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Wochen-Buch (eigentlich Dienstag): WILHELM ZWO

In einer nicht oft genug zu empfehlenden Reihe, Beck Wissen, die lexikalische Kompaktheit (ca. 120 Seiten pro Band) mit monographischer Genauigkeit vereint und mit 8,95€ erschwinglich ist, erschien mein heutiger Buch-Tipp.
Ich hatte Lust auf etwas anderes als Fachliteratur und landete dann doch bei etwas ähnlichem. Zwei Bücher zum Jubiläumsthema 1. Weltkrieg.
Dabei lese ich gerade in den letzten Zügen John C. G. Röhl: Wilhelm II.
Dem englischen Professor und Einhardpreisträger (für seine große dreibändige Wilhelm-II-Biografie, 1993-2008, ebenfalls bei Beck) gelingt es die Ambivalenz der Person Wilhelms nachzuzeichnen. Dabei wird der Monarch nicht zu reinen Bestie degradiert. Vielmehr skizziert der Emeritus die Tragik eines Herrscherlebens zwischen englischer Aufgeklärtheit der Mutter und preußischem Militarismus der väterlichen Familie. Unterlegt mit historischen Zitaten zeichnet sich ein Bild der Bedenklichkeit. So das ich mich hundert Jahre später Frage wie konnte die Monarchie nur so lange überleben? Andererseits wird dem Leser nur allzu menschliches aufgezeigt. Mir wird dadurch nur wieder sehr deutlich welche unglaubliche politische Balance der Frieden braucht.
Bezeichnend, dass ein Engländer mit deutschen Familienteilen das Thema aufs Tableau holt. So wie die Mehrzahl an „Ziegelsteinen“ zum hundertjährigen Ausbruchsgedenken von angloamerikanischen Wissenschaftlern verfasst wurde – zeigt es mir, wie schwer wir nach dem Hitler-Schrecken mit dessen Vorboten umgehen können. Sind wir ja noch heute in einem Hohenzollernrausch gefangen, im Sinne von: Das letzte Reich konnten sie uns nehmen – die großen Preußen (Friedrich der Große, Luise etc. ) nehmen sie uns nicht.

Allein deswegen lohnt sich eine Lektüre dieses kleinen feinen Werkes sehr!
Link zu einem Artikel über den Autor:
Konsti

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