Über das einfache Glück.

Vor kurzem hatte ich eine Zumutung zu
verkraften. Und lernte daraus.
Hintergrund: Ein Jahr lang werde ich –
von Menschen, die mit sich ziemlich im Reinen sind und, wie man so
sagt, angekommen sind, und zwar da, wo ich noch hin will – etwas
ganz neues lernen, das mir auf dem Weg in ein zufriedenes kommendes
Jahrzehnt helfen soll (nee, keine Esoterik, ihr kennt mich doch!).
Und wenn man sich da so auf die dritte berufliche Inkarnation
vorbereitet, schluckt man ziemlich, wenn einer kommt und sagt: Du
musst Zufriedenheit lernen. Und das heißt: Du brauchst keine
Bezugspunkte, Vergleiche sind Gift, vermeide Bewertungen.
Boah. Das stelle ich mir als wahnsinnig
schweren Balanceakt vor. Um zu lernen, zu werden und zu wachsen,
müssen wir ja auf die anderen schauen. Niemand ist eine Insel,
Solipsismus ist einfach nicht praxistauglich und so weiter und so
weiter.
Aber es geht. Vermutlich geht es darum,
dieses Beschauen der anderen zu nutzen, um konstruktiv eigen zu
werden. Anders. Auf die anderen schauen wird erst schwierig, wenn wir
uns an ihnen messen und bewerten, übrigens auch überbewerten, oder
so sein wollen wie sie. Deshalb
soll man auch nicht auf das Sein und auch nicht auf das Handeln der anderen
schauen, sondern auf die Prinzipien, die dem Sein und den Handlungen
der anderen zugrunde liegen. Da können wir uns ruhig etwas
abschauen, wenn es uns günstig erscheint. In uns werden diese
Prinzipien dann zu unserer Eigenheit wirken.
Und dann gibt’s noch einen drauf: 

Lerne, mit der Stimmung und Beschaffenheit dessen, was geschieht, zu
fließen. 

Das heißt: Wollen, was man bekommt … Klingt wie die
falsch verstandene christliche Demut, die zur Selbstverachtung führt?
Nee, nee:
Nicht urteilen, wollen, was man
bekommt: Das bedeutet keineswegs Passivität, sondern ermöglicht
erst zum Handeln. Nur wer die Welt so nimmt, wie sie um ihn herum
passiert, kann in ihr überhaupt handeln. Niemand kann gegen die Welt
handeln. Ein Segelschiff kann gegen den Wind kreuzen und sehr
bestimmt eine eigene Richtung einschlagen, aber es kann niemals in
direkter Linie gegen den Wind ansegeln. Wer will, was er bekommt,
macht das Bekommen zum Wollen. Und ist dadurch so nahe bei sich, dass
sich das Handeln auf Ziele richtet, Dinge bringt, die er mit Freude
und ohne Widerstand willkommen heißen kann.
Wer die Welt dagegen ständig bewertet
und beurteilt, oder wer sie nur so zu sehen vermag, wie sie ihm
richtig scheint, der kann nicht handeln, der kann nur vergeblich
gegen die Welt handeln (gegen eine Welt, der wir ja völlig wurscht
sind). Der versinkt in Unzufriedenheit. In Verbitterung. Der bekommt
eine bittere Seele aus knitternder Folie, aus knickendem Weißblech.
Jost Burger