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Meine Bürde heißt Freiheit. Diese Freiheit im Herzen rufe ich in Erinnerung.

Ich rufe mir die Freiheit in Erinnerung

In
einer Zeit, in der in meinem gut situierten, akademischen Umfeld die Anderen
und  ich baff erstaunt dorthin gucken, wo
die Medien uns einen Einblick in eine Welt voll Not und Hoffnung gewähren. Orte, die für Menschen die durchgekommen sind, die ihre Brüder und Schwestern
zurücklassen mussten, oft genug ihre Eltern und noch einmal schrecklicher (als
wäre Schrecken potenzier bar) ihre Kinder sterben sahen, denke ich über meine
Freiheit nach.

„Lagertauglich“.Ein Auszug aus dem Teilnehmerheft der DDR von @Aluberlin

Ich bin
frei. Ich bin nicht frei geboren (im demokratischen Sinn). In dieser Stadt doch
in einem anderen Land, 1980. Ich hätte wohl nicht studieren dürfen. Ich hätte
mich arrangiert, oder wäre ausgewandert.

Ich hätte
die Geschichten meiner Großmutter ungläubig gehört. Denn ich hätte
Reinickendorf, woher mein Onkel mit seinem Mercedes uns besuchen kam, nie
kennengelernt. Hätte nie verstanden, dass der monatliche Besuch für ihn eine
Selbstverständlichkeit war (aus Dankbarkeit für sein freies Leben), den Kofferraum
voller Essen und Waren, die wir nicht kaufen konnten in Pankow.

Ich hätte nicht wählen dürfen

1998
hätte ich nicht wählen dürfen. Vielleicht wäre ich 1999 bei einem Manöver des
Warschauer Paktes  umgekommen, oder als Spatensoldat schikaniert worden
(18 Monate oder mehr „Wehrpflicht“ in der Armee mit der zweithöchsten
Rekrutensterblichkeit).
Ich wäre
Facharbeiter für Verfahrenstechnik, oder Melker geworden.
Ich hätte nie gewusst, das
Freiheit ungleich Wohlstand ist. Das Freiheit Verantwortung heißt und das sie
von der Vernunft her, oder von Gott definiert sein kann und dennoch das Gleiche
bedeutet: Meine Pflicht
bedacht zu wählen, die Mitmenschen zu achten und meine Freiheit zu teilen.
Ich bin
dankbar für all meine Chancen. Dankbar für mein glückliches Leben, für den
Luxus. Viel zu selten richte ich meine Gedanken gen Himmel und danke Gott
dafür. Viel zu selten danke ich denen persönlich, die mir so viel Gutes getan
haben. Ich danke der Lehrerin auf der POS „Prof. Wassili
Suchomlinsky“, die eine Kommunistin alten Schlages war, voller unbeirrbarer
Überzeugung.
Sie verstand nie, dass ich kein
Jungpionier werden wollte. Es war ihr eine Herzenssache. Sie verstand aber,
dass es meinen Eltern als katholischen Christen andersherum eine Herzenssache
war, sich nicht übermäßig mit dem Staat gemein zu machen und ließ mich in Ruhe.

Diese Freiheit im Herzen rufe ich
heute in meine Erinnerung. 

Retrospektiv war nichts in meinem Leben
alternativlos. Ich habe entschieden, meist richtig gewählt. Die Menschen die
nun bis zu uns durchgedrungen sind, sie haben entschieden. Sie sind einen Weg
gegangen ohne, wie ich nach 1989, eine wirkliche Freiheit dazu zu haben.
Überlebenswille und die Sehnsucht in Freiheit, besser, zu leben.

Die
Freiheit per se ist kein Allgemeingut, das ein „Mopp“ in
„FREItal“ oder sonst wo verteidigen kann (auch in meinem Heimat-Stadtteil
waren freie Menschen der Meinung dies kollektiv verteidigen zu müssen,
gegenüber einem bunten Containerdorf, vor einer Plattenbausiedlung. [Vielleicht,
war es der Neid auf die viel hübscheren Container?]).
Die Freiheit
ist eine Bürde – die jedes Einzelnen. Jeder Mensch muss über seinen Stand und
sein Recht zur Freiheit gut nachdenken und daher besonnen handeln. Denn es gilt
das Zitat einer gewissen Rosa Luxemburg (wenn auch schon längst aus dem Kontext
gerissen) „Die Freiheit ist immer auch die des Andersdenkenden“. Ich
möchte ergänzen, die des Andersfarbigen, -gläubigen, -lebenden.
Freiheit
ist Leben. Sie ist kein Persilschein. Sie ist eine Pflicht. Pflicht richtig in
ihrem Sinne zu handeln, zur richtigen Zeit. Freiheit heißt aushalten. Freiheit
heißt Klappe halten.

Freiheit aushalten, in Dahlem @lichtfix

Freiheit
sollte das Ziel einer Flucht sein. BITTE lasst uns als freie Menschen, in
diesem schönen (immer noch) freien Land ein Zielort sein. Am Ende werden es
unsere Taten sein die zählen.
Unser
Handeln aus einer besonnenen Freiheit. Die uns Deutschen (den meisten von uns)
einfach geschenkt wurde – ohne Gegenleistung. Ja, sie ist eine Bürde. Eine, die
wir niedrig halten können:

Wir haben die Freiheit erhalten, wir sollten sie weitergeben.

Wenn
schon nicht um Gottes Willen, dann um den unseren Kinder, unser Mitbürger (auch
der wütenden) damit wir eines Tages ruhigen Gewissens (über Gewissen vielleicht
ein anderes mal mehr)
abtreten können, dann wenn nur noch Taten an uns erinnern
können (oder zumindest morgens in den Spiegel schauen).
Ich hoffe
inständig, dass meine Bürde mit der Freiheit nur ein inspirierendes
Gedankenspiel bleibt, dass ich nie fliehen muss, nie Andere bitten muss aus
Ihrer Freiheit heraus zu teilen.
Denn ich
merke wie schlecht wir freien Deutschen teilen. Vielleicht besteht noch
Hoffnung, viele Mitfreie geben den Grund dazu. So kann die geteilte Bürde der
individuellen Freiheit uns befreien – wenn wir gut handeln (Zur Erinnerung
Freiheit ist nicht Produkt des Wohlstandes). Dann bilden viele Menschen in
Freiheit das, was ich bereit bin zu verteidigen: Aus freien Stücken zu helfen.
Mit meiner Freiheit die Würde einzulösen, die unantastbar jeder Mensch hat.
THANK YOU ALLMIGHTY, I AM FREE AT LAST!
#bloggerfuerfluechtlinge 
K.

1 Kommentar

  • David

    September 22, 09 2015 06:45:21

    Danke für die treffenden Zeilen! Daumen hoch!

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