Man denkt man hat schon alles gesehen und dann bauen Familien ein Haus

Alle ziehen aus, oder um oder ein im Moment. Freunde bauen in Zepernick, andere in Woltersdorf die nächsten ziehen nach Karlshorst. Ich freue mich für Sie und trauere um unsere Nähe. Ich höre gern zu wenn die anderen Eltern über ihre Baupläne sprechen, so schön und bunt sieht das aus auf Papier. Sie zeigen uns all diese Bilder von Gärten und kommenden Terrassen auf der die 1-3 Kinder optional spielen werden. Auf Papier richten sie ihre Küche ein.  Ich höre gern wie sie über Keller und Dächer sprechen. Sie sehen so froh und glücklich aus.Bis es dann losgeht, bis zu dem Moment wo sie dann wirklich bauen! Da beginnt dann das Grauen, gefühlt. 
Manche bauen ein Haus, Andere wohnen in einem.




Böse Blicke von zerrütteten Ehen

Man denkt, man hätte schon alles gesehen als junge Eltern: Müde Mütter, bleiche Väter, Jogginghosen, ungewaschene Haare, verwirrte Blicke, aber das ist alles kein Vergleich zu diesen Exemplaren der Elternschaft. Bösartige angespannte Blicke wechseln mit tieftraurigen ehe zerrütteten Momenten. Die Freunde sind kaum ansprechbar, es ist schwer auch nur zusammenhängende Sätze aus ihnen herauszubekommen. Wortfetzen wie Fliesensorte, Trockenbau und Farbe, Scheidungsgründe und sooooooviel Papierkram, höre ich. 
Eine Frage nach Familienleben, oder Freizeit wird müde belächelt oder gleich abgewunken. Es scheint mir, dass der Weg zum Eigenheim ein schwieriger ist, ein Weg von Tränen und der Extrem Partnerschaftatstest. Eine Künstlerin meinte letztens zu mir, dass ich ja kein Leben hätte so in meiner Arbeit und in meinem Sein, ihre Sicht eben. Ich könnte diesen Satz zu all diesen Menschen sagen, die da ihr Glück suchen im Eigenheim und wenig froh aussehen in diesen Monaten der erneuten Geburt einer Idee. 
Aber nu mal ehrlich bleiben Alu, nicht wahr?
Wir haben auch schon darüber nachgedacht und wurden in der Sparkasse in einen extra Gebäudeteil gebracht, als wir die Worte „Idee und Bauen“ mal so fallen ließen. Dort führte man mit uns ein wirkliches Gespräch unter Erwachsenen. Über Verbindlichkeiten und Ideen, über Geld und Orte. Zum Schluss verließen wir laut lachend das Gebäude, uns einig, dass dieser Moment noch nicht gekommen sei, fern ab ist von Promotion und Einstieg in den Beruf. Naja, derzeit verklagen wir nun auch  den Eigentümer unser Wohnung weil wir seit Mai 2013 mit einem Wasserschaden und anderen Sachen in unserer Mietwohnung leben, wer weiß also schon in welche Hellersdorfer Ecke wir bald gentrifiziert werden? Friedrichshain wird, nach neusten Erhebungen,  von Rentnern aufgekauft und wie lange wir den Status halten können, ist unklar. 

Ich plädiere für die Fliesenfreiheit

Wer weiß das schon, ich meine wir sind jetzt über 30, wir sollen wohl angekommen sein, nicht nur gedanklich sondern auch örtlich. Ich plädiere jedoch weiterhin für die geistige Freiheit lieber Leser und ich plädiere für die Fliesenfreiheit. Ja, die Fliesenfreiheit! 
Hab ich auch letztens meiner Freundin gesagt und ihr vorgeschlagen keine weiteren Ehekrisen auszulösen, indem sie die Kinder die Farbe und Beschaffenheit der Fliesen entscheiden lässt. Die malen die Dinger doch sowieso an, fügte ich noch schnell hinzu. 
Alu