Ja, wir waren auch mal jung. Über den Spießervater in mir.
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Ja, wir waren auch mal jung! Über den Spießervater in mir.

Ja, wir waren auch einmal jung! Erinnerungen eines Vaters

Mittlerweile kommt es öfter vor, dass die Kinder (vor allem K1) fragen, wie es war als wir Kinder waren.
Naturgemäß kann ich für alles vor 2005 generell nur für mich beantworten. Dabei interessiert das große Kind vor allem diese diffuse Zeit in dem anderen Land, in der selben Stadt. Dabei versuche ich ihr schon meine Impressionen, eines Acht- oder  Neunjährigen Ost-Berliner Jungen vom Stadtrand mitzugeben.
 
Dies sind oft nur kurze Gespräche, doch ich glaube sie hört aufmerksam zu. Viel lieber würde ich von meiner „ach so wilden Jugend“ berichten, doch dazu hat K1 keine Bindung.  Ich nehme sogar an, als Jugendliche werden Papas Märchenstunden dann wohl eher eine Qual als Quell der Erfahrungen.
Deswegen erzähle ich es euch. Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Ich habe heute alte Bilder durchforstet. Alu brauchte Material für Beiträge.- Ich bin sogar nur bis 2004 zurück gereist, also schon lange nicht mehr die Jugend im eigentlichen Sinne.
Doch die Zeit vor dem Jetzt, vor den Kindern und mitten im neverending Studium.
In einer Zeit, in der jeder der unter zehn Semestern abschloss den Argwohn der Anderen erntete. „Du versaust die Norm habe ich meiner Studienfreundin damals entgegen geworfen“ und sie hat es auch genau so verstanden.

Anekdoten aus der Jugend?!

Neben dieser Ewigstudierendenanekdoten gab es jedoch eine richtig einschneidende Anekdote, die neulich wieder aufblühte als ein älterer Kollege (über 50 ist er) erzählte: Er sei wider erwartend bis 3 Uhr Nachts aus gewesen!
Da musste ich mir eingestehen, dass dies in meiner Jugend zumindest nicht auf Partyebene stattfand. Wir trafen uns nämlich gegen 20 Uhr und endeten dann meist bereits gegen ein Uhr. Dies hatte (meist) den Vorteil, dass ich noch auf zwei Beinen die Räumlichkeiten verließ (meist kirchliche Orte) und der nächste Tag nicht völlig im Ar*** war. Ja, geneigte Hörer Leser der Jahrgänge 1995+: Ich hatte wirklich Spaß – mir hat nichts gefehlt. Außerdem war das Bier billiger als in den Clubs und die Mädels waren katholisch, oder mit mir verwandt.
1991 war die Welt noch schwarz – weiß, oder so.

Menschen die spießig sind, müssen nicht scheiße sein

 Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte, ist die Tatsache dass Menschen die heute nahezu spießig zu sein scheinen, die arbeiten gehen um zu leben (und auch Erfüllung zu haben), die Kinder vor sich hin- und her scheuchen, Menschen die abends oft lieber zu Hause, als draußen den Wein nehmen, auch einmal jung waren und im Umkehrschluss gar nicht so scheiße sein müssen, wie es vielleicht den Anschein hat.

Es ist nämlich nichts dagegen zu sagen, gesettelt gesetzt zu sein.

Zumal ich keinen anderen Weg sehe, wie  alles Andere wie Familie, Beziehung, Arbeit usw. sonst noch funktionieren kann?! Die Partys von heute sind wieder viel früher, oft mit Kindern, oder dienstliche Anlässe die unvorhersehbar lustig werden. Der drohenden Gefahr am nächsten Morgen nicht einsatzfähig zu sein, setze ich mich nicht mehr stetig aus.
Denn ehrlich, manch ein Mitfahrer sollte durchaus Morgens um neun Uhr am Wochenende in der Tram, oder der U-Bahn nicht nach Alkohol und Erbrochenem riechen. Ich reiche dann den Kaugummi bei Bedarf.
So sind wir dann eben auch – die Spießer mit Herz.
Denn: „Wir waren auch einmal jung“, sage ich dem Kind immer wieder.
Konsti
 

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