Praschl über Helikoptereltern

Vor zwei Wochen trat der SPIEGEL eine Diskussion über die sogenannten Heikoptereltern los, die zwar Wellen schlug, aber schon wieder beendet ist. Der Aufhänger – das Buch eines Pädagogen aus Bayern – wird sich zweifellos besser verkaufen, was ihm gewünscht sei. Als kleine Nachlese möchte ich dennoch auf einen Artikel von Peter Praschl in der WELT am Sonntag verweisen (Welt), der auf die SPIEGEL-Geschichte Bezug nahm.
Praschl bekennt sich in dem Text explizit dazu, ein Helikoptervater zu sein – also jemand, der permanent um das kostbare Kind kreist und nicht nur Lehrer damit in den Wahnsinn treibt. Er steht damit nicht allein; es gab sehr viele Reaktionen voin Publizisten und Journalisten, die mutig-trotzig verkündeten, sich schreckliche Sorgen um ihre Kinder zu machen. Argumente jenseits der persönlichen Sphäre hatten sie selten, 
und das war das Traurige. Praschls Artikel ist beispielhaft – es ist ein Dokument der Angst.


Ein Dokument der Angst

Der Mann ist ziemlich alt für eine Tochter, die noch keine drei ist, die Existenzängste (als festangestellte Edelfeder wohlgemerkt) gegenüber dieser so verwirrenden modernen Welt sind entsprechend tief, groß, allumfassend. Und kreisen vor allem darum, dass sein Kind dermaleinst keinen Job findet. Schlimm ist aber vor allem, dass er diese Ängste eins zu eins auf sein Kind überträgt. Eltern müssten sich eben hysterisch einmischen, weil die Lehrer und die Schule und überhaupt die da oben und vermutlich auch die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik, die raffen es einfach nicht, die Kinder irgendwie – naja, „employable“ zu machen, so heißt das heute ja. (Den Ausdruck benutzt er nicht. Aber um nichts anderes geht es ihm als um die Angst, dass aus dem Kind nichts rechtes wird.)
Ich sag Ihnen was, Herr Praschl: Wenn es für Ihr Blag soweit ist, werden sich Unternehmen um das Kind reißen, weil es schon heute kaum noch Kandidaten gibt. Keiner wird mehr von der abstiegsbedrohten Mittelschicht sprechen, zu der Sie eh nicht gehören – auch wenn Sie zwei oder drei Leute irgendwie kennen, die jetzt nicht so den supertollen Job haben – denn ebenso wie die Hysterie ob der ach so schlimmen Pädagogegn werden in zehn, zwanzig Jahren auch die Modelle der Existenzerhaltung, des Arbeitens, der „Sicherheit“ ein neues Equilibrum gefunden haben.

Die 70iger sind over

Die Gefahr liegt ganz woanders: Nämlich in diesen hysterisch Eltern, die immer noch nicht kapiert haben, dass ihre schöne Siebziger- und Achtzigerjahre-Existenz so nicht mehr wiederholbar ist – und sich einfach nicht vorstellen können, dass es zwar radikal anders, aber mit ebenso tollen Aussichten dennoch weitergehen wird für ihre Kinder. Wenn, ja wenn diese armen Kinder nicht von den angstbesoffenen Eltern an einer erfolgreichen persönlichen Entwicklung gehindert werden.
Jost Burger