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Wenn Eltern beim Kinderarzt warten

Ich war vor kurzem beim Kinderarzt. Es ging darum ein Folgerezept zu holen. Dort wie auch bei anderen Pädiatern ist viel los. Auch an diesem Ende des Gesundheitssystems knirscht es schon lange. Dabei weiß ich gar nicht ob es nur der Facharztmangel ist oder nicht auch zu vorsichtige und unsichere Eltern sind.Während ich so auf Bedienung warte, bemerke ich eine Frau mit Kleinkind auf dem Arm. Sie wirkt verzweifelt. Eine andere Mutter, die anscheinend schon im Aufbruch ist, spricht sie an. Man hätte ihr einen U7-Termin gegeben, sie dann aber nicht behandeln wollen und nun wolle sie mit dem Arzt sprechen. Man habe ihr gesagt, sie sei sehr unhöflich. Dabei wäre sie hier doch bisher zufrieden und es gäbe keine anderen Kinderärzte, welche sie aufnehmen würden.

Die Zuhörerin versucht zu helfen. Vermutlich hätte ihr nur ein Arzt zu hören müssen. Dass diese Mutter und wir Eltern anstrengend sind, glaube ich sofort. Wir sind eben sehr fokussiert es geht um unser Kind! Und Gesundheitsbildung für Eltern gibt es nicht ausreichend. Doktor Internet verunsichert noch mehr. Denn wie sollen wir das Gelesene denn einordnen, wenn uns Fachkenntnisse und Erfahrungen fehlen? Auch die Beratungstelefone helfen dabei selten. Meist heißt es dort “Am besten sie klären das mit einem Arzt vor Ort ab”, Entlastung sieht anders aus.

Eltern beim Kinderarzt

 

Kurz überlege ich, mich auch einzuschalten. Doch so behaglich war mir nicht, denn irgendwie war es auch komisch, wegen eines U-Termins fünf Stunden in der Praxis auf Erklärung zu warten. An einem Tag an dem diese Praxis meines Wissens nach keine U-Termine vergibt. Ich kenne diese chaotisch-ruppig-liebevoll-herzliche Praxis mit den netten Ärzten, die nur am flitzen sind und dem immer voller gewordenen Wartezimmer seit 13 Jahren.

Wahre Kinderarztgeschichten

Die Panik mancher Eltern verstehe ich nicht ganz. Doch ich habe drei Kinder Vorsprung. Viele Menschen brauchen einfach mehr Zuhören und weniger Eile. Dann sehe ich die Warteschlange, die Sprechstundenhilfen, alle sind ebenfalls nur am Rennen. Ich weiß, dass das Team immer noch keinen kleine Patienten ablehnen kann. Zu sehr leiden auch sie seit Jahren an der Mangelwirtschaft. Immer noch versuchen sie den Kampf mit den Windmühlen aufzunehmen. Ihnen wird nicht ausreichend geholfen und uns Eltern auch nicht – eine sehr blöde Situation.

Was denkt ihr, was können wir noch tun, welche Beobachtungen habt ihr?

Euer grübelnder Konsti

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5 Comments

  • Sabine
    10. November 2020 at 07:00

    Guten Morgen,
    also Verständnis habe ich für “unhöfliche” Eltern nicht, irgendwas scheint ja in der Kommunikation schief gegangen zu sein und die Praxis wollte sich vielleicht nicht mit “unhöflichen” Eltern aufhalten, da benötigen andere die Zeit der Ärzte und des Personals mehr. Das ist aber nur meine Interpretation der Situation, ich kann natürlich total falsch liegen, da ich die Hintergründe und die ganze Geschichte nicht kenne.

    Grundsätzlich würde ich mir wünschen, wenn sich zukünftige Eltern schon vorher, spätestens während der Schwangerschaft mit dem gesundheitlichen Befinden von Säuglingen und Kleinkindern befassen würden. Vielleicht wäre es auch eine Möglichkeit, dies in den Geburtsvorbereitungskurs einzubauen, statt Übungen, die nur die Wenigstens brauchen.
    “Erste Hilfe am Kind” wird zwar angeboten aber ich kenne nur wenige, die an einem solchen Kurs teilgenommen haben, viel eher wird sich stundenlang über den richtigen, stylischen Kinderwagen informiert.

    Und als nächstes würde ich mir wünschen, dass Eltern grundsätzlich etwas gelassener werden, ja, das Bauchgefühl ist richtig und wichtig aber das eigene Kind ist nicht der Mittelpunkt der Erde (auch nicht das erste Kind) und in einer Praxis sollte ich den Experten schon soweit vertrauen, dass die einschätzen können wie kritisch der Gesundheitszustand des Kindes ist.
    Wenn ich dann meinem Kind zumute, dass es solange in einer Praxis warten muss, tut mir das Kind wirklich leid.

    Gruß,
    Sabine

  • Anja
    11. November 2020 at 06:12

    Guten Morgen, bitte nicht den uralten Begriff “Sprechstundenhilfe” nutzen…. dass diese Berufsbezeichnung ewig weiter benutzt wird, sorgt dafür, dass dieser Beruf extrem unterschätzt bleibt. Es sind MFA, medizinische Fachangestellte, die weit mehr können als “der Nächste bitte!” rufen und Kaffee kochen. Es sind ausgebildete Fachkräfte, die einen harten, anstrengenden, aufregenden, sehr stressigen Arbeitstag haben, sie werden nicht angemessen bezahlt und die Wertschätzung hält sich konstant gering. Eine “chaotische” Praxis bedeutet in der Regel, dass es zuviele Patienten gibt, die behandelt werden wollen, die man nicht alle wegschicken kann (keine anderen Ärzte haben Kapazitäten frei), so dass zu den fest terminierten eben auch viele “dazwischen geschoben” werden müssen, weil man sie eben angucken muss, um nichts zu übersehen. Es ist ohne Untersuchung nicht zu entscheiden ob banaler Husten oder Lungenentzündung. Und akute Erkrankungen warten nicht bis zum nächsten freien Termin in 2 Wochen. Ein schwieriger Balanceakt für alle Beteiligten, sicher auch ein Grund, warum sich junge Ärzte/innen eine Selbstständigkeit gut überlegen.

  • Alu und Konsti
    11. November 2020 at 20:03

    Hallo Anja,
    danke für den Hinweis. Ich weiß trotz der unbedachten Verwendung des Begriffs jedoch gut,
    was diese Beruf bedeutet und die Fachkräfte leisten. Ich sehe es wie du, das Chaos kommt von dem Zuviel an Arbeit.
    Schön, dass du kommentiert hast.
    Dein
    Konsti

  • Alu und Konsti
    11. November 2020 at 20:05

    Guten Abend Sabine,
    vielen Dank für deine Meinung.
    Ich teile deine Einschätzung.
    Herzlich
    Konsti

  • Berit
    18. November 2020 at 18:02

    Ich sag man so, ob man zur U Untersuchung am Termin geht oder nicht, ist im Endeffekt total wumpe. Da geht es lediglich um Bestandsaufnahme und auch beim ersten Kind kann ich in der Regel ganz gut einschätzen ob das was ich jetzt vor mir habe einigermaßen normal entwickelt ist oder irgendwas gravierend schief läuft. Dann lässt man sich einen neuen Termin geben und gut ist.

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