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Feierwoche: #6 Ein Gastbeitrag von geborgen-wachsen „Farbkleckse machen das Leben schöner- Über Freundschaften mit Eltern“

Farbkleckse machen das Leben schöner – über Freundschaften mit Eltern

Dass sich durch das Kinderhaben mein Leben verändern wurde, war mir klar. Es wurde mir schon deutlich, als ich schwanger war und begann, mehr auf meine Ernährung zu achten, darauf, wie viel ich schlief, wie viel ich trank. Es war ein Vorgeschmack dessen, was sich noch alles ändern sollte in den nächsten Jahren, wie auch ich mich ändern würde. Womit ich nicht rechnete, war, wie sich das Elternsein auf meine Freundschaften auswirken würde. 

Ich war eine der ersten Mütter im Freundeskreis

In meinem Freundeskreis war ich eine der ersten, die schwanger wurde. 29 – das ist dennoch keine junge Mutter. Doch ich war eine der ersten. Hier und da hatte ich auch Freundinnen, besonders aus der Uni, die schon lange Mütter waren. Erfahrene Frauen, die schon Geburten erlebt hatten. Ich war glücklich, sie an meiner Seite zu wissen. Ein Ziehen im Bauch hier oder im Rücken dort – ich war mit jeder Frage bei ihnen richtig. Die Weisheit der Frauen, die schon einmal geboren haben – ich kam bei ihnen in den Genuss, dies schätzen zu lernen. Sie waren da. Sie ruhten in sich mit ihrem Wissen. Auch in den ersten Jahren waren sie so wichtig und standen an meiner Seite, meine beiden Freundinnen aus der Studienzeit, auf die ich mich immer verlassen konnte. Keine Kinderkrankheit die sie nicht kannten, kein Entwicklungsschub der ihnen fremd war.

Ihnen gegenüber standen die anderen Freundinnen, die, die noch nicht schwanger waren oder die, die es nun gerade wurden. Zeitgleich wölbten sich unsere Bäuche vor. Und wie sehr wir auch äußerlich die gleiche Entwicklung durchmachten, gingen wir im Inneren auseinander: Geburtshausgeburt oder Hausgeburt? Sie hielten mich für verrückt und sahen im Krankenhaus den einzig möglichen Ort. Schlafen im Familienbett? Was für eine unzivilisierte Unsitte. Die Treffen wurden weniger, die Gespräche stiller. Worüber spricht man, wenn man sich über das wichtigste Thema im Leben gerade nichts mehr zu sagen hat? Eine Gemeinsamkeit, die uns trennte. Es waren nicht mehr sie, die ich zum Teil noch aus Schulzeiten kannte, die ich nachts anrief, die ich um Hilfe bat. Die Nächte machte ich nun gemeinsam mit meinem Mann durch. 

Kinderkriegen, das vereint und kann doch auch trennen

Kinderkriegen, das vereint und kann doch auch trennen. In dem Maße, wie ich mich von meinen Schulfreundinnen weg bewegte, ging ich neue Wege. Neue Freunde finden über 30, das ist manchmal nicht einfach, wenn man nicht auf ein gemeinsames Leben, auf gemeinsame Zeiten zurück blicken kann. Neue Freunde finden, das ist mit Kindern manchmal schwer, denn man hat schlichtweg weniger Zeit und weniger Raum. Nächtelang Quatschen oder stundenlang telefonieren – das würde mir heute kaum noch einfallen. Ich suchte in Spielgruppen und auf Spielplätzen nach Menschen, die mich auf meinem Weg begleiten würden, mit denen ich auch ohne lange Vorgeschichte einen Nenner finden würde. Auf all den Spielplätzen, die ich besuchte, fand ich genau eine Freundin. Aber sie und ihren Sohn schloss ich in mein Herz wie auch meine Tochter es tat. In manchen Dingen anders, aber in den Herzensdingen sehr ähnlich. Ich lernte, dass man, wenn man innerlich gleiche Wege geht, auch äußerlich Unterschiede machen kann und sie nicht stören. Ich lernte durch sie, dass auch Milkadonuts und Eis auf einen Spielplatz gehören und habe ein gutes Stück Gelassenheit mit diesen Dingen geschenkt bekommen. Sie war es, die meinem Sohn das erste Stückchen Schokoladenkuchen auf dem Spielplatz in den Mund schob.
Die Erkenntnis, dass vielleicht doch nicht alles übereinstimmen muss, wenn man im Herzen die gleichen Wege geht, überraschte mich und öffnete auch andere Sichtweisen: Nein, man muss sich nicht nur mit Menschen umgeben, die genau so sind, die auch Familienbetten toll finden, lange stillen, die Kinder tragen und nur bio essen. Es macht das Leben bunter – und das gerade auch für die Kinder – wenn wir andere Farben mit hinzu holen. Mit dem Internet und meinem Onlineclan kamen auf einmal viele bunte Farben in mein Leben gespült: manche blasser, manche bunt schillernd bis neongrell. Ich lernte Menschen auf Distanz kennen, die mir doch ganz nahe kamen. Ich verfolgte ihre Geschichten, ihre tägliche Erlebnisse, ihre Kindergeburtstage. Obwohl ich sie nie im Leben gesehen habe, fühlte ich mich ihnen nah, nahm Anteil. Ohne eine lange Vorgeschichte, ohne nächtelange Telefonate war es, als würden wir uns ewig kennen. Und hier und da, da stapften sie in mein Leben hinein.

Du hast Farbe in mein Leben gebracht

So eine bist Du, liebe A-Lu. Eine, die lustige bunte Farben in mein Leben gebracht hat und mich immer wieder überrascht. Und auch wenn wir immer wieder feststellen, dass wir viele Wege auch ganz unterschiedlich gehen, fühle ich mich im Herzen ganz nah. Ich danke Dir für die bunten Farben, die Du in mein Leben bringst. Durch Deinen Blog, durch den Podcast mit Dir und auch sonst. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
Und wie ist das bei Euch mit den Freundschaften?
Susanne von geborgen-wachsen

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