Wie ich einmal die Minions traf

An
seltenen Tagen gehen der Mann und ich aus. Wir verabreden uns mit anderen
Erwachsenen und reden dann die ganze Zeit über unsere Kinder, oder probieren
witzig zu sein. An einigen Tagen klappt das besser, an anderen schlechter.
Wichtig dabei sind auch immer die Anekdoten des Tages von denen man berichten
kann.Am
Samstag hatte ich wieder Glück. Eine neue Anekdote ist dazu gekommen.Auf
dem Weg zum Erwachsenengeburtstag fuhren der Mann und ich mit der U7. Die U7
kreuzt den U-Bahnhof Mehringdamm, der zeitweise nun „ U-Bahnhof Miniondamm“
hieß und komplett als Minion verkleidet seine Gäste empfängt. Natürlich hatte
ich den Kinder längst versprochen mit ihnen gemeinsam dort hinzureisen, aber
die Zeit ist knapp und die Werbezeit der Minions begrenzt. Daher sprang ich in
der U-Bahn justament auf, als die Station angekündigt wurde und hielt nach dem Stop
der U-Bahn sofort meine Handykamera aus der Tür. 
Ich wollte doch nur einige
wenige Eindrücke für unsere Kinder mit nach Hause nehmen. 

Sofort schritt mir
eine spärlich bekleidete junge Frau ins Bild. „Man darf nisch einfach
fotografieren“ schrie sie mich durch die offene Tür der U7 an. Ich entgegnete „Ich
fotografiere ja nicht sie,“ und führte zudem sofort mein Wissen über das Recht
am Gruppenfoto an:

(siehe
hier! Für
unseren Fall sind insbesondere Absatz I Nr. 2 und 3 zu nennen:

2. die abgebildeten Personen erscheinen nur als Beiwerke einer Landschaft oder Örtlichkeit 

Diese Regelung trifft nämlich dann zu, schreibt RechtamBild
wenn man nicht genau die Gruppe fotografieren will, sondern die Personengruppe
nur zufällig dort vor Ort ist und als Beiwerk gesehen werden kann.
Nun ist es so, dass ich diese junge Dame definitiv als Beiwerk verstanden habe. Fotografieren wollte ich nämlich kleine, gelbe, dickliche Kartoffeln und nicht SIE.

Leider schien die junge Dame nicht besonders bewandert in  der Thematik 
der Bildrechte zu sein und versperrte mir zudem die weitere Sicht. Mit
einem „Du dumme Fotze“ verabschiedete sie sich spontan aus unserer Diskussion und
zog von dannen. Ihre dümmlich, an einem
Strohhalm kauende, männliche Begleitung streckte mir zu Verabschiedung noch den
Mittelfinger entgegen und schaute drohend.
Der Mensch als Beiwerk. Es geht um die dicklichen Kartoffeln.
Das war nun wirklich nicht nach Plan verlaufen. Denn abgesehen davon, dass nun leider alle meine Miniondamm Fotos
nicht so geworden sind um sie den Kindern angemessen zu präsentieren (das gab einen Riesenärger zu Hause), musste ich noch länger darüber nachdenken und mich fragen Wen sie denn mit „Du Dumme“ gemeint haben könnte? 
Ich lasse mich ungern beschimpfen und mein Wortschatz ist dahingehend auch sehr begrenzt. Eventuell werde ich mich da wohl nachschulen lassen müssen, sollte ich jemals wieder ein Gruppenfoto machen wollen.

Fakt jedoch ist, meine
Anekdote für diesen Abend war dadurch gesichert. Und weil das manchmal gar nicht so einfach ist, möchte ich
mich hiermit bei „Frau Beiwerk“ bedanken und ihr die Bildrechte an diesem einzigen, nicht verwackelten, Bild schenken! 


Herzlichen Glückwunsch!

Leider ist  „Frau Beiwerk“ darauf gar nicht  zu sehen. Sollte jedoch genau dieses Bild eines Tages hochdotiert werden, so werde ich meinen
Verdienst daran gern an die junge Dame spenden um 1. Ihren Sprachschatz zu
erweitern, 2. Ihr Wissen an Bildrechten zu vertiefen und 3. Ihrem Begleiter einen angemessenen Strohhalm zu kaufen. Isch
schwöre. 

 Alu 

diesen Artikel widme ich Andrea Harmonika die ich sehr mag und die ich an Regentage vermisse.