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Wochenberliner: Besuch beim Fleischer – Ich bin Flexitarier

Der Fleischer „Ich bin Flexitarier“

Ein Schulungszentrum in Friedrichshain.Ich werde geschult, Supervision. Man reflektiert sich die ganze Zeit, alle weinen und sowieso ist die Stimmung wie immer großartig, ihr kennt das.
Ein Fleischer gegenüber bietet ein
Mittagsangebot. „Dit ist ein Imbissangebot“, sagt die Verkäuferin. Ich will
mich nicht streiten, denk ich. Gerade eben noch supervisiert, da wird das doch
hier ein Klacks. „ Imbiss, Mittag, was ist der Unterschied? Wer weiß das schon
so genau“, murmle ich. Ich murmle anscheinend zu laut, denn die Kollegin und
ich werden erstmal ignoriert. „Die hat heute schon genug verdient“, sagt die
Kollegin. „Mhmm“, brummele ich. 

Die Situation wird nicht besser, Frau Fleischerin
konzentriert sich auf die Gesichtswurst. Endlich kommt die Fleischerfrau hinter
dem Tresen auf uns zu „ Sie wünschen?“ „Ein Haus, einen Baum, eine tolle
Familie und ganz viel Gesundheit“. Kein Lacher auf ihrer Seite, schade,
manchmal kann mein Humor ja das Eis brechen. „Was vegetarisches hätte ich gern“,
ich flüstere. „ Wat?“ Ich wiederhole. Die Augenbraue der Fleischers Frau hebt
sich in die Höhe „Ach so, Kartoffelsalat mit Hühnchen, ja?“ Ich überlege die
freundliche und serviceorientierte Verkäuferin darauf hinzuweisen das auch
Hühnchen Fleisch ist, sage aber nichts und nicke. „Wollen sie et warm?“ „Aber
immer, der Preis ist heiß“, wieder kein Lacher. Anscheinend hab ich heute
meinen schlechten Tag. Die Augenbraue hebt sich, Madame stellt das Essen in die
Mikrowelle. „ Der Nächste bitte.“

Flexitarier haben es leicht?!

 Nach 1 Minute Wartezeit dann das Ergebnis.
Sie holt warmen Kartoffelsalat und Hühnchen Filet aus der Mikrowelle. „Nisch am
Teller anfassen wo dat Fleisch is, da sammelt sich immer die Hitze drunter und
denn verbrennen sie sich die Pfoten.“ „Oh danke. Das ist ein wunderbarer
Hinweis“, antworte ich und kann mir ein „Ich bin ja Flexitarier, wir kriegen
das hin“, nicht verkneifen. 

Kein Lacher auf der Fleischerseite

Immer noch kein Lacher, aber wieder was gelernt
heute im schönen Berlin! Das macht mich doch ein bisschen froh. Während die
Kollegin mein Hühnchenstück und Bockwurst verzehrt, genieße ich den warmen Berliner
Kartoffelsalat und denke an den zweiten Teil der bevorstehenden Supervision. Könnte man doch gleich mal aufgreifen diese Begebenheit mit der Frau und mir, denke ich. Aber dann müssen wir doch wieder über Politik sprechen, im Seminar. Naja, ihr wisst ja, da haben „Flexitarier“ wirklich keinen Platz.
Alu

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