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Gastpost: Best of Schwiegermutter – Schwiegermütter sind auch Mütter

Heute haben wir etwas ganz besonderes für Euch, den Artikel von meiner lieben Bloggerkollegin Verflixter Alltag über das Leben mit ihren Schwiegereltern. Wir haben uns letztens auf einem Event kennengelernt und da wir immer für Gastbeiträge offen sind, freuen wir uns, dass sie diesen Text bei uns veröffentlicht. Ein Text der zeigt, dass Dinge die in anderen Generationen normal waren hinterfragt, aber nicht immer gänzlich verteufelt werden sollten. Danke dafür Wiebke.

Prolog

Ich mag meine Schwiegereltern. Meistens. Ich respektiere sie und das, was sie in ihrem Leben geschaffen haben. Ich bewundere voller Ehrfurcht ihren Arbeitseifer und ihre Gastfreundschaft. Und dennoch fühle ich mich nie wohl bei ihnen.
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo Pragmatismus an der Tagesordnung war. Es wurde nicht viel geredet, sondern angepackt. Wenn jemand zu Besuch kam, wurde die Staubfluse unter das Bett gekehrt und die Decke aufgeschüttelt. Fertig. Der Gast wusste am besten, was er trinken oder essen wollte. Also durfte er sich auch selbst bedienen.
Die Familie meines Mannes ist da etwas anders. Hier werden die Trinkgläser im Stundentakt gewechselt und Besuch muss zwei Tage vorher angekündigt werden, damit angemessen sauber gemacht werden kann. Dieses „Betüdeln“ ist mir fremd und ruft in mir dieses oben genannte Unwohlsein hervor. Vielleicht ist das schon ein Grund, warum ich so ungern die Schwiegereltern besuche. Ich bin immer dabei mich zu rechtfertigen, warum ich jetzt nicht einen Tee, sondern einfach nur einen Schluck Leitungswasser haben möchte. Wir passen einfach nicht zusammen.
Wenn dann noch zweifelnde Kommentare der Schwiegermutter hinzukommen, dann ist das quasi das I-Tüpfelchen:

Best of Schwiegermutter

Beim ersten Kind, Wirbelwind, ist mir eigentlich nur eine Szene in Erinnerung, die mir aufstieß. Wir waren zu Besuch bei den Schwiegereltern und wollten mit dem Kinderwagen einen Spaziergang machen. Wir steckten Wirbelwind mit ihren normalen Klamotten in ihren warmen Sack, wie wir es immer taten. Die Erfahrung zeigte, dass sie nach langen Spazierfahrten stets warme Hände und Füße hatte. Die Schwiegermutter wusste es besser: „Meinst Du nicht, dass sie zu kalt angezogen ist?“. Dass sie mit einem kurzen Blick auf das Baby sofort die Lage checkte, war für sie selbstverständlich. Dass wir als Eltern unser Kind nicht kannten, anscheinend ebenso.
Zwei Monate nach der Geburt von Wölkchen, dem zweiten Kind, besuchten wir die Schwiegereltern. Hier wurden alle Grundthemen bearbeitet: Schlafen, Essen, Veröhnen.
Die Haupt“problematik“ war das Schlafverhalten von Wölkchen und die doch etwas anderen Vorstellungen der Schwiegermutter. So beteuerten wir, dass sie im Kinderwagen nicht schläft, sondern nur brüllt, sie dagegen im Tragetuch sehr gut schlafen kann. Ihre Antwort: “Es schläft nicht im Kinderwagen? Das kann ich ja gar nicht glauben!” Soweit, so gut. Etwas „Unglauben“ hätte ich ja akzeptiert, wenn sie nicht zwei Minuten später vorgeschlagen hätte, das Baby in den Kinderwagen zu packen und einen Spaziergang zu machen. Ahhh.
Als ich mit Wölkchen schlafend im Tragetuch durch das Wohnzimmer lief, kommentierte sie “Wenn sie im Kinderwagen liegen würde, könntest Du zum Spielplatz mit”. Oder als der Mann feststellte, dass wir den Kinderwagen das nächste Mal nicht mitzunehmen brauchen, meinte sie: “Aber dann könnt ihr ja keine Spaziergänge machen!” Ja genau, mit Tragetuch muss ich die ganze Zeit zu Hause bleiben.
Wölkchen war von der fremden Umgebung maßlos überfordert und war nur auf dem Arm ruhig, wurde also in Gegenwart der Schwiegereltern viel getragen. “Naja, so wie sie es gewohnt sind” war ihr Kommentar, um zu zeigen, dass das aufmüpfige Baby doch ein hausgemachtes Problem ist.
Wölkchen musste viel gestillt werden, sie trank ja immer recht wenig, dafür aber eben öfter. In fremden Situationen sowieso. Als ich sie mal wieder anlegte, bemerkte die Schwiegermutter, dass es doch noch nicht wieder Hunger haben kann. Als sie dann doch mal etwas länger trank, ließ sie den Satz: “Jetzt ist es aber satt!”. Sie hat einfach die absolute Kontrolle über meine Milchproduktion.
Nach dem Trinken schlief Wölkchen selten sofort ein, sondern musste noch etwas herumgetragen werden. Auch hier hatte sie eine Meinung:  “Also meine Kinder sind nach dem Trinken gleich wieder eingeschlafen”. Und wenn Wölkchen dann im Arm eingeschlafen ist, stocherte sie nochmal nach: “Meinst du nicht, dass es weiterschläft, wenn du es ablegst?” Eine Schwiegermutter weiß eben viel besser, was ein Baby braucht, als seine eigene Mutter.
Doch den Vogel schoss sie mit folgender Szene ab: Ich legte Wölkchen in die Babyschale, die direkt neben den Esstisch stand, damit wir alle gemeinsam Mittagessen machen konnten. Das Baby war ruhig, wenn auch nicht sonderlich glücklich. Die Schwiegermutter schnappte sich das Baby, kommentierte ihr Vorgehen mit “Ach das ist doch nichts für so ein kleines Baby” und setzte sich anschließend mit dem inzwischen schreienden Wölkchen auf das Sofa. Dort legte sie es auf den Schoß und schüttele vor dem inzwischen brüllenden Knirps energisch die Rassel hin und her. Als ich versuchte ihr das Baby abzunehmen, um es zu beruhigen, verweigerte sie mir den Zugang.
Beim letzten Besuch, Wölkchen ist inzwischen 10 Monate alt und schläft nun auch im Bett, waren die Kommentare deutlich weniger geworden. Als ich jedoch nach einer halben Stunde Vormittagsschlaf wieder im Wohnzimmer erschien, fragte sie mich doch tatsächlich „Meinst du nicht, dass sie noch länger geschlafen hätte?“ Ja sicher, ich habe sie absichtlich geweckt, weil ich gerne ein übermüdetes Baby mit mir herumschleppe!
Schwiegereltern, Erziehung, Elternblogstars
Best of Schwiegermutter, Foto: Verflixter Alltag
Epilog
Warum ist das so? Warum sind Schwiegermütter zuweilen so garstig, was die „Erziehung“ ihrer Enkelkinder angeht? Mein Erklärungsversuch: Schwiegermütter wollen auch ihre Daseinsberechtigung. Und, noch viel wichtiger, sie wollen ihre Bestätigung dafür haben, dass sie als Mutter alles richtig gemacht haben. Also müssen auch die Methoden von damals doch richtig sein. Und zeitlos. Was damals funktionierte, das funktioniert doch auch heute.
Damals haben die Kinder etwas getrunken und dann drei Stunden vor dem Haus im Kinderwagen geschlafen, während die Eltern arbeiten konnten. In Zeiten ohne Babyfon frage ich mich jedoch, woher sie wussten, dass ihre Babys die ganze Zeit geschlafen haben. Waren die Methoden wirklich so gut? Waren die Babys denn so anders und pflegeleichter als heute? Oder haben sie einsam im Kinderwagen vor dem Haus geschrien, ehe sie vor Verzweiflung eingeschlafen sind? Oder sind die Erinnerungen so verklärt?
Wenn wir heute unsere Babys nicht schreien lassen, sondern herumtragen, wach und schlafend, dann erschüttert das das mütterliche Weltbild. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Wir leben ihnen vielleicht sogar das vor, was sie sich damals nicht zu tun getraut hatten. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie ihr fürsorgliches Gebilde ins Wanken geraten sehen. Und schon wird der Verteidigungsmodus angeschaltet.  Eine neue Kampfsportart entsteht: „Schwiemu-do“, oder so ähnlich.

In dem Sinne: Lasst die Spiele beginnen.
Dieser Artikel von Wiebke gehört zur Reihe Elternblogs.

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9 Comments

  • Wiebke Verflixter Alltag
    3. Mai 2016 at 07:26

    Vielen Dank, dass Du mir die Plattform gegeben hast <3Lieben Gruß, Wiebke

  • 2KindChaos
    3. Mai 2016 at 14:39

    Was liebe ich diese Kommentare… kann kein Mensch brauchen oder? Ich weiß auch nicht, für mich ist das keine ausreichende Erklärung mit dieser Angst davor nicht genug richtig gemacht zu haben, dafür kommt es mir doch zu distanzlos – überzeugt vor 😀 Also nicht nur von Schwiegereltern sondern von allen möglichen Menschen im Allgemeinen. Sind ja auch Fremde die einen antexten… vielleicht so ne Mischung aus Instinkt (Baby beschützen) und Egoshow (DIe blöden Neueltern können es ja nicht wissen) – who knows? Ich wünsch dir alles Gute beim Durchhalten 😀 Liebe Grüße, Frida

  • cizoba
    3. Mai 2016 at 15:04

    Oje davon kann ich auch ein Lied singen. Das hätte 1:1 so bei meinem 1. Kind sein können. Allerdings war ich vorher sehr blauäugig und dachte nicht das mir jemand in mein Kind reden würde. Noch dazu hatte ich immer ein super Verhältnis zu meiner Schwiegermutter. Heute insbesondere bei meinem 2. Kind sagt mir keiner mehr solche Sachen und es nimmt auch nimmt einfach ungefragt meine Kinder. Liebe grüße

  • Hanna
    3. Mai 2016 at 18:38

    Es ist schwierig. Finde ich. Es gibt ja auch oft noch das Gegenbeispiel aus der anderen Seite der Familie. Wo nicht in dem Maße kommentiert oder "verbessert" wird. Mir wird manchmal nur klar: das muss die Generation sein! Denn die einen Großeltern von Noah sind so alt wie die Urgroßeltern auf der anderen Seite. Und da liegt ja nicht nur eine, sondern quasi zwei Generationen dazwischen…

  • Wiebke Verflixter Alltag
    3. Mai 2016 at 20:15

    Vielen Dank, liebe Frida. Ich sehe sie ja zum Glück nur selten 😉 Ja, da liegt wohl noch viel mehr dahinter. Bei Fremden stört es mich nicht so sehr (auch wenn ich die Distanzlosigkeit schon echt frech finde). Bei den Schwiegereltern geht es schon mehr an die Substanz.LG Wiebke

  • Wiebke Verflixter Alltag
    3. Mai 2016 at 20:16

    Das stimmt. Meine Mutter ist da sehr zurückhaltend und lässt mich einfach machen. Sollte sie etwas anderes Denken, dann zeigt sie es nicht. Sie ist das komplette Gegenteil von meiner Schwiegermutter, obwohl sie etwa gleich alt sind. Hat wohl nicht nur etwas mit der damaligen Erziehung, sondern auch der Persönlichkeit zu tun. LG Wiebke

  • Anonym
    4. Mai 2016 at 05:44

    Zum Glück kommen weder von meinen Eltern noch von den Schwiegereltern so unsinnige Kommentare. Im Gegenteil, wir werden bestärkt in dem was wir tun und das erst Recht wenn wir zweifeln. Aber ich muss sagen: das mit der Rassel oder mit Spielzeug rumwedeln, wenn die Puppi weint, kenne ich auch von der Schwiegermutter. Meine Mutter macht das zum Glück nicht. Sie nimmt sie dann hoch und erzählt ihr "was vom Pferd". Oder singt ihr was vor. Und das liebt die Puppi.

  • Anonym
    4. Mai 2016 at 06:30

    Ich verweigere seit einigen Jahren die Besuche bei den Schwiegereltern. Seitdem ist das Verhältnis sehr entspannt. Mein Mann fährt öfter mit den Kindern ein paar Tage hin und ich habe zuhause doppelte Ruhe. Großartig.

  • Anonym
    10. Mai 2016 at 10:45

    Meiner Erfahrung nach: wo Schwiegermutter steht, gilt auch eigene Mutter. Nur bei der eigene Mutter juckt nicht so solle…

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