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Wochenberliner: Der Fahrgast


Das Summen:

Es piept. Ein MD-Player beginnt zu dudeln. Die, mittlerweile, mir gut bekannte Playbackversion von „Oh when the Saints“. Eine blecherne Trompete, zwei halbwegs dynamische Südländer – Einer bläst die Trompete, der Andere singt für kurze Zeit: „Oh en the sains … (Unverständliche Sprache) will in … (w. vorne) be in at…“ . Mittlerweile kein Blech mehr, einer muss ja sammeln. Im Becher klimpert es. Die nächste Station, zwei Minuten später, es piept. Ich blicke auf den Bahnsteig. Ein Hackenporsche mit Box und die beiden Herren steigen gegenüber ein. „Oh when the saints, go marchin in…“ Summt es in meinem Kopf.

Türöffner:

Ich stehe an der Tür eines S-Bahn-Zuges. Sie
steht offen. Ein alter Mann mit Nickelbrille, Schiebermütze und Jeansjacke
schleicht sich an. Wird er einsteigen? Er streckt den Arm aus und schließt vom
Bahnsteig aus die Tür, indem er auf den Knopf innen an der Seite drückt. Dann
läuft er schnell los und schließt so weitere Türen. Eine Frau schüttelt den
Kopf.

Schreihals:

Ein ebenfalls alter Herr bettelt um Spenden in
der U-Bahn. Eine Dame entschuldigt sich, sie habe nur eine kleine Rente. Der
Mann fragt eine Mutter mit Kind. Er will dem Mädchen die Hand reichen. Es
möchte nicht. Unvermittelt zetert er los, ganz schlimm sei das. Ich bin gelähmt
und stecke die Münze wieder weg.

#weilwirdichlieben 

Momentaufnahmen gesammelt von Konstantin

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