekannte, als das Unbekannte.

Elternblog Berlin, Familienblog Berlin, grossekoepfe, Hochregal
Das MachtMit Museum für Kinder. Einer unser Favoriten.
Seit Neustem kann ich meine stundenlangen Erklärungen "Also das ist auch toll für Kinder und hier solltet ihr auch mal hingehen" allerdings etwas abkürzen und auf die tolle Infografik von Accorhotels verweisen, denn sie haben wirklich gründlich recherchiert und eine tolle Sammlung für Berlinaufenthalte mit Kindern zusammengestellt:

Berlin Infographics by Accorhotels

Ehrlich gesagt kannten nicht mal wir alle Tipps die hier aufgeführt sind. Im FEZ waren wir bereits häufiger, auch das Lego Discovery Center, Pinke-Panke und Düppel kennen wir gut, aber das Feuerwehrmuseum und den Indoor Spielplatz in Marzahn für Regentage kannten wir noch nicht und habe diese gleich mal auf unserer Liste für "Orte die man mit Kindern mal besuchen muss in Berlin" ergänzt. 
Tiere kann man sich z.Bsp. bei Pinke Panke anschauen.
Berlin mit Kindern,
Düppel und auch Lübars sind voller toller Ecken für Kinder.
grossekoepfe, Berliner Familienblog,
Unser geheimer Geheimtipp: Das MEK und Juniormuseum in Dahlem. Hier im warmen Herbstlicht.
Solltet Ihr also demnächst mit Euren Kindern bei Sonne, Regen, oder sogar Schnee die Stadt besuchen, dann lohnt sich auf jeden Fall ein Blick auf die neue Infografik  "Berlin für Gross und Klein" von AccorHotels.com
Wochenberliner, Berliner Blog
Berlin ist immer eine Reise wert, mit und ohne Kinder.
Alu
2. Mai 2016

Wochenberliner: Die Angry Birds im Kino und zu Besuch in Berlin. #Verlosung

Gestern waren mit mal im Kino, genauer gesagt auf einer Kinopremiere mit rotem Teppich und kreischenden Teenies. Uns hat zwar keiner zugejubelt, dafür aber den zauberhaften Stimmen der Angry Birds Vögel die u.a. von Axel Prahl, Smudo, Christoph Maria Herbst, Ralf Schmitz und Anja Kling uvm. Die flauschigen Vögel die bis dato nur aus dem Computerspiel Angry Birds seit 2009 bekannt sind, erobern nun also die große Leinwand. Sicher, Eltern kennen die Vögel bereits von T-Shirts und Spielzeug, aber als Kinofilm? 
Wir waren gespannt. 
Schön war, dass die Premiere wirklich perfekt auf die Kinder abgestimmt war. Vor Ort gab es jede Menge Rahmenprogramm, so konnte man den niedlichen Vogel Red von Spin Master auch gleich beim Dosen werfen gewinnen, oder beim Glücksrad abstauben. Die Kinder wurden geschminkt, haben Buttons gefertigt, wurden mit Zuckerwatte gefüttert und bekamen riesige Trinkbecher geschenkt. Noch bevor also der Kinofilm startete waren wir bereits im Angry Birds Fieber. Der Kinofilm selbst war für mich überraschend gut.




Am Anfang noch plätschernd und eher auf die persönliche Story vom Wutvogel Red gestützt, nahm der Film richtig Fahrt auf. Die Vögel, deren Eier von den Schweinen gestohlen werden erkennen, dass eben doch nicht alles schön und rosig ist und werden richtig wütend. Eben „Angry Birds“. Plötzlich sprießen überall Augenbrauen heraus und unter der Führung von Red, Chuck und Bombe nehmen die Vögel die Verfolgung auf. Das dabei Motive wie Selbstvertrauen, Freundschaft und stehen zu den eigenen Emotionen immer wieder auftauchen ist super verarbeitet. 
Die Kinder waren begeistert, überall knallt und rumpelt es im Film, die Musik ist schnell und groovig. Uns Erwachsenen hat der Film auch gut gefallen, mir sogar obwohl ich das Spiel noch gar nicht richtig kannte. Empfehlen würde ich den Film jedoch erst ab 5 Jahren, die Handlung ist doch recht komplex und die vielen Kämpfen lassen das Adrenalin bei den kleineren Wesen aufwallen. Zu Hause wurde dann gleich noch das Spielset TNT Invasion von Spin Master ausgepackt, welches K1 vor Ort gewonnen hatte und losgeworfen. 


Weil wir Euch auch eine Freude machen wollen, verlosen wir dank Spinmaster ein Spielset "Angry Birds TNT Invasion" an Euch. Bitte hinterlasst uns bis zum 6.Mai um 20 Uhr einen Kommentar mit Eurer E-Mail und dem Namen Eures Lieblingsvogels, über das Teilen des Gewinnspieles bei Twitter und Facebook freuen wir uns sehr. Das Los entscheidet dann.


Wir erhalten keinerlei finanziellen Ausgleich für dieses Gewinnspiel.

Alu
13. April 2016

Wochenberliner: Schwedische Kinderbuchwelten bis zum 30.Juni 2016 im Felleshus


Hallo Petterson, schön dich zu sehen.
Am Montag wurde in Berlin die Ausstellung "Frech, wild und wunderbar" im Felleshus in der nordischen Botschaft eröffnet. Die interaktive Ausstellung "Schwedische Kinderbuchwelten" für Kinder setzt aktuelle und bekannte schwedische Kinderbücher in Szene.

Mama Muh ist auch da.
In der Ausstellung kann man unter anderem Buchmomente von Autoren wie Sven Nordqvist, Ulf Nilsson, Pernilla Stafelt und Jujja Wiesländer erleben. 

Bücher und Kuschelorte überall.
Alle Bücher liegen auf Deutsch und schwedisch aus. Für kuschligere Momente gibt es einen sogenannten "Rum för Barn", einen gemütlichen Bibliotheksraum zum Malen und Verweilen. Eingebettet in ein Rahmenprogramm kann sich jede/r Besucher/in noch bis zum 30.Juni 2016 selbst vom Zauber der schwedischen Kinderbuchwelten überzeugen.

Hier wird gearbeitet.
Der Autor von "die besten Beerdigungen der Welt" (Ulf Nilsson) beim Beerdigen.
In der Ausstellung kann selbst gemalt werden.

Ein gemütlicher Bauwagen für Kinder steht bereit.
Nehmt Eure Kinder mit, schickt Kindergarten- und Schulgruppen hin und überzeugt Euch selbst von den real gewordenen Buchwelten. Es lohnt sich.


Alu


17. März 2016

#Wochenberliner: Neulich, am Notausgang!

Immer wieder einmal ist unsereins in Räumen, wo es die von der Brandschutzordnung vorgeschriebenen Zweitausgänge, oder Fluchtmöglichkeiten gibt. Das kann eine Kinderarzt-Praxis sein (denn wer dort warten muss sucht keinen Arzt in eigener Sache mehr auf), oder ein Veranstaltungsort bis hin zum ÖPNV mit seinen Gummifensterdichtungen und Hämmern.


Doch neulich war ich an einem nahezu mystischen Ort. Es war eine Praxis. Dort gelangt man durch eine Tür in eine Vier-Raum-Wohnung. Vom Flur gehen die Behandlungsräume ab, ein Büro, ein Bad, eine kleine Teeküche. Im Flur wartet man und ab und zu, damit der Therapeut nicht die Sitzung unterbricht. Und während ich dort so sitze, schaue ich nicht nur aus dem Fenster in die spannend unsortierte Berlin-Mitte-Hinterhof-Landschaft, die einem das Gefühl von Kreuzberg 1985 vermittelt, sondern, man guckt auch mal nach rechts. Dort sehe ich die Eingangstür und gleich rechts daneben, eine zweite Tür. Diese sah ich noch nie offen, doch darüber das beliebte Schild weiß auf grün mit dem ikonografischen Männlein und der weißen Tür. Doch wo um alles in der Welt führt diese Tür hin? So, wie ich den Grundriss rekonstruiere, müsste dort das Nachbarbüro sein (wer weiß?). Denn tritt man durch die offizielle Tür auf den Flur, folgt rechts ein beschilderter Büroeingang. Nun hoffe ich beim nächsten Besuch einmal schmulen zu dürfen. Vielleicht ein Abgrund, oder einfach eine Wand? Zumal wenn ich Notausgänge habe, sollten diese nicht in zwei verschiedenen Ecken der Wohnung sein?


Da hilft wohl nur Daniel

Wenn ich mir diese Frage nach den Notausgängen so recht bedenke, dann stoße ich immer wieder auf spannend-lustige Optionen. In der Musikschule z.B. ist im 1. Stock ein Schild am Fenster, dort ist der (oben genannte ikonografische) Mann der dann eine ebenso einfach gestaltete Feuerwehrleiter hinabsteigt.
Oder, im sonst wirklich schnöden Institutsgebäude der Kunsthistoriker der Humboldt-Universität, wo man aus Brandschutz Kunst macht, das ist ja wenigstens mal was.

Kunst
Auch auf meiner Arbeit wäre die Flucht aus dem obersten Geschoß vor allem eine Sightseeingtour über den Dächern von Berlin-Mitte. Als Belohnung könnte man dann eine Stahlbrücke überqueren, um dann eine Leiter zu nutzen, die einen auf einen wunderbaren Friedhof führen würde.

Doppeltür?


Oh Mann, jetzt weiß ich was noch schöner gewesen wäre! Noch besser als Feuerwehrmann wäre wohl Notausgangtester gewesen. Ich sollte umschulen?!

Konsti
4. Februar 2016

Wochenberliner: Die Berliner U-Bahn

Reisen mit der Berliner U- Bahn


In der U5: sitzt ein Mann mit einer Mandarine auf dem Kopf. Sicher, eine hervorragende Position für Obst um nicht in den Taschen der Welt gequetscht zu werden, jedoch ungewöhnlich. Er kann nicht stillsitzen, balanciert die Mandarine auf dem Kopf hin und her bis sie  runterfällt, genau in seine Hand. Fast strafend schaut er die Mandarine an und platziert sie erneut. Kopf links, Kopf rechts. Die Mandarine hält sich tapfer. Er steigt am Frankfurter Tor aus und winkt mit der Mandarine zum Abschied auf seinem Kopf in die Runde.
U5 Eingang, Foto: K.Manthey


11. Dezember 2015

Wochenberliner: Protokoll eines bestimmten Tages #Halloween

Das Protokoll eines Halloween Tages


Der Tag der Tage. Morgens um 6:35 Uhr, K2 läuft mir ins Treppenhaus nach und ruft nach mir. K1 ist zum Glück dabei. Ich muss zurück in das dunkle Zimmer, noch einmal Tschüss sagen. Die Frau ist vom Schlaf benommen. Ich verabschiede mich und schließe die Familie ein.
Auf dem Weg komme ich beim kleinen Bäcker vorbei. Dieses Mal kaufe ich hier, Pfannkuchen (aber nur die beiden Grundsorten) und Salat. Beim Beobachten der einpackenden Verkäufer stelle ich mir die Frage, wie ich dem kleinen K2 klar machen kann, dass 8,5 h auch abgearbeitet sein wollen (zumal ich heute noch mit meiner Frau zu zwei Laternenumzügen soll). 

Laternenkinder


5. November 2015

Wochenberliner: Die Spaziergängerin

Wenn man als Mama spazieren geht - die Seele läuft mit.


Langsam setze ich einen Fuß neben den anderen. In meinen abgetragenen Lieblingsboots kann ich den Asphalt schon fast direkt am Fußbett spüren. Ich nehme mir Zeit. 
Zeit für einen Spaziergang. Ich weiß nicht mehr genau wann ich mir eigentlich das letzte Mal Zeit genommen habe, den anderen Menschen beim durch die Straßen hetzen zuzusehen? Ich kann mich nicht erinnern.

Herbstlaub.
Jetzt habe ich Zeit und das tut gut. Eine Kindergartengruppe schlendert an mir vorbei. Sie trödeln und sammeln bunte Herbstblätter auf. Fast bin ich gewillt mich dazuzugesellen und auch mitzuhelfen, dann sehe ich erst wie komisch das wohl aussehen mag, eine Frau in lustigen Strumpfhosen die am Straßenrand steht und fremde Kinder anstarrt. 
Ich schlendere weiter. 


23. Oktober 2015

Wochenberliner: Die zeitungsschlafende Frau

Man lässt Niemanden auf der Straße liegen


Ich spaziere durch die Herbststraßen. Es liegt viel nasses Laub auf der Straße und ich denke darüber nach, zu Hause meine Gummistiefel zu suchen.
Da sehe ich sie liegen. Sie liegt vor mir auf dem abschüssigen Bürgersteig, den Kopf nach unten. Neben ihr stehen zwei Männer. Sie besprechen sich und ich frage an, ob ich helfen kann. Sie nicken und bitten mich die Feuerwehr zu rufen, während sie die Dame auf dem Bürgersteig vorsichtig in die stabile Seitenlage bringen. Ganz vorsichtig schieben sie ihr eine Zeitung unter den Kopf und drehen sie auf die Seite. Die Dame macht keinen Laut, nichts. 

Alles ist still. 

Herbstlaub.



1. Oktober 2015

Wochenberliner: S-Bahn Fahrt eines Mannes

An jedem Tag fahre ich mit der Berliner S-Bahn und dann steh ich da.


Episode 1:

Mit dem Vergeben ist es kompliziert. Neulich beim Tatort war der Täter der, der vortäuschte er sei geläutert. Und möchte mit Allen nur seinen Frieden machen. Am Ende bringt dieser psychopathische Sohn dann die ganze Familie um. Mhmm.
Natürlich ließ er seine Sozialarbeiter Freundin im Ungewissen. Sie trat vor der Kommissarin sogar noch für ihn ein.

Nicht nur, dass dieser Film wieder einmal zeigt, dass wir auf die Resozialisierung in Gefängnissen nicht bauen sollen können. Mehr noch er suggeriert, es sei selbstverständlich, dass unser soziales System das nicht mehr tragen und leisten könne. So wirkt auf mich als Zuschauer, die zuerst aufgebaute Kulisse eines reuigen Exknackis nicht nur als gewollt scheinhaft. Es erschien mir so, als seien die verwandten Begriffe „Reue und Vergebung“ auch von den Autoren nicht mehr ernst genommen. Ich empfinde es sogar so, als wollten die Schreiber in diese Begriffe nicht ernst zu nehmende Aussage setzen.
Nach dem Motto: Ist doch ganz klar, dass der sich nicht gebessert hat. Ist doch ganz klar, dass er nicht verzeihen kann. Ist doch ganz schade! Er kann nicht vergeben, dem muss dadurch auch keine Vergebung zuteilwerden. Eine Welt schwarz und weiß. Zuweilen glaube ich aber, dass genau diese Eintönigkeit bei uns Einzug gehalten hat. Begriffe wie vergeben, versöhnen, Barmherzigkeit vergessen, verzeihen geraten immer mehr aus der Mode. Wir verlieren sie. Viele Alltäglichkeiten zeigen das bereits. Wie oft höre ich und andere erzählen es auch, wie rauh“ viele Menschen sich verhalten. K.





10. September 2015

Wochenberliner: Eine Berlinerin in Hamburg

Eine Berlinerin in Hamburg

Ich erreiche Hamburg mit der Bahn. Wie immer begrüßt mich die Stadt mit strahlendem Sonnenschein. Am Hauptbahnhof versuche ich beim Verkehrsverbund eine Fahrkarte käuflich zu erwerben. Leider können sie den Magnetstreifen meiner Karte nicht lesen und so kaufe ich am Automaten dann eine Karte mit meinem letzten Bargeld. Es ist mein letztes Bargeld und ich habe bereits jetzt Sorge an Geld zu kommen, denn merkwürdigerweise nehmen Hamburger Automaten meine Karte nicht gern. Ich habe keine Ahnung ob das vielleicht am Ausspruch „Arm, aber sexy“ liegt, auf jeden Fall lesen viele Automaten meine Karte nicht und manchmal kichern sie auch über den netten Berliner Versuch. 
Den Abend kann ich  noch mit der EC Karte überbrücken. 

Abends am Hafen.


28. August 2015

Wochenberliner: Die Bioladenkundin

Die Biocompany hat geschlossen


Ein Freund ruft mich an „Die Biocompany hat geschlossen“, er wolle mir die schreckliche Nachricht lieber telefonisch überbringen, nachher sei ich zu geschockt beim vorbeiflanieren. Äh, ja danke!

Am Nachmittag gehen wir spazieren. Wie so oft, kommen wir am Bioladen vorbei und wirklich: Alles zu! Ich bin erstaunt. In einem Bezirk, in dem gerade 2000 Einheiten Wohneigentum dazu gekommen sind und jeden Morgen fröhlich wirkende Mütter, mit Kinderwagen, an mir vorbeijoggen erscheint es mir schwer zu glauben, dass der Bioladen zugemacht hat. Eigentlich ist dieser Laden immer rappelvoll und nur mit sehr viel Zeit zu ertragen!  Anscheinend müssen Verkäuferinnen in Bioläden nämlich auch wirklich immer diese gewisse Entspanntheit mitbringen, die eine Feierabendeinkäuferin, wie mich, in den Wahnsinn treiben kann. An manchen Abenden zieht anscheinend eine Schnecke die Waren über den Kassenscanner und die Kassenschlange bildet sich bis zum Gemüsestand. Ich bleibe vor dem Laden stehen. Die Bäckerei werde ich doch vermissen. 


20. August 2015

Wochenberliner: Der Zugezogene

Was habe ich in der letzten Zeit an meiner Heimatstadt gelitten.


Die Kakophonie der Stimmen: Berlin habe sich so verändert!
Man weiß kaum noch, wer es wann nicht sagt. Warum ist der Einzelne überhaupt zu solch einer Aussage befähigt?! Ja, auch in meiner Wahrnehmung ist es nicht leichter geworden. Die Stadt ist so beliebt, obwohl sie es von sich aus nicht verdient hat.
Und sie ist teuer geworden und das haben viele Berliner nicht verdient.

Was sich verändert.


21. Juli 2015

Wochenberliner: "Too pretty to be poverty"

Too pretty to be poverty. Ich treffe den Punk.


Neulich war es wieder soweit. Ich musste am späten Abend, nach einem Termin, noch mal auf dem Rückweg in den Supermarkt an der Ecke. Es fehlten Brot und Milch für den nächsten Morgen und so drückte ich mich (mit Chilly Gonzales im Ohr) durch die stickigen Straßen der Stadt  um noch einzukaufen. Vor dem Supermarkt ist abends oft noch Betrieb. Wechselnde Schnorrer besetzen die Eingänge und versuchen einen mit Sprüchen vom Spenden zu überzeugen. „Haste mal ne Mark?“ „Bringste mir nen Toast, jeht auch nen Schnaps, mit?“

Berlin im Sommer.


8. Juli 2015

Wochenberliner: Wie ich einmal dickliche, gelbe Kartoffeln fotografieren wollte und "Frau Beiwerk" nicht nett zu mir war

Wie ich einmal die Minions traf


An seltenen Tagen gehen der Mann und ich aus. Wir verabreden uns mit anderen Erwachsenen und reden dann die ganze Zeit über unsere Kinder, oder probieren witzig zu sein. An einigen Tagen klappt das besser, an anderen schlechter. Wichtig dabei sind auch immer die Anekdoten des Tages von denen man berichten kann.Am Samstag hatte ich wieder Glück. Eine neue Anekdote ist dazu gekommen.Auf dem Weg zum Erwachsenengeburtstag fuhren der Mann und ich mit der U7. Die U7 kreuzt den U-Bahnhof Mehringdamm, der zeitweise nun „ U-Bahnhof Miniondamm“ hieß und komplett als Minion verkleidet seine Gäste empfängt. Natürlich hatte ich den Kinder längst versprochen mit ihnen gemeinsam dort hinzureisen, aber die Zeit ist knapp und die Werbezeit der Minions begrenzt. Daher sprang ich in der U-Bahn justament auf, als die Station angekündigt wurde und hielt nach dem Stop der U-Bahn sofort meine Handykamera aus der Tür. 
Ich wollte doch nur einige wenige Eindrücke für unsere Kinder mit nach Hause nehmen. 


24. Juni 2015

Wochenberliner: Auf Reisen "Verdichtungen"

Als Vater auf Reisen


Von Jugendlichkeit im Alter und meiner Schwäche zur Legendenbildung

Ich war das letzte Mal auf einer studentischen Konferenz. Mein Mitbewohner war ein angehender Musiker aus dem Elsass. Bei der gegenseitigen Vorstellung kamen wir beiläufig auf Damenbesuch auf dem Zimmer.

Ich hätte es einmal erlebt, prahlte ich, dass meine Mitbewohner mit Mädels nachts ankamen und wir restlichen beiden dann auf das Zimmer der Besucherinnen gegangen seien, um das vertiefende Kennenlernen nicht zu stören.

Das wir am Ende zurückkehrten, da die Pärchen friedlich schliefen, verschwieg ich.


19. Juni 2015

Wochenberliner: Die garstige Verkäuferin

Die garstige Verkäuferin und Ich


Ich gehe nicht gern Lebensmittel einkaufen. Es strengt mich an und die Auswahl in den meisten Läden überfordert mich. Wenn ich mit den Kindern zusammen durch die Läden dieser Stadt springe, habe ich danach meist gute Argumente für Fehlkäufe die der Mann dokumentiert. 

Einkaufen für einen Mädelsabend, ich spüre Hass!

Doch nicht immer sind die Kinder dabei wenn ich mal Besorgungen machen muss. So geschah es denn auch vor einigen Tagen. Ich musste ganz allein zu Netto gehen um für einen gemütlichen Mädelsabend Süßes einzukaufen. Per SMS holte ich mir von der Gastgeberin genaue Instruktionen zur Anzahl der Personen und Vorlieben und betrat gewappnet mit Kopfhörern und meinem „Weekender“ (große Tasche) den Nettoladen um 19:23Uhr. Als ich nach Süßkram der mittleren Preisklasse suchte, streiften die Riesentasche und ich jedenfalls dieses Sixer-Bier und  warfen es aus dem Regal. Verdammte Schwerkraft! Leider überlebte das Six-Pack den Sturz nicht. Sofort nahm ich meine Kopfhörer vom Kopf, stellte die Tasche (in trockener Umgebung) ab und begann die Scherben aufzusammeln. Mir sind solche Missgeschicke wirklich unglaublich unangenehm und ich würde niemals einfach wortlos weg gehen.