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Wochenberliner: Friseurbesuch, oder wie bastelt man denn nun die rote Nelke?

Mehr Mut zu langen Haaren für Frauen?

Seit Monaten habe ich keinen
Friseurladen mehr betreten, ich lasse wachsen. „Mehr Mut zum Strubbel“, sagt
die Freundin. „Du siehst morgens aus wie Einstein“, sagt K1.
Am letzten Montag war es jedoch so
weit, ich hatte Zeit und Lust. Ich betrat spontan einen Friseurladen in einem
größeren Berliner Einkaufszentrum. Ich habe eigentlich immer etwas zu lesen
dabei, doch dieses Mal wurde meine Lektüre nicht benötigt. Beim Friseurbesuch
wurde ich Zeuge von hitzigen Basteldiskussionen unter den Angestellten. Es ging
um das Basteln der roten Nelke. Der Vorgang wurde sogar im Internet
rausgesucht, während ich wartete. „Ich weiß noch genau, wie das geht“, sagte
der einzige männliche Angestellte.

Zum Aufmarsch des Berlin-
Geburtstag, zur 750 Jahr Feier, (*1987 Anmerkung der Redaktion) hätte er das
auch schon gemacht. Der glatzköpfige Friseur berichtete, dass er noch genaue
Erinnerungen an das Nelke basteln haben würde und man diese schließlich auf
einem Stab getragen hätte. Die für mich zuständige Friseurin fiel ihm ins Wort,
sie hätte nur Tauben gebastelt, um diese auf Stäben zu tragen.
Ich habe keine konkreten
Vorstellungen mehr an dieses Ereignis. 

An Spaziergänge, mit Nelke in der Hand,
kann ich mich erinnern. Es war eine rote Nelke, ich probierte die einzelnen
Blätter abzuzupfen.

Ich fragte die
Friseurin wie sie auf das Thema gekommen seien „Ist doch 777 Jahr Feier Berlin
gerade, da wollen wir mal hingehen, als Team.“
Wieso mache ich mir Gedanken
um Erinnerungskultur? In diesem Laden wird eine Form davon gelebt. Obst,
Getränke, Kindergarten und Schulsysteme wurden in meinem 20 Minuten Besuch,
zwischen den Angestellten, abgehandelt. 

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du deine neuen Romanprotagonisten. Setting Friseursalon. 


Die Friseurin fragte
mich jedoch gar nichts, weder was genau ich denn geschnitten haben möchte? Noch,
ob ich auch eine Meinung hätte? Sie kürzte ein wenig die Haare am Hinterkopf
und berechnete dann nur Augenbrauen zupfen, statt Damenhaarschnitt „Weil et ja
janisch viel war, wissen se.“. Ich beschwerte mich nicht und sah aus wie
vorher. Wer weiß wofür das noch gut ist. 
Vielleicht habe
ich die 10 Euro ja eher für das Entertainment bezahlt? 
Ob sich das Team nun
auf Tauben oder Nelken geeinigt hat, habe ich jedoch nicht mehr in Erfahrung
bringen können. 
Für EUCH zu Hause recherchiert:
Alu
Alles Fassade

1 Kommentar

  • Jessika Rose

    November 17, 11 2014 08:58:09

    Hahahahaha made my day! Wunderbar!

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