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Der EU-genormte Christbaum in unserer Familie

Der genormte Christbaum

In einer Zeit in der patriotische Europäer (kann Europa ein
Vaterland sein?), das Abendland retten (danke, ich will von euch NICHT gerettet
werden) kaufe ich wieder einen Weihnachtsbaum.
Seit Jahren haben wir einen. Mittlerweile ist dieser
Nordmann immer vom selben Fachhändler. Einmal waren wir auf der anderen Straßenseite,
doch der war teurer und auch nicht grüner.
Dieses Mal war ich
mit den Kindern da, ein Erlebnis! Wir haben uns nach kurzer Begehung des
temporären Tannen-Discount-Walds gegen einen dichten und für einen Baum mit
Platz für das viele, teilweise selbstgebastelte Gehänge entschieden. Meine Frau
begrüßte uns mit: „Na, wieder einen traurigen Baum gerettet?“ Ja, haben
wir!

Der Baumkauf

Beim Kauf erzählte mir der Mann vom Stand er dürfe mittlerweile
weder zuschneiden noch stutzen -zu gefährlich. Zum Glück konnte er noch das Netz
drum machen (wobei bei dem Baum hätte ich auch einen eingepackten kaufen
können). Etwas mehr als einen Kilometer zu Fuß. Vorbei am, pünktlich zur
Vorweihnachtszeit (also September) hergerichteten, Legoschaufenster bei der
Galeria. Es windete gegen uns. Mein Segel war der Baum an diesem Vormittag! Es war voll
auf der Frankfurter Allee. So traute ich mich nicht den Baum zu schultern. Eine
Drehung und ich hätte jemanden am Kopf touchiert. Die Kinder hörten entweder
schlecht, bis gar nicht, oder bummelten! Bei jedem absetzen musste ich mich daran
erinnern, dass ich mir bereits beim letzten (und vorletzten) Kauf schwor eine
Jacke mit weniger Knöpfen anzuhaben. Denn alle fünf Meter, musste ich mich nun
vom Netz abknöpfen.

Der Tag der Aufstellung ist gekommen

Angekommen, der Baum wurde auf die Terrasse gelegt. Diesmal
würde alles gleich klappen! Ganz bestimmt! 
Heute, Tag der Aufstellung. Ich muss
mich wieder belesen. Zu selten nutze ich unseren Ständer mit integrierter
LED-Beleuchtung im Fuß, schaltbar per Fernbedienung (danke Muttern).
Der Hightech-Baumhalter ist fertig. Ich denke an den
Verkäufer: „Haben Sie einen normalen, neueren Ständer?“  Konnte diese Frage sofort
mit Ja beantworten! „Dann passt der, heute werden die nur aus dem Wald geholt,
wenn der Stamm bis zum ersten Astring genau die richtige (genormte) Größe hat“.

Ich zeigte mich beruhigt. Musste ich doch die letzten Jahre, zu oft selbst noch
Hand anlegen und eine Reihe Ast absägen.

Alles auf Anfang

Baum nach Anleitung in die Ringe setzen, Kräfte sammeln und
drin ist er. Ein Moment der Freunde. Doch dann: Ja er ist drin, aber irgendwie
schief! Also wieder öffnen, ich lese nach, entferne die Sicherung, gebe Acht
damit die zurückspringenden Anker nicht die Finger verletzen. Doch die „genormte“
unterste Ast- Reihe verfing sich in den Ankern, nichts geht vor, oder zurück.
Viele Versuche mit dem Hammer folgen, zwei Erwachsene verzweifeln am
Baum – Nichts. Also Baum auf die Terrasse, im Christbaumständer und  das genormte Ding hingelegt. Ich hätte ihn zur
Not radikal eingekürzt, auf Strauchgröße! Doch, im Regen und mit Gewalt konnte
ich die Anker lösen und…. die genormte Ast Reihe absägen. L
Liebe EU, danke für
eure Norm! Doch ich werde sicher nicht euer Baum-Patriot – da säge ich viel
lieber, jedes Jahr aufs Neue!
Konsti

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