Wie man sich Blogger Gelassenheit bewahrt

Ich bin zutiefst beeindruckt von Konstantins konziser Lebensbeschreibung gestern einer wirkmächtigen Heiligen – die es wohl gar nicht gab. (Ha’ick dit rüschtüsch vaschtan’n?) Denn stimmt: Es kommt drauf an, was man draus macht, aus dem Nüscht.
So wie heute. Heute geht es um eine neue Textsorte, sie beruht auf dem Fehlen einer Idee und heißt auch so: „Wie blöd, ich habe das freie Thema aber – genau! – keine Idee.“ Aber dafür schlechte Laune. Die hat was mit Abgabeterminen und fehlenden Fallbeispielen aus dem Mittelstand und überlasteten Presseabteilungen bei Selbigem zu tun.

Der Streik im Sozialbereich?

Dabei hatte ich mir für hier so viel vorgenommen. Ich wollte loben, dass bei Kirchens im Sozialbereich jetzt auch gestreikt werden darf. Ich wollte verdammen, dass in Uganda demnächst Schwule vielleicht doch gehängt werden. Ich wollte mal wieder anprangern, dass deutschen Theologen die Heiligkeit von Ritualverrichtungsräumen wichtiger ist als das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung. Ich wollte, ha!!!, diese Familienministerin loben für den Spruch: „Wer seine Kinder in die Kita gibt, ist nicht herzlos, wer sie zuhause betreut, ist nicht hirnlos.“ Ich wollte endlich mal den großen Rundumschlag machen gegen Atomkraftgegner, Klimazweifler, Impfgegner, Hartz-IV-Empfänger-Hasser, unbeholfene ostdeutsche Autofahrer, selbstzentrierte Kreuzberger Wessi-Waldorfeltern ….
Alles Quatsch. Ist nicht wichtig. Wissen wir eh alle. Blöde Kämpfe. Mein heutiges Thema lautet deshalb, und das geht jetzt ganz schnell: Geht jeden Morgen um kurz vor Acht eine Viertelstunde lang an der Spree, Rummelsburger Bucht Nord spazieren. Im Townhouse-Eldorado parken, links am Biotop vorbei, kurzer Blick auf die Anlegestellen in Richtung Paul-und-Paula-Ufer, zurück durch die Reihenhäuser. Den tip top-erhaltenen R4 vor Nummer 28 grüßen. Sich über die kleinen Vorgärten freuen. In Gedanken eine Wohnung in den renovierten Knabenhäusern beziehen, mit Spreeblick natürlich. Durch den Novembernebel die Sonne erblinzeln. Und dann gelassen die Welt an den Hörnern packen.
Jost