Ich koche heute: gequirltes Durcheinander

„Hallo, mein Name ist Alu und ich mag nicht kochen.“ Ich
schreibe das nicht um euer Mitleid, oder euer Wohlwollen zu erheischen. Ich
schreibe darüber weil Frauen die sich nicht gerne im Haushalt betätigen immer noch
ein Tabu sind.

 

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Habe sicher nicht ich gekocht: eine Hühnersuppe.

 

Auf fast allen Elternblogs reißen sich scheinbar die Mütter darum ihre
Koch- und Backfantasien auszuleben, mit schönen Bildern zu untermalen und all
diese Ergebnisse an schön gedeckten Tischen zu präsentieren und das macht mir Angst.


Ich trage nie eine Küchenschürze und wedele mit dem Mob

Es macht mir deshalb Angst da sich anscheinend viele nicht
vorstellen können was es heißt als Frau rigoros dazu stehen zu müssen, dass man
nicht kochen kann oder mag.
Es macht mir Angst weil wir BloggerInnen einerseits für den neuen Feminismus stehen und andererseits sehr tradierte Rollenbilder der kochenden und backenden Muttis verkaufen. Wir prägen die LeserInnen, setzen sie sicherlich auch manchmal unter Druck und zeigen eine teilweise unerreichbare Perfektion von Familie.

Was mich geprägt hat – tradierte Rollenbilder?

Schuld daran
sind ganz klar meine Eltern, die mich einfach so verdammt gleichberechtigt erzogen haben. Während meine Mutter mehr als 60 Stunden die Woche in Museen, in Universitäten oder auf Veranstaltungen verbrachte, waren wir am Abendbrottisch oftmals mit unserem
Vater allein. Es gab daher oft Stulle mit Brot und Obst. Im Laufe der Zeit
reichte meinem Vater diese Option nicht mehr und so entwickelte er sich im
Laufe der Jahre zum Koch der Familie.
Erst an den Wochenenden, mit viel Zeit, kochte er später auch mal in der Woche und genoss die Ruhe und seine kleine Auszeit
zwischen den Küchendämpfen.
Immer wenn meine Schwester und ich mal „mitkochen“
wollten, wurden wir zum Gemüse schneiden degradiert, oder durften den Tisch mit
allen wunderschönen Kleinigkeiten decken.

Völlig verzogen – meine Rollenbilder

Es gab bei mir daheim also keine
klassische Mutter die mal eben noch schnell das Zaubermenü hinstellte und in der Küche ihre Erfüllung fand. Aufgeräumt wurde gemeinsam, den Müll brachten wir Kinder runter. Ich
war nie unglücklich darüber, sondern habe es immer eher als Vorbild gesehen.

Als ich mit meinem besten Freund in einer WG wohnte
versuchten wir uns ab und zu als Köche. Reis mit Sojasauce, Nudeln mit
Tomatensauce, oder Spiegelei kamen auch bei unseren Freunden immer gut an und
da wir wenig Geld hatten war das für uns auch schon die Haute Cuisine.
Dann lernte ich meinen Mann kennen. Er kam aus einer Familie in der Essen einen zentralen Stellenwert hat. Nicht nur seine Mutter, auch sein Vater und
seine Oma (konnte) können gut kochen und sein Schwager war erst Küchenchef in einem
Hotel, später beim Admiralspalast und dann im Borchardts Rookhus. Mein Mann lernte
von ihnen allen kochen, schaute über die Schulter
und stellte fest: Es macht ihm Spaß.

 

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Hab ich auch nicht gekocht, esse ich aber gern.

 

Wichtig sind die Absprachen innerhalb der Partnerschaft.

Als wir zusammenzogen führten wir einmal ein Gespräch über
Aufgabenverteilung und sofort willigte Konsti ein bei uns zu kochen. Obwohl wir
immer wieder Familie und Freunden davon erzählten, dass es bei uns Konsti ist der kocht,
bekam ich jahrelang wie selbstverständlich Töpfe, Kochbücher und weitere
Utensilien für die Essenszubereitung geschenkt.
Immer wieder musste ich sagen „Danke, aber Konsti
kocht bei uns“, darauf erntete ich oftmals den Satz: „Aber, du kannst doch
auch mal…“, oder: „Echt? Kannst du gar nicht kochen?“
Was soll das? Warum sollte ich? Was genau bringt es uns allen, wenn ich
etwas tue auf das ich absolut keinen Bock habe und ich auch keine Bewandtnis
darin sehe es zu erlernen?

Die Rollen durchbrechen – das geht!

Wenn ich mit den Kindern allein bin (und das war ich mal 12
Monate lang, weil Konsti woanders gearbeitet hat) gibt es eben Stulle mit Brot,
oder Spiegelei, oder Eierkuchen (nach Anleitung aus dem Kochbuch) und damit
sind hier alle zufrieden. Keines der Kinder hat bis dato mokiert dass Mama
nicht kochen kann, weil sie wissen das bei uns eben der Vater kocht. Keines der Kinder hat bis dato jemals gesagt: „Kochen müssen aber eigentlich immer die Mamas“, denn sie wissen, dass wir in einer gleichberechtigten Partnerschaft leben. In einer Elternschaft wo Rechte und auch Pflichten verteilt sind und jeder einige Dinge lieber macht als die/der Andere.

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Lasst mich kurz überlegen: Nein, hab ich auch nicht gekocht.

 

Wir haben die Kinder gemeinsam, wir haben die Arbeit gemeinsam.

Ich bin es manchmal leid unsere wirklich gleichberechtigte
Partnerschaft immer wieder erklären und verteidigen zu müssen und ich bin es
auch leid zu hören: „Du hast aber einen tollen Mann, was der alles macht“, denn
Himmel Arsch und Zwirn ich weiß nicht genau warum Konsti ständig für etwas
gelobt wird was er sehr gern tut und ich nicht mag?
Werde ich dann endlich auch mal fürs Blumenerde kaufen, Regale aufbauen und Socken sortieren gelobt?
Ist es so unvorstellbar,
dass ein Vater auch gern zu Hause ist, gern kocht, gern seine Kinder ins Bett
bringt? Konsti ist immer noch betrübt, dass er bei K3 keine 12 Monate Elternzeit nehmen kann, wie bei K2.Von Anfang an hat er an allen Bereichen der Kinder teilgenommen, sie lieben und akzeptieren ihn genauso wie mich. Wenn ich könnte (und er auch) hätte ich ihm gerne eine von drei Geburten überlassen und das Stillen würde ich mir auch gern mit ihm teilen.
Ist es immer noch so unvorstellbar, dass eine Frau nicht gern kocht,
niemals bügelt und gern mehr als 40 Stunden die Woche on Job ist?Diese traditionellen Rollenbilder die wir unseren Kindern genau durch solche Verhaltensweisen mitgeben wie „Was hat denn die Mutti wieder schönes gekocht“ und „Papa ist auf Arbeit unverzichtbar – er ist der Macker“ können wir doch nur selbst durchbrechen durch unser handeln, jeden Tag.
Also ran an den Herd, den Wickeltisch, den Elternabend mit dem Mann, ohne billige Ausreden.

Simpel gesagt: Die Sichtbarkeit von Vätern zu dem Thema kann Rollenbilder nachhaltig verändern.

Trust me: He is the Cook!

Wenn ich also Bilder von Gerichten poste dann seid euch in
Zukunft gewiss, dass dieses Essen nicht ich gekocht habe, sondern der Mann an
meiner Seite und wenn ich tolle Rezepte bei den Bloggerkolleginnen finde (die anscheinend alle sehr gern und super toll kochen), dann schicke ich einen
Screenshot an ihn und frage ihn was ich dafür einkaufen muss. Während er dann kocht, decken die Kinder bei uns den Tisch und ich sortiere die Socken, oder tue irgendwas anderes und davon sollte ich vielleicht noch viel häufiger Bilder im Blog
zeigen als man denkt, denn: „Mein Name ist Alu und ich mag nicht kochen, bügeln und Blumen anschneiden.“
Alu