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Der König der NEIN-Sager

Ich habe ein Kind, das sagt nahezu immer NEIN! Zu jedem Angebot das wir Eltern ihm unterbreiten. NEIN! Die garantierte Antwort ist immer wieder und wieder NEIN. Es gibt vielleicht 2,5 Ausnahmen, mehr nicht. Daraus ergibt sich ein gewisses Unwohlsein. Ständig suchen wir Dinge, die das Kind von selbst gerne macht/ machen könnte. Diese liegen aber nicht auf der Straße des Lebens. Somit bleibt ein ständiges NEIN und wachsende Frustration bei uns Eltern und ab und an ein unerwarteter und dann sehr gefeierter Erfolg.

Ich habe lange gebraucht ansatzweise zu verstehen welche Gründe es haben könnte. Ich denke: Es ist die kleinstmögliche Form von Selbstschutz. Mit einem NEIN muss sich unser Kind nicht verhalten und erfährt weniger Enttäuschung. Das Gegenteil von ja sorgt dafür den schwer erreichten Sicherheitsbereich zu halten. Es muss sowieso schon zu Viel aushalten. Doch wenn dann, selten zwar, ein JA kommt – dann geschieht dies voller Hingabe, nahezu im Überschwang. 

Der König der NEIN Sager

Darüber hinaus möchte ich nahezu jedes Mal dem Kind sagen, wie wichtig es ist auch leichtfertige NEINs auszubaden und hinzunehmen. Daran wächst ein Mensch und sammelt Erfahrungen. Ob mein Liebes das jemals annehmen kann – wohl nicht. Nichtsdestotrotz, das Leben geht voran. Unser Infant wird größer. Er wird konfrontiert und macht seine Erfahrungen, nicht immer einfach und unkompliziert. Dabei eckt das Kind an, an Mitmenschen, Konventionen und Institutionen. 

Wir werden all das mitmachen. Verstehen können wir wenig von dem was da geschieht – müssen wir auch nicht. Ehrlich gesagt kann solch ein Lebensweg nicht nur leicht sein. Doch wir sind die Eltern und bereiten (s)ein Leben vor. Ein Dasein voller Freuden und Sorgen – besonders vielleicht, besonders für uns, manchmal. Für das Kind wird es normal sein. Unsere Sicht passt sich an, an das was dort kommen mag. Diejenigen, die sich nicht ein wenig darauf einlassen, werden wohl meist außen vor bleiben im Reich eines einzigartigen Regenten – unserem König der NEIN-Sager.

Konsti

Spürst du die Liebe?

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9 Comments

  • Almut
    16. Juni 2021 at 08:38

    Ein toller liebevoller Text. Besser kann man es am Beginn eines solchen Lebensweges vermutlich nicht haben 🙂

  • Flo
    16. Juni 2021 at 10:37

    Unser Jüngster ist auch ein ganz großer Neinsager. Wir haben festgestellt, dass ein geschicktes Framing dabei helfen kann. Wenn das Kind verschiedene Alternativen angeboten bekommt und das Gefühl hat, zwischen diesen frei wählen zu dürfen, kooperiert es eigentlich immer.

    Statt zu sagen “Willst Du mit mir einkaufen gehen?” (worauf fast zwingend ein “Nein!” erfolgen würde) sage ich “Willst Du Deine roten Schuhe oder lieber die Sandalen mit den Dinos drauf, wenn wir gleich einkaufen gehen?”
    Dann sagt er “DINOSANDALEN!!!”, geht widerstandslos mit mir einkaufen und ist stolz wie Bolle, dass er seinen Willen durchgesetzt hat.
    Selbst wenn er auf diese Frage trotzdem ein trotziges “Nein!” antworten würde, würde ich beispielsweise sagen: “Ah gut, ich habe verstanden, dass Du keine Schuhe willst. In Ordnung. Weil es heute so schön warm ist, darfst Du ausnahmsweise barfuß mit mir einkaufen gehen.” Was dem Kind dabei gar nicht auffällt ist, dass über mein eigentliches Anliegen (nämlich einkaufen gehen) gar nicht diskutiert wird. Das nimmt das Kind dann halt als gegeben hin.

    Wenn man jetzt beispielsweise will, dass das Kind Radfahren lernt, lässt man das Kind einen coolen Fahrradhelm aussuchen. Aber natürlich darf es den coolen selbst ausgesuchten Helm nur auf dem Fahrrad tragen. Weil es ja ein Fahrradhelm ist. Das leuchtet jedem Kind ein.^^

    Lustigerweise klappt dieser kleine psychologische Trick sogar bei Erwachsenen, wenn man es nicht gar zu plump anstellt.

  • Ronja Mayer
    16. Juni 2021 at 14:02

    Das ist wirklich ein sehr liebevoller Text. Für mein schlechtes Gewissen, da ich wirklich oft einfach gar nicht gut mit dem ständigen Neinsagen umgehen kann, denke ich mir, dass es im Alltag bestimmt oft auch bei Euch zu Reibungaverlusten im Nervenkostüm kommt.

    Lieber Flo, ungebetenen Ratschläge sind… na Du weißt schon. Eine Aussage darüber, wie man etwas erlebt, was schwierig ist, ist nicht automatisch eine Einladung zum … Ratschlag einfordern.
    Grüße
    RM

  • Flo
    16. Juni 2021 at 23:58

    @ Ronja Mayer

    Im Privaten gebe ich Dir vollkommen Recht. Da sind Ratschläge oftmals unwillkommen. Dies hier ist jedoch ein Blog, welches öffentlich und in einer gewisser Form meinungsbildend ist. Blogs leben auch davon, dass die Community ihre Meinung und ihre persönlichen Gedanken zu dem Thema sagt.

    Wenn ich keine Meinungen, Ratschläge, Kritik und Positionen anderer Menschen zu einer Sache hören will, stelle ich diese Sache nicht auf einem Blog hoch. Und wenn ich es auf einem Blog öffentlich stelle, muss ich damit leben, dass jemand seinen Senf dazu gibt.

  • Anne
    17. Juni 2021 at 09:09

    Moin,
    herzlichen Glückwunsch dieses Kind zu haben.
    Und dem Kind herzlichen Glückwunsch die Eltern zu haben.
    🙂

  • Olufsen
    21. Juni 2021 at 09:00

    Auch von mir herzliche Glückwünsche;)

  • Alu und Konsti
    22. Juni 2021 at 22:38

    danke

  • KK
    30. Juni 2021 at 08:39

    Wir haben auch einen chronischen Nein-Sager in diesem Haus, der nun bald schon ein Teenager wird. Aus meiner Sicht verweigert er sich allen Vorschläge aber nicht aus Selbstschutz, sondern weil er ein sehr hohes Maß an Autonomie und ein sehr großen Freiheitsdrang in sich spürt. Und das war bei ihm schon immer so. Im letzten Kindergartenjahr wollte er immer allein die letzten Meter gehen, nie durften wir auf den Schulhof mit begleiten im ersten Schuljahr und immer will er alles alleine meistern: Egal ob das Lernen von Schleifen binden oder schriftliches Dividieren. Das gelingt ihm auch fast immer, denn er ist wahnsinnig konsequent und in seiner Sturheit sehr ehrlich mit sich. Wenn er etwas für sich beschlossen hat, was sich für ihn richtig anfühlt, dann zieht er das durch und dann weicht er von seinem Weg auch nicht so schnell ab.
    Das macht das Zusammenleben mit ihm natürlich oft schwer, weil seine Vorstellung nicht immer synchron mit unseren laufen, aber wir haben gelernt, ihm den Raum für Entscheidungen zu lassen. Und wir geben ihm Zeit, Pläne, die wir als Familie machen, zu durchdenken, damit er für sich entscheiden kann, wie ein Plan sein muss, damit es für ihn funktioniert. Und wir haben auch gelernt, in alles Freiheiten für ihn einzubauen. Klar muss er mit zu Familienfesten, aber er kann bestimmen, was er anzieht und er kann zwischendurch alleine eine Runde auf den Spielplatz gehen und dort machen, was er will, und wenn er nichts essen will. dann isst er halt nichts. So hat er immer das Gefühl, dass er seine Freiheiten behält und weiter über sich bestimmt.
    Das ist für ihn kein leichter Lebensweg und er wird damit wahrscheinlich häufig anecken, andererseits ruht er sehr in sich und kennt sich selber jetzt schon ganz gut. Auch keine schlechte Basis für ein gutes Leben.

    Und das ist kein Ratschlag, sondern nur meine Erfahrung. Ich hatte in den letzten Jahren oft das Gefühl, dass nur unser Kind so kompliziert ist, und wir konnten uns mit niemanden dazu austauschen. Deshalb hat Dein Beitrag etwas in mir angerührt; normalerweise kommentiere ich nichts. Sorry also, wenn Euch meine Sichtweise aufgedrängt habe !

  • Alu und Konsti
    30. Juni 2021 at 11:21

    Danke dafür. Das bereichert uns auch sehr! Konsti

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