Das Wort Achtsamkeit schwebt bereits seit einiger Zeit durch die Medien, dabei wissen viele nicht was das eigentlich bedeutet. Meine Nachbarin und Freundin Franziska weiß ja jedoch ganz genau und da sie Kurse zum Thema Achtsamkeit anbietet, wollte ich genauer nachfragen und habe Euch auch etwas mitgebracht.

Alu: Liebe Franzi „Achtsamkeit“ ist ja schon ein ziemliches Modewort.

Franziska: Man sollte in der Tat achtsam umgehen mit dem Wort. Es heißt nicht nur sich wohlfühlen oder vorsichtig sein – sondern eben intensiv an seiner sogenannten inneren Wahrnehmung (oft wird das Metakognition genannt) zu arbeiten, damit es gelingen kann, wirklich im Hier und Jetzt zu sein. Das ist auch keine Esoterik oder eine Mode, die vergehen wird, sondern ein Werkzeug zur Selbstregulierung, das bleiben wird. In England wird es zum Beispiel schon in vielen Schulen gelehrt und verbessert an den teilnehmenden Schulen die Aufmerksamkeit und das seelische Wohlempfinden.

Alu: Worum geht es  also bei diesem ganzen Thema Achtsamkeit?

Franziska: Es geht darum zu lernen, wertfrei im Hier und Jetzt zu sein. Das Interessante ist nämlich, dass wir uns meist im Dort und Dann oder im War und Wurde befinden und es vielen von uns schwerfällt, sich wirklich mit all seinen Sinnen in der Gegenwart aufzuhalten.

Alu: Ist ja vielleicht kein Schaden! Was bringt uns denn dieses im Hier und Jetzt sein?

Franziska: Oh sehr viel! Je mehr ein Mensch das lernt, desto weniger leidet er unter Stress, unter negativen Gefühlen oder gar Depressionen. Die Studien zeigen stattdessen verbesserte Gesundheit, größeres Wohlbefinden, bessere Konzentrationsfähigkeit und auch eine klare strukturelle Veränderung im Gehirn. Und die ist für mich eigentlich der Clou.

Alu: Was meinst du mit der Clou?

Franziska: Bei Menschen, die gelernt haben, achtsam zu sein lässt sich eine erhöhte Aktivität des linken präfrontalen Kortex gegenüber der Amygdala messen. Das linke präfrontale Kortex ist sowas wie ein cooler Vorstand unseres Gehirns, der über den Dingen steht und sich Zeit zum Entscheiden nimmt. Die Amygdala dagegen ist ein emotionales Zentrum im Gehirn – es reagiert mit Furcht und Angst und stößt gerne Adrenalinschocks an. Wenn also das Gehirn trainiert wird, dann wird sozusagen die Amygdala in Schach gehalten.

Alu: Achtsamkeit und Kinder wie geht das eigentlich zusammen?

Aus meiner Sicht auf zwei Arten:  Erstens hilft Achtsamkeit dem Elternteil. Wie? Weil es ihm leichter fällt wahrzunehmen, mit welcher Einstellung er gerade auf das Kind zugeht. „Hat es mal wieder nicht…..“ oder „Wie immer hat x das gemacht….“  Und diese Voreinstellung ist ja oft für die Lösung des Problems eher kontraproduktiv. Nimmt man die innere Einstellung erst einmal wahr, wird es leichter, sich zu entscheiden eben nicht aus vergangener Erfahrung zu agieren sondern wertfrei auf das Kind zuzugehen. Also dieses zum Beispiel nur zu fragen, ob es X gemacht hat und nicht gleich anzupflaumen mit einem „Hast Du mal wieder nicht“. Wird das Kind offen gefragt, ist es dann auch eher bereit, sich endlich mal über ein typisches Verhalten Gedanken zu machen. Á la „Jetzt hast du die Kleider im Bad nicht weggeräumt. Wie schlägst Du vor, dass Du Dich in der Zukunft daran erinnerst?“.  Das ist also der erste Teil – die Achtsamkeit hilft dem Elternteil dabei, wirklich wertfrei in einer Erziehungssituation zu sein und seine eigenen Gefühle in den Griff zu bekommen.

Der zweite Teil zeigt, dass Achtsamkeit auch dem Kind selbst helfen kann. Je eher es sich dessen bewusst wird, wie es mal traurig mal froh ist, mal so oder mal so reagiert, desto eher kann es auch selber einen Keil zwischen Auslöser und Aktion treiben. Ein Beispiel: Mault das Kind beim Spazierengehen nur noch rum, hilft manchmal die Frage: „Stell Dir mal vor, Dein bester Freund wäre jetzt dabei  – würdest Du Dich dann auch beschweren, dass 40 Minuten Laufen zu anstrengend sind?“ Beim ersten Mal funktioniert das sicherlich noch nicht, aber wird dem Kind mehrmals vor Augen geführt, wie oft es in einer gleichen Situation auch anderes reagiert, eröffnet es ihm neue Handlungsoptionen für den akuten Stressmoment. Das führte bei der Autorin sogar dazu, dass ein Kind während einer fünfstündigen Wanderung nur noch fragte: „Es ist schon noch weit, oder?“ und mit dieser klugen Formulierung weder bei sich noch bei der Mutter eine typische bewertende Reaktion hervorlockte. Wie anders als bei der Frage: „Wann sind wir endlich da?“

Alu: Wo merke ich das eigentlich im normalen Leben?

Franziska: Wenn wir uns nicht dessen bewusst sind, was wir gerade im Hier und Jetzt erleben, dann haben wir die Tendenz aus dem Bauch heraus zu reagieren. Heißt, jemand schreit mich an – ich schreie automatisch zurück; mein Kind kommt zu spät zu einem Termin – ich schimpfe es aus Ärger aus; der Kollege geht an mir vorbei, ohne mich zu grüßen – ich schicke ihm grollende Gedanken hinterher. Das Tolle an der Achtsamkeit ist, dass sie sozusagen einen Keil zwischen Auslöser und Reaktion treibt. So nehme ich wahr, dass ich gerade angeschrien werde und dass mich das ärgert. Dann nimmt sich ein achtsames Gehirn eben kurz Zeit, den inneren Ärger wahrzunehmen und dann bewusst zu entscheiden, was die Reaktion sein wird. Die kann genauso gut im Zurückschreien bestehen – nur dann habe ich es ja mit reflektierter Intention gemacht! Denn ist es nicht so, dass wir uns im Nachhinein oft über uns ärgern, wenn wir mal wieder rein automatisch reagiert haben. Das betrifft zu starke Reaktionen ebenso wie zu schwache – soll heißen, dass es genauso irritierend ist, wenn ich im Nachhinein verstehe, dass ich mich mal wieder automatisch bei jemanden entschuldigt habe, der mich grob angerempelt hat. Dasselbe gilt für unsere negativen Gedanken. Davon haben die meisten von uns Unmengen – und wir bemerken sie nicht einmal, nur das unsere Laune und unser Selbstwertgefühl gerade mal wieder im Keller ist. Achtsamkeit hilft auch hier durch den Abstand des Wahrnehmens – und dann kann ich mich anlächeln und mir innerlich sagen: „Na grummelst Du Dich mal wieder an. Kann man auch sein lassen..“

Alu: Wie lässt sich das trainieren?

Franziska: Das geht über einen Fokus auf den Atem, ein Durchgehen Schritt für Schritt durch den Körper oder auch über ein Wahrnehmen, was gerade für Gedanken und Gefühle in einem kommen und gehen. Das Frappierende für mich war, als ich selber damit vor Jahren anfing, dass ich erst beim Meditieren merkte, wie viel meine Gedanken einfach so unbewusst vor sich hinsprudeln.  Und ganz oft bin ich ebenso unbewusst auf einen davon eingestiegen – heutzutage habe ich da eine viel höhere Handlungsfreiheit.

Alu:Was hältst du von Online-Achtsamkeits-Kursen wie man sie überall finden kann?

Wenn man keinerlei Zeit für einen Kurs hat, sind diese auch sehr wertvoll und eindeutig besser als nichts. Die Inhalte und die Meditationen sind gleich und seine Hausaufgaben muss ja doch jeder alleine machen. Allerdings liegt ein hoher Wert der Kurse im Austausch von Erfahrungen, im Wahrnehmen, dass auch andere beim Bodyscan einschlafen und dass das gar nicht schlimm ist, im Verstehen, dass bei allen und jeden die Gedanken dauernd abschweifen. Auch kann man in einer vertrauensvollen Gruppe leichter über seine Erfahrungen sprechen und ein paar der Dinge benennen, die fast unvermeidlich hochkommen, wenn man versucht, sein Gehirn ein wenig zur Ruhe zu bringen. Zu guter Letzt wirkt die Erfahrung des Lehrers und der anderen oft sowohl beruhigend als auch anregend.

Alu: Kannst Du noch etwas genauer zu den Kursen erzählen.

Franziska: Das Ganze wurde in den Siebziger Jahren von einem MIT Absolventen Jon Kabat-Zinn ins Leben gerufen und nennt sich MBSR. Das steht für Mindfulnes Based Stress Reduction. Der Kurs geht acht Wochen lang – einmal pro Woche trifft man sich für 2,5 Stunden zu Diskussionen und Mediationsübungen. Dann gibt es Hausaufgaben, die aus weiteren Mediationen und anderen Aufgaben bestehen. An einem Samstag gibt es eine zusätzlich intensive Session mit 6 Stunden. Das Ganze ist so erfolgreich, dass Jon Kabat-Zinn nicht nur beim World Economic Forum in Davos unterrichtet, sondern auch weltweit Unternehmen wie Google, Deutsche Bank, GE aber auch die US Marines und „normale“ Menschen wie Arbeitnehmer, Eltern und Selbstständige darauf schwören.

Alu: Gibt es Voraussetzungen die deine Teilnehmer haben müssen?

Nichts Besonderes, was Geist, Körper, Beruf oder Einstellung angeht. Achtsamkeit ist für jeden geeignet. Nur wenn jemand an Depressionen leidet, oder sich in einer Psychotherapie befindet, muss ein Vorabgespräch klären, ob der Kurs passend ist. Weil so ein Kurs eben keine Therapie ist, und beim Meditieren einige verdrängte Dinge hochkommen können, wird dann meist entschieden, den Kurs auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, wenn die Depression gemeistert oder die Therapie abgeschlossen ist.

Alu: Kannst du noch etwas mehr zu Dir erzählen?

 Von der Ausbildung her bin ich Historikerin und Juristin, die aber bald in die Wirtschaft gegangen ist. Zuletzt habe ich 11 Jahre lang an der Businessschule im Staatsratsgebäude in Berlin (ESMT) gearbeitet. Dort und in Unternehmen unterrichte ich zu Entscheidungsfindung, Verhandlungsführung, Wandel und was jeder über sein Gehirn wissen sollte. Und natürlich unterrichte zum Thema Achtsamkeit.Was die Kurse angeht, so habe ich schöne Räume in Berlin Mitte gefunden – von der Uhrzeit her richtet sich das Angebot im Moment eher an Selbständige und junge Eltern, die 8 Wochen lang am Montagmorgen von 10.00 – 12.30 Zeit haben. Kursbeginn ist am 4. September, also direkt um den  meist stressigen Herbst in Griff zu bekommen.

Mehr Details gibt es unter Franziska direkt.

JUHU und jetzt Ihr. Wir verlosen einen Achtsamkeitskurs an eine Person.

Wir verlosen einen Kursplatz im Wert von 400 Euro  an Euch. Nutzt Eure Chance auf einen Achtsamkeitskurs mit Franziska und hinterlasst uns einen Kommentar unter dem Artikel bis zum 30.Juli 2017 um 20 Uhr. Da der Kurs in Berlin stattfindet, solltet ihr wenn möglich in Berlin leben, oder gut herkommen können. Der Gewinn ist nicht auszahlbar. Die Reisekosten zum Kurs sind nicht inkludiert. Der Kursplatz wurde uns von Franziska zur Verfügung gestellt, danke dafür. Wir haben keinen geldwerten Vorteil erhalten, daher ist der Artikel nicht als Werbung gekennzeichnet.

Viel Erfolg.

Alu