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Smartphoneküchendistanz eines Vaters

Welche Küchengeräte braucht man?

Ich weiß nicht, warum mich das so interessiert, all diese
verrückten Kochutensilien. Das Bild von vergangener Woche etwa, das
war ein Dings aus Japan, mit dem kleine Japaner lernen, einzelne
Reiskörner aufzupicken. Das ist ja noch nützlich, und putzig auch,
es gibt sie nicht nur mit Hello Kitty-Scharnier, manchmal leuchten
sie auch, wenn sie auf korrekte Weise geschlossen werden …
Familienblog, Mamablog, Papablog
Was einem schmecken kann..

Für Europa hingegen existieren spezielle Löffel für das
Herausfischen von Oliven, die haben ein Loch im Löffelboden, damit
das Aufbewahrungsfluidum besser abläuft. Es gibt Kartoffelgäbelchen
mit Griffen in Erdäpfeloptik. Die X-te Variante des Gurkenschälers.
Spezialwerkzeuge, um Tomaten vom Strunk zu befreien.
Ingenieursschulen, die sich mit der besten Art beschäftigen,
Knoblauch kleinzukriegen. Zugegeben: Als Technikfan (old school und
analog) finde ich es faszinierend, was da in den Haushaltsabteilungen
noch des kleinsten Tante-Emma-Ladens hängt. Andererseits ist es
beunruhigend, wie viel Verbesserungsinnovation in Dinge fließt, die
vor Hundert Jahren ein scharfes Messer geleistet hat. Technikkrempel,
um sich die Sachen zunehmend weiter vom Leibe zu halten.

Billige Technikfeindlichkeit? 

Na, dann haben Sie doch mal ein Kind
auf der Ballettschule und nen Abschlussball im Theater an der
Parkaue. Mal davon abgesehen, dass die ganzen Westeltern (ich also
auch) die Sache mit der Parkaue eh nicht raffen, ist so eine
Veranstaltung ein Festival der (herkunftsübergreifenden)
technikinduzierten Distanz. Ich mein, Menschen wie Konstantin Manthey
erzeugen eine Verbindung zur Realität durch ihre tollen Fotos. 
Hysterisch knipsende Mütter in der Reihe hinter mir tun das aber
nicht. Die haben ihr Kind in den drei Minuten echten, anfassbaren
Bühnenruhms keine Sekunde mit eigenen Augen wahrgenommen. Die
Augen-Hirn-Schranke bildet eine laut piepsende und klackende
DeEssEllErr. Erst beim Betrachten der wahrscheinlich wieder mal total
misslungenen Klickwerke wird Mami aufgehen, dass man vielleicht auch
einfach mal hinsehen könnte. Aber wurscht, die Veranstalter haben
das Ganze ja auf Video aufgenommen, da kann man es dann nachgucken.
Richtig schön ist das dann.

Fazit: Zwischen dir, deinem sich erinnernden Herzen und deinem
Kind liegt nichts. Außer einem blöden Smartphone vielleicht.

Jost Burger

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