Wer war Ian Menzies Bank?

Kein Nachruf, sondern der Hinweis auf
einen der größten Köpfe der modernen Literatur. Auch wenn Iain
Menzies Banks, geboren 1954, am 9. Juni 2013 (viel zu früh
natürlich) gestorben ist.
Iain Banks gehörte in der
englischsprachigen Welt tatsächlich zu den größten, bekanntesten
und erfolgreichsten Schriftstellern. Hierzulande eher nicht, und ich
wette, das liegt daran, dass er auch Science Fiction schrieb – in
England unter Verwendung seines zweiten Nachnamens Menzies als Iain
M. Banks. So etwas macht in Deutschland immer noch verdächtig. Da
muss es halt immer die schwere Monika Maron sein (die ich je vor
kurzem sehr lobte) oder die Bauchnabelschau von ausufernden
Familienromanen. Was gar nicht gut kommt, ist Humor, egal in welcher
Form, und das Überschreiten von Genregrenzen.
Das wiederum war Markenzeichen von Iain
Banks. Mit 14 schon beschloss er, Schriftsteller zu werden, richtete
sich in Jobs ein, die ihm viel Zeit dazu ließen, und veröffentlichte
1984 seinen ersten Roman, „The Wasp Factory“ (deutsch 1991 „Die
Wespenfabrik“). Die Geschichte eines Jungen, der mit seinem
exzentrischen Vater auf einer Insel lebt und dessen Leben um bizarre
Opfer- und Abwehrrituale kreist, ums Töten und um die Folgen
schmerzhafter Erlebnisse zwischen Frauen und Männern, bis sich am
Ende eine verstörende und in jedem Sinne umwerfende Auflösung
ergibt.
In seiner Radikalität und seinem
grenzenlosen Einfallsreichtum sprengt das Buch den Rahmen der
üblichen Psychothriller, jenseits jeder Exzentrik schuf Banks hier
etwas, das sich so selten in literarischen Werken findet: etwas
Neues. Auch die folgenden Bücher hatten alle ein phantastisches
Grundrauschen, und es wunderte niemanden, als er wenige Jahre später
anfing, Science Fiction zu veröffentlichen. Die war dermaßen neu,
einfallsreich, „menschlich“ und so gar nicht das, was man von den
langweiligen Technofreaks der amerikanischen Hard Science
Fiction-Szene (und ihren grässlichen deutschen Epigonen) kannte.
Letztlich nimmt Banks – Iain M. Banks
– eine ultratechnisierte Zivilisation, die „Kultur“, als
Grundlage und Voraussetzung für irrsinnige, zutiefst berührende,
unglaublich komische, von einer gewissen liebevollen Verzweiflung am
Menschen geprägte Großgeschichten, die mit „Space Opera“ nur
unzureichend beschrieben sind: Dazu nämlich sind sie einfach zu
großartig. Ein Großteil spielt eben im „Kultur“-Universum, in
dem eine Menschheit durch absolute technische Überlegenheit jede
Freiheit hat, praktisch unsterblich ist, keine Energiesorgen hat und
mit wahrhaft intelligenten „Robotern“ und riesigen, autonomen
Raumschiffen koexistiert. Die heißen „Not Invented Here“,
„Ethics Gradient“ oder „Fate Amenable to Change“. Natürlich
gibt es Aliens, in deren Leben man nicht einfach so eingreift, es
gibt Bedrohungen, Abenteuer, Liebe, Sex, Weltraumschlachten und eben
jede Menge Spaß. „Culture“-Novels legt man nicht mehr
weg, und ist am Ende beglückt über die Tiefe einer Erzählung, die
halt nur zufällig „im Weltraum“ spielt. Hallo, niemand würde
den „Siegfried“ als billigen Ritterroman abtun. Hab ich das
rübergebracht?
Wer kann, sollte Banks auf englisch
lesen. Ältere Übersetzungen ins Deutsche sind gruselig schlecht,
neuere Ausgaben in Ordnung. Schaut mal rein …