Mit den Kindern beim Zahnarzt

Abgehetzt kommst du aus der Schule in die Zahnarztpraxis gerannt mein großes Kind.
Das kleine Kind lässt mich bei dir im Wartezimmer sitzen, allein
spaziert es in den Praxisraum und kommt gut gelaunt nach fünf Minuten wieder. „Isch
hab nix“, sagt es und zeigt mir seine mit „Bananencreme“ eingeschmierten Zähne. 
„Du bist jetzt dran Große“, sage ich und du willst meine Hand nicht loslassen. „Komm
mit, ja?“ und ich gebe dem kleinen Kind ein Handyspiel als Beschäftigung, denn
wir beide wissen, dass es wohl länger dauern wird. Der Zahnarzt zeigt dir (wie
immer) alle Geräte und du setzt dich zögerlich auf den Stuhl. Bei der Kontrolle
findet er (wie schon vermutet) ein Loch. Sofort fängst du an zu weinen. „Nein,
nein“, sagst du und ich rücke mit meinem Drehstuhl näher an dich heran. „Kind,
wir wussten doch, dass dieses kleine Loch da ist und wir wissen auch, dass es
dort nicht hingehört.“

Halte meine Hand Mama

Du schaust mich an und riesige Kullertränen rollen über
deine Wangen. „Halt meine Hand Mama“, sagst du und ich halte deine Hand während
du dir glitzernde gelbe Zahnfüllung aussuchst. Ich halte deine Hand und wische
die Tränen mit dem Papierlatz ab, als der Zahnarzt seinen Bohrer ansetzt. Du
krallst deine Finger in meine Handfläche und ich könnte nun auch jemanden
gebrauchen der meine Hand hält. So sitzen wir da und ich erzähle dir was von
meinen geplanten Schokoladenmuffins für deinen Kuchenbasar am nächsten Tag. In
jeder Pause und bei jedem spülen laufen dir die Tränen und du fragst mich wie
viele Male man noch bis zehn zählen muss, bis die Füllung drin ist. Der
Zahnarzt versucht dich mit einem Bild vom Waldspaziergang und morschen Bäumen
die umgefallen sind abzulenken, aber du sagst nur „Ich bin kein Baum“ und willst weg.

Vielleicht bist du gerade wieder ein bisschen gewachsen

Als es endlich geschafft ist, lässt du meine Hand los. Ich
habe blutige Kratzer auf meiner Hand und die Arzthelferin bringt mir ein Pflaster.
 „Danke“,
sagst du zum Zahnarzt. „Ich hab mich nicht getraut, aber nun weiß ich, dass es
doch geht“ und hüpfst vom Stuhl. Vielleicht bist du gerade wieder ein bisschen
gewachsen. Draußen nimmst du meine Hand und pustest die zerkratzten Stellen. 
„Danke
Mama, das du da warst“, sagst du  und ich antworte „Das ist meine Aufgabe mein Kind, einfach nur da sein“ und dann laufen
wir zu Dritt nach Hause und das kleine Kind bestaunt deine glitzernde
Zahnfüllung und gibt dir ein Tapferkeitsküsschen. 
Ein festgehaltener Moment.
Alu
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