„Lehre uns Beten“

Glauben und Kinder ist zu einem meiner Themen herangewachsen. Denn wie vermittelt sich der Glauben oder wie vermittle ich ihn an meine Nachgeborenen? Diese Frage ist für mich nicht leicht zu beantworten.

Bei mir waren es ein katholisches Elternhaus, eine katholische große Familie, schlesische und pommersche Großeltern. Ich wuchs in der kirchlichen Sicherheit Ost-Berlins auf und damit, dass ich in keiner staatlichen Kinder- und Jugendorganisation mitmachen würde. Ich machte bei der Kirche mit – Dienstag Religionsunterricht in der kleinen Gemeinde am Ende unserer Straße in unserer Berliner Kolonie am Freitag Ministranten, später am Donnerstag Jugend und am Sonntag und den Feiertagen Heilige Messen.

Ist regelmäßiges Beten ein Anfang?

Ob ich regelmäßig abends gebetet habe weiß ich nicht mehr. Irgendwann ließ man uns Kinder alleine Beten und sicher habe ich nicht regelmäßig gebetet. Später betete ich für mich in meinen Stil meist frei im Zwiegespräch mit IHM. Oft dachte ich an Gott und verband den Begriff und seine Bedeutung mit den Dingen die ich erlebte mit dem was meinen Weg kreuzte. Ich war glücklich und zufrieden im Glauben, habe Vorbilder erlebt viele positive und wenige negative.

Gebete meiner Kindheit wirken noch immer

Jeden Abend bete ich derweil mit den Kindern. Sie brachten die Gebete meiner Kindheit von meinen Eltern mit und wir sprechen sie nun (fast) abendlich. Zwar ist es für uns schwer sonntags in die Kirche zu gehen, doch das Abendgebet mit vier Gebeten und den freien Bitte ist für K1 und 2 Pflicht. Heute hatte die große Tochter eine Krise, sie war miesmuschelig und wir machten ihr nichts recht. Sie sagte, sie würde nicht glauben. Ich war sauer (das ich mich überhaupt reizen lasse). Später sollte ich beten kommen. Ich meinte sie müsse nicht beten. Sie sagte, sie wisse nicht ob sie glaube, doch das Beten tue gut und helfe und es wäre Zeit mit mir allein (ja exklusive Zeit mit den Kindern ist derzeit ein rares Gut. Doch das soll hier nicht Thema sein).

Wer glaubt, der sieht mehr

Sie hat viel verstanden vom Glauben. Wer glaubt der sieht (mehr), das ist nicht nur eine negativ-naive Schilderung, es ist auch eine sehr idealistische schöne Prämisse. Viele der richtig echten Katholiken die ich hier und da treffe würden mich für einen lauen Katholik halten und meine Familie noch viel mehr. Denn Kinder lernten Glauben durch die Regelmäßigkeit in der sie in der Gemeinde die Messe mitfeiern, der Rest fügt sich, meinen diese. Ich denke, dass Menschen und ihre Gemeinde sich finden müssen und dass Liturgie nicht immer für sich sprechen kann. Gottesdienste für Kinder sind etwas sehr anspruchsvolles. Sollen sie doch die Tradition der Kirche weitergeben und gleichzeitig die inspirierende Begegnung mit Gott ermöglichen und mit Verlaub, sie sollen den Kinder Freude und vielleicht auch Freunde bereiten. – Ich denke wir, als Kirchen, bieten immer noch zu wenig für die uns wichtigen und notwendigen Zielgruppen, ich bin der Meinung ich darf Ansprüche an die Kirche stellen, denn sie stellt sie auch an mich (Gott ist nicht anspruchslos, ich bin es auch nicht).

Ich bin dankbar, dass meine Kinder versuchen zu Glauben, ich bin froh, dass ich Glaube. Doch das ist keine Selbstverständlichkeit es ist auch Geschenk, Gnade, demütige Übung. Ich stehe wie die Jünger vor ihrem Freund Jesus und rufe: Herr lehre mich beten – denn damit fängt es an.

Konsti