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Elternleben

Keine Lust mehr – Keine Kraft mehr – wenn Eltern verzweifeln

Immer wieder nehme ich Gastbeiträge an. Heute von Anja die über ihre Verzweiflung und Unlust schreibt und sich fragt: Wie soll ich das schaffen?  Während noch alle über die Elternschule diskutieren schreibt hier eine Mutter nah am Abgrund.

Keine Lust mehr

Von Zeit zu Zeit halte ich inne, um zu bemerken, wie gut schon alles geworden ist. Und es ist gut geworden. Gut, oder doch zumindest: viel besser. Zweimal schon hatten wir im Laufe unserer Elternschaft den Punkt, an dem wir dachten: „Jetzt ist wieder Luft da. Endlich sind wir an der Oberfläche angekommen. Es ist deutlich leichter geworden. So langsam kommen wir in einem Alltag an.“

Als wir das erste Mal an diesen Punkt kamen, haben wir uns fürs zweite Kind entschieden. Kaum war die Entscheidung gefällt, gab es wieder Rückschläge, kein einzelner, sondern einige, bei denen nicht nur einer auf den anderen folgte, sondern auch mehrere, die sich teils überlappten, uns wieder in die Notautomatik zurückversetzten.

Irgendwann begann ich mich zaghaft an diesen Zustand zu „gewöhnen“. Nicht dass es mir leichter fiel, mit den Herausforderungen klarzukommen. Aber der Abstand zwischen dem, wie das wohl so normalerweise lief, und dem, wie es bei uns lief, war und blieb gewohnt groß. Wir richteten uns im ständigen Ausnahmezustand ein und reagierten eins ums andere Mal flexibel, um es überhaupt irgendwie hinzubekommen. Immer mit Sonderlösungen, immer mit Extrawürsten und ein Stück weit auch immer über unsere Grenzen. Bedürfnisausgleich wurde relativ, weil er schlicht nicht möglich war. Das Bewusstsein, was wir eigentlich gebraucht hätten oder gar uns wünschten, rückte in den Hintergrund, weil es ohnehin so absurd weit weg war.

Die Jahre zogen ins Land, und dann kam irgendwann der Punkt, vielleicht etwa vor einem halben Jahr, an dem wir zum zweiten Mal in unserer Elternschaft das Gefühl hatten, jetzt ist der Durchbruch.

Jetzt ist so vieles so viel leichter geworden. Neue Freiheiten entstanden, wir konnten erstmals zu zweit abends ausgehen. Die Kinder waren inzwischen beide im Kindergarten und dort auch einigermaßen (mit kreativen Sonderwegen) angekommen.

Vor uns lag die Vorfreude auf die Schule meiner großen Tochter. Die Kinder waren bei aller Emotionalität deutlich verständiger geworden, soziale Wesen, die Rücksicht nehmen, sich auseinandersetzen können und auch verstehen, dass wir ein Familiensystem sind und dass es uns dann gut geht, wenn wir alle aufeinander achten.

Meine Große hatte angefangen durchzuschlafen, was ein ungeheurer Meilenstein war im Alter von etwa fünf oder fünfeinhalb Jahren. Das erste Mal feierten wir hart, waren aber nicht enttäuscht, dass es ein Einzelfall blieb. Beim zweiten Mal feierten wir wieder, beim dritten Mal konnten wir unser Glück kaum fassen, und irgendwann bemerkten wir, dass das Durchschlafen zur Regel geworden war, die durch Ausnahmen bestätigt wurde. Es fiel nur deshalb nicht so extrem auf, weil die Kleine, die damals 3 war, nicht durchschlief, nicht eine Nacht.

Keine kraft mehr um Eltern zu sein

Und trotzdem begannen wir, uns Dinge zu erlauben, fast inzwischen mit dem Gefühl, sich etwas herauszunehmen, weil es so ungewohnt war.

So etwas wie ein Hobby anzufangen und dem (wenn auch unregelmäßig) nachzugehen. Einmal war ich mit einer Freundin einen ganzen Tag in der Sauna! Es gab Tage, da war ich nachmittags einfach mal allein in der Stadt unterwegs, wie früher. Ich begann sogar, wieder fernzusehen, denn wir bekamen einen Festplattenrecorder vom neuen Telefonanbieter. Ich begann auch auf eigenen Wunsch hin, freiberuflich zu arbeiten, und war fast im Freudentaumel vor Sinnerfüllung, einfach deshalb weil alte Rollen mir begegneten, die mir noch passten. Rollen, die lange brach gelegen hatten. Ich als Arbeitskraft. Ich als Sporttreibende. Ich als erwachsene, für sich selbst stehende Privatperson. Manchmal sogar ich als Freundin. Ich konnte ganze Wochenenden wegfahren, ohne die Unsicherheit im Nacken zu haben: Wird es gutgehen? Wird es schiefgehen? Bekomme ich einen Alarm-Anruf vom Papa?

Es passierte sogar manchmal, dass ich mein Handy zu Hause vergaß und nicht erreichbar war – undenkbar in den vielen, emotional harten Zeiten der Eingewöhnungen, in denen ich, leider nicht ohne Grund, mein Handy sehr oft in der Hand hatte.

Ich konnte endlich loslassen. Beziehungsweise: loslassen, ohne dass etwas passierte. Denn versucht hatte ich es wohl schon, leider mit Konsequenzen, die uns Monate zurückwarfen. Loslassen: die Sorge, dass sich gerade eine neue Katastrophe ereignen könnte. Loslassen, die Sorge, dass die aktuellen Baustellen, die wir so gerade bewältigten, eskalieren könnten. Dieses neue Gefühl: Was soll denn schon schiefgehen?

Ich begann, bewusst Dinge für mich zu tun, für mich zu sorgen. Ich schloss sogar meine Traumatherapie ab und es fühlte sich richtig, rund und fertig an.

Ich war wieder da. Ich war wieder im Leben. Mein Mann und ich bemerkten, dass es uns noch gab, nicht als Eltern, sondern als Paar, auch wenn wir nicht recht wussten, wie wir damit umgehen sollten. All das habe ich im Kopf, wenn ich jetzt denke: Welchen Grund habe ich zu jammern? Welchen Anlass habe ich für diesen Blogbeitrag? Ich denke an all die Eltern mit kleinen Kindern, mit Babys, die zehnmal, zwanzigmal aufstehen nachts oder gar nicht schlafen können. Die die ganze Nacht durch tragen und trösten und verzweifeln und an der roten Ampel mit angezogener Handbremse die Minute schlafen, weil es kaum andere Gelegenheiten gibt.

Davon bin ich wirklich weit entfernt, also verflucht noch mal, warum halte ich nicht einfach meine Klappe? Warum lasse ich mich so sehr hängen, warum kann ich nicht einfach mal das Gute sehen?

Ich fühle mich wie in so einem Nebel, der mir die Sicht verstellt. Aber das ist eine Antwort meines Kopfes. Der denkt und sich mit Erwartungen auseinandersetzt und immer, immer noch vergleicht. Dreimal haben meine Kinder bisher gemeinsam durchgeschlafen. Dreimal in mehr als sechs Jahren. Sprich: Dreimal haben wir durchgeschlafen.

Mein Körper und mein Gefühl sind da weniger sortiert. Sie sind einfach nur fertig. Zu fertig, um sich zu sortieren, zu fertig, um zum Yoga zu gehen oder sich mit Achtsamkeit zu befassen. Zu fertig, um nachzuspüren, wo mein verdammtes Problem eigentlich liegt.

Zu fertig von jedem einzelnen Tag, an dem ich wieder herumgebrüllt habe, an dem ich mich wieder gefragt habe, wie es nur so enden konnte, wie ich nur zu einer solchen Mutter geworden bin, wo ich doch so gut und mit besten Absichten gestartet bin.

Zu fertig, um die Bücher zur Hand zu nehmen, die mich erden und da abholen, wo ich stehe: In absoluter Hilflosigkeit und mit der Begleitung meiner Kinder komplett überfordert. An welcher Stelle habe ich angefangen, es zu verkacken?

Spurensuche.

Immer wenn ich an den Satz denke „Dein Alltag ist ihre Kindheit“ oder an die Frage, ob meine Kinder wohl später sagen, sie hätten eine schöne Kindheit gehabt, dann treten mir augenblicklich die Tränen in die Augen.

Ich will nicht, dass sie dieselbe Antwort geben müssen wie ich. Und es liegt doch, verdammt noch mal, in meiner Hand. Ich muss noch viel mehr an mir arbeiten. Ich muss auch viel mehr Ressourcen haben, um eine gute Mutter zu sein. Aber es ist ein Teufelskreis. Die Auseinandersetzungen mit meinen Kindern, und vor allem auch mein Bemühen, gut damit umzugehen, rauben mir so viel Kraft, dass ich keine mehr habe, um für mich zu sorgen. Und weil ich zu wenig für mich sorge, habe ich keine Kraft, mit den Auseinandersetzungen besser umzugehen.

Mir ist jeglicher Gestaltungsanspruch, jeglicher Kontroll- oder Steuerungsanspruch abhandengekommen. Das heißt, um Kontrolle oder Steuerung geht es mir nicht. Was ich vielmehr meine ist, sich in einer Situation zu sein, die man meistern kann. Der Lebenssituation gewachsen zu sein. Denn ich fühle mich überhaupt nicht gewachsen. Ich bemerke mein Bedürfnis, mich quasi totzustellen und zu hoffen, dass es an mir vorbeizieht. Aber ich bin Teil der Familie. Ich wollte mich doch eigentlich einbringen. Eigentlich wollte ich gar nicht erziehen (außer zu Empathie), sondern leben. Aber so, wie sich meine Kinder verhalten, ist es mir offenbar gründlich missglückt. Ich hab es vergeigt. Irgendwo bin ich falsch abgebogen. Das merke ich in solchen Situationen abends bei der Einschlafbegleitung (zu der ich immer weniger Lust habe), wenn wir uns erzählen, was an diesem Tag schön war. Und meine Kinder sagen: Dass wir jetzt mit Mama schlafen gehen. Und dass es heute Eis gab. Das Highlight des Tages meiner Kinder ist die Einschlafbegleitung. Das, was ich am liebsten streichen würde. Aber was bleibt dann von „Dein Alltag ist ihre Kindheit“?

Und dann diese fiesen Erfahrungen, wenn ich mal am Ende meiner Kooperationsmöglichkeiten bin und unerbittlich Dinge vorschreibe, verlange, bestimme, ohne Begründung. Befehle. Anders kann man es nicht nennen. Oder drohe. Wie gut dann meine Kinder funktionieren. Wie einfach dann augenblicklich das Zusammenleben ist. Wie viel Bemühen und Kooperation und Liebe sie mir entgegen bringen, sodass ich augenblicklich zu Ressourcen komme, die mich wieder ganz anders sein lassen.

Ihre Reaktion ist weniger die eingeschüchterter Kinder, die um Zuwendung kämpfen. Es vermittelt mir mehr den Eindruck, als seien sie wachgerüttelt und sich plötzlich wieder dessen bewusst, dass wir alle mithelfen müssen, wenn wir uns gut verstehen wollen. Sie bemühen sich dann so sehr. Sie SEHEN dann auch viel mehr. Sie machen Vorschläge, die anfangen mit „Wäre es ok, wenn…?“ Sie rasten nicht sofort aus, wenn etwas nicht gelingt, sondern lachen und sagen „Nicht schlimm!“. Sie suchen untereinander Kompromisse, sie tauschen wieder Argumente aus und sagen einander, warum bestimmte Dinge für sie blöd sind. Sie bieten Hilfe an. Sie bekommen mit, wenn ihnen geholfen wird, und bedanken sich dafür. Manchmal bedanken sie sich für Dinge, bei denen ich selbst nicht bemerkt hatte, dass ich gerade eine Aufgabe übernommen habe. Sie sind wohlwollender. Sie fühlen sich nicht gleich ungerecht behandelt von Tatsachen, dass sie eine aber schon letztes Mal den Blumenbecher hatte oder die andere in ihrer Süßigkeitenschublade (die sie jeweils selbst verwalten) noch mehr Kaubonbons als die andere hat.

Es ist deshalb fies, wenn der Entzug gewohnter Mitspracherechte und gelebte Dominanz zu  solch entspannterem Vehalten führt, weil es sich anbietet, alles in Frage zu stellen, woran ich glaube.

Habe ich mir mit von Anfang an rücksichtsvollem und wertschätzendem Verhalten asoziales Verhalten meiner Kinder eingebrockt, während asoziales Verhalten meinerseits rücksichtsvolles und wertschätzendes Verhalten meiner Kinder nach sich zieht?

 

Immer wieder kommt mir Brechts Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan“ in den Sinn mit dem Schlüsselsatz: „Wie soll ich gut sein, wenn alles so teuer ist?“ Der Protagonist in dem Stück kann seinen Anspruch, (in bewundernswerter Weise) gut und altruistisch zu sein, nämlich nur deshalb aufrechterhalten, indem er eine zweite Rolle einnimmt: die eines bösen, egoistischen, ausbeutenden Alter Ego. Und genau so komme ich mir vor. Ich scheitere an meinen eigenen Überzeugungen. Ich kann sie nur aufrechterhalten, indem ich gleichzeitig alle Grundsätze über Bord werfe und kein Stück besser bin als mein autoritärer Vater. Augenblicklich ist dann liebevolles Zusammenleben auf Augenhöhe wieder möglich, und ich kann wieder eine Weile der gute Mensch von Sezuan sein. Leider sind in den letzten Wochen, Monaten diese Intervalle immer kürzer geworden, schleichend. Warum? In der Rückschau sieht es alles so rosig nicht mehr aus. Mitten in die Phase, als auch meine kleine Tochter mit dreieinhalb Jahren die ersten Male durchschlief begann die Zeit des Abschiednehmens meiner Großen vom Kindergarten. Das war ein eigenes Stück Trauerarbeit, ohne Übertreibung. Im Mai begann es, wurde sehr spürbar, nahm Raum ein, jeden Tag Tränen, im Kindergarten und zu Hause. Weinen, das den ganzen kindlichen Körper durchschüttelte. Auch die Kleine realisierte, dass sie künftig im Kindergarten ohne ihre große Schwester auskommen muss, ohne ihren Anker, der es ihr ermöglicht hatte, sich nach einem dreiviertel Jahr etwa eingewöhnt zu haben. Ich hatte beide zu begleiten, zu trösten, aufzufangen. Was ich gerne tue. Es ist nur trotzdem emotional anstrengend, und da ich mit ihnen mitfühle, noch zusätzlich für mich.Und wie die Ferien begannen (und die Trauer der beiden anhielt, bei der Kleinen verbunden mit Angst und Verunsicherung), zeichnete sich ab, dass ich meine freiberufliche Tätigkeit nun ohne Kinderbetreuung hinbekommen musste. Was das Ende der Feierabende bedeutete. Auch mein Mann machte wieder viele Sonderwege möglich, machte früher Feierabend, um mir Termine zu ermöglichen, und arbeitete regelmäßig abends die Stunden nach.

Es schlich sich ein. Dieses tägliche abends arbeiten, wenn der Geist eigentlich Erholung braucht, egal ob durch Freunde treffen, erzählen, Sport, Glotze oder was auch immer.

Aber sicher nicht durch Jahresberichte schreiben oder Bewerbungen analysieren.

Diese fehlenden Feierabende waren zur (notwendigen) Gewohnheit geworden, als parallel die Projekte „Kindergarten ohne große Schwester“ und „Schulstart“ begannen. Wieder gab es viel zu begleiten, zu verstehen, zu erklären, und das brauchte vor allem Zeit. Viel Zeit. Wiederum Zeit, die ich exklusiv mit meiner Großen brauchte, für die mein Mann einspringen musste, um sich um die Kleine zu kümmern. Wiederum Zeit also, die der Arbeitszeit abgezweigt wurde und abends nachzuholen war.

Keine kraft mehr um Eltern zu sein

Dazu kamen die Nächte. Ich kann gar nicht mehr sagen, wann das so extrem wurde. Aber manchmal kann man es nicht mehr an einer Hand abzählen, wie oft jemand von uns zu einem der Kinder geht. Dort ne Stunde mit dem Kind wachliegt oder auch zombieartig mit Kind aufsteht, bevor man endlich weiterschlafen kann. Das Einschlafen dauert ewig. Beide Kinder kommen nachts rüber ins Schlafzimmer, wo unser 1,40-Meter-Bett steht mit angestelltem Kinderbett. Man könnte ja weiterschlafen. Wenn man dann nicht in 10-Minuten-Abständen getreten würde. Die Beine meiner Großen sind lang. Sie ist stark. Und sie schläft sehr ausladend. Wenn sie im Hochbett schläft, hört man in regelmäßigen Abständen, wie ihre Gliedmaßen krachend vor die Bettkanten stoßen.

Teilweise sind die Kinder auch wieder dazu übergegangen, nicht mehr selbst herüber zu kommen, sondern ins Babyfon „Mama!“ oder „Papa!“ zu weinen. Angst vor Monstern und Alpträume wurden wieder allgegenwärtig und auch alltäglich. Inzwischen hatte die Große die Kleine damit angesteckt.

Also die Nächte waren alles andere als erholsam, und wenn man erschöpft von den Aufreibungen am Tag während der ellenlangen Einschlafbegleitung versucht, nicht einzuschlafen, scheitert man. Man wacht dann irgendwann auf mit der Gewissheit, jetzt noch zwei Stunden arbeiten zu müssen, was auch noch mal doppelt so anstrengend ist, weil der Geist eigentlich schon schläft.

Am nächsten Tag klingelt um 5:30 Uhr der Wecker, weil es anders nicht zu schaffen ist. Denn bevor man die Kleine in den Kindergarten bringen kann, muss man sie mitnehmen, die Große in die Schule zu bringen, die sich noch nicht traut, allein zu gehen. Das ist alles ok und verständlich. Denn es ist viel, was von jetzt auf gleich sozial geleistet werden muss, ohne Eingewöhnung, nebenbei gesagt. Es ist verständlich und ok, es ist nur ein weiterer Baustein dafür, dass man später zur Arbeit kann, also wieder tendenziell nacharbeiten muss.

Es fehlen einfach die Ressourcen. Es fehlt Zeit. Zeit für Pausen. Pausen, in denen ich mich regenerieren kann, oder wir, denn die Nerven liegen bei uns beiden blank.

So vieles, was schon längst selbstverständlich war, geht nicht mehr. Anziehen? Vollverweigerung. Wenn man hilft, wird die Hilfe noch torpediert. Währenddessen läuft die Zeit davon, und spätestens nach 20 Sekunden brüllt wieder jemand, weil irgendetwas („XY hat …!“) geschehen ist. Also auch bei den Kindern liegen die Nerven blank.

Und ich bekomme ich sie bedürfnisorientiert nicht eingefangen. In der Praxis ist es so: Wenn mit viel Mühe und Kraft einen gemeinsamen Weg gefunden ist, hält er wenige Minuten, und es beginnt von vorne. Das schaffe ich einmal. Auch zweimal. Vielleicht auch dreimal in 10 Minuten. An guten Tagen. Die meisten Tage sind keine guten. Ich agiere gar nicht mehr. Ich reagiere nur noch. Ich bemerke an mir Fluchtgedanken und die mangelnde Bereitschaft, überhaupt noch zuzuhören, wer was Schlimmes getan hat.

Es beginnt mir, egal zu werden. Ich denke nur noch: „Lasst mich in Ruhe“ und sage es auch. Ich kehre meinen Kindern den Rücken, gehe in ein Zimmer und mache die Tür hinter mir zu. Ich verliere den Kontakt. Dann sitze ich da und fühle mich hilflos und schuldig und unendlich traurig. Ich weine und weine und weine. Weil ich das alles so nicht will. Weil ich dafür nicht angetreten bin.

Ich sitze dann da und warte, bis mein Mann kommt, unbelastet, außer von der Arbeit. Ich habe dann drei Stunden Streit und Schreien und Eskalation hinter mir. Er sieht mich kurz und schützt mich. Übernimmt. Er geht zu den Kindern. Nach einer Stunde ist er auf demselben Level wie ich nach dreien.

Ich will das so nicht. Ich gebe alles, um es anders zu machen, es zu durchbrechen, ich starte jeden Tag wieder in Liebe neu. Wie auch anders, wenn man diese (zur Aufstehzeit verlässlich) friedlich schlummernden, schlafwarmen Kinder sieht. Aber ich scheitere.

 

Neulich ist etwas Bahnbrechendes passiert. Meine Große hat sich etwas getraut, wovor sie fürchterliche Angst hatte: Sie ist allein von der Schule nach Hause gegangen, zum ersten Mal. Trotz Angst. Sie kennt den Weg. Sie kennt die Abläufe. Sie weiß, dass ich, sobald sie um die Ecke biegt, am Fenster stehen und winken werde. Und doch war es ein absolutes No-Go für sie. Ich habe nicht gewartet, bis sie so weit ist, den Schritt aus freien Stücken zu gehen. Der Grund, warum ich es entschieden habe, war der, dass ich nicht mehr konnte. Alles nicht mehr geschafft habe. Diese bis ans Äußerste ausgereizte Optimierung der Abhol-Abläufe aus meiner Arbeitsstadt nach Hause, zu unserer Wohnung, das Auto abholen, die Kleine aus dem Kindergarten am anderen Ende der Stadt abholen, dann mit ihr zurück zur Schule. Das ist nur die verkürzte Form. Ihr müsst mir einfach glauben, dass ich am Anschlag war. „Das geht nicht mehr, ich kann das nicht mehr. Du musst jetzt alleine nach Hause gehen.“ Neugieriger Blick. Dann sah man es, wie immer bei ihr, rattern, im Kopf,.Das Bewertungsmuster erscheint, und augenblicklich ändert sich das Gesicht. Sobald der Kopf sich einschaltet, sind alle Eventualitäten, was schief laufen könnte, aktiv mit dem kognitiven Ergebnis: „muss unbedingt abgewehrt werden“. Folge: Panik.

Meine Erschöpfung hat mich aber so klar gemacht, dass sie stärker war als Empathie. Eigentlich will ich sie nicht zu Dingen zwingen, für die sie sich noch nicht bereit fühlt.

Rein rational wusste ich, dass sie das kann. Mir war auch klar, dass sie keine Alternative haben wird, denn um 4 macht die Schule zu. Das ist der Zeitpunkt, an dem ihre AG zu Ende ist. Alle gehen dann nach Hause, auch das Personal. Sie wird ihren Tornister holen und das Schulgebäude verlassen. Da wird keine Mama stehen für den Notfall, dass sie sich doch nicht traut. Sie wird sich trauen MÜSSEN. All das war mir klar. Aber ebenso klar war mir, dass ich das von ihr verlangen WOLLTE. Nicht aus Prinzip, sondern weil ich meine eigene Grenze wahren musste.

Ebenso klar war mir, dass wir uns gemeinsam darauf vorbereiten werden. Dass wir gemeinsam überlegen, was zu tun ist. Welche Schritte, welche Wege, bei wem sich abmelden. Auch: was ihr helfen würde. Sie selbst hat sich für ein (weiteres) Mut-Tier (es ist nun das dritte im Tornister) entschieden und bestimmt, dass sie es direkt nach Schulschluss herausholen und in die Hand nehmen wollte. Erstaunlicherweise hatte sie in der Schule „allen“ (Zitat) davon erzählt, heute allein nach Hause zu gehen. Ich bin mir sicher, alle haben ihr entsprechenden Rückenwind gegeben, sie bestärkt und sich mit ihr gefreut. Sie kam als anderes Kind zurück, um zehn Zentimeter gewachsen, stolz von den Zehen bis zum Haaransatz und selbstbewusst. In der Nacht hat sie durchgeschlafen. Wenn es auch diese eine blieb.

Dieser Monster-Angst (und ähnlichen alterstypischen Ängsten) begegnet man ja gern, indem man Kinder gefährliche Dinge tun lässt. Die sie reizen, vor der sie aber auch gehörigen Respekt haben. Wie schnitzen, mit der Laubsäge sägen oder mit der Heißklebepistole kleben. Der Sinn dahinter ist wohl die Erfahrung, sich seinen Ängsten stellen zu können und stärker zu sein als die Angst. Diese Erfahrungen schlagen die gefährlichsten Monster in die Flucht. Schnitzen, sägen und ähnliches blieben bei meiner Tochter wirkungslos, anders als soziale Herausforderungen, wie mit 5 erstmals drei Tage und Nächte ohne Eltern wegzufahren (nämlich mit dem Kindergarten).

Ermutigt zu dieser „Überforderung“, wenn man es so nennen will, allein nach Hause zu gehen, gegen ihren erklärten Willen, hat mich eine Erfahrung im Kindergarten, wo sehr, sehr kluge, empathische, liebevolle und tolle Erzieherinnen arbeiten. Sie trug lange eine Windel, was auch nicht problematisiert wurde. Aber mit knapp vier Jahren schlug die Erzieherin meiner Großen vor, auf die Windel zu verzichten – gegen den erklärten Willen meiner Tochter. Sauberkeitserziehung mit Druck ging mir sehr gegen den Strich. Aber die Erzieherin meinte, dass meine Tochter soweit sei und nur noch einen kleinen Schubser brauche. Sie schlug vor, ich solle mit meiner Tochter besprechen, dass Windeln ja Geld kosten und dass man dieses Geld auch sparen und für etwas Anderes ausgeben könne. Genau so machten wir es, am Ende stand ein Roller. Auf meine Frage hin meinte die Erzieherin, dass das weder nur Reife noch nur Anpassung sei, sondern eine Mischung. Und so fühlte es sich auch an.

Ich habe bei meiner Tochter in letzter Zeit oft das Gefühl, dass sie sich in eine vom Kopf bewertete Sache richtiggehend hineinsteigert und darauf beharrt, obwohl ihre Reaktion gar nicht unbedingt ihrem natürlichen Empfinden entspricht. Die Gefühle gelten eher der Bewertung. Wie beim Schulweg. Erster Impuls: neutral, interessanter Vorschlag, warum nicht? Dann Bewertung: noch nie gemacht, davor hatte ich Angst, also gilt das, also habe ich auch jetzt Panik. Bei der Windel: Nein, ich will meine Windel – ach so, ein Roller? Dann lieber den. Ich meine, wenn da starke Bedürfnisse aktiv wären, würde sie sich dann so leicht darauf einlassen?

Mir hat mal jemand gesagt, man könne auch eine zu gute Mutter sein. Das hat mich damals getroffen. In letzter Zeit frage ich mich, ob ich in den vorauseilenden Gehorsam eines Idealbildes zu viele Spielräume eröffne, die mir meine eigenen über das, was mir gut tut, beschneiden.

Ist es am Ende doch das alte Mantra? „Du musst nur klar sein!“ Dann gelingt auch die Eingewöhnung/das Trockenwerden/die Übernachtung bei Oma/das Einschlafen etc. pp.

 

Nein. Nein, nein, nein und nochmals nein. Immer gab es eine Grenze, die bedeutet hätte, das Kind zu brechen, wenn ich auf die viel beschworene Klarheit bestanden hätte. Zumal eine Klarheit bei mir auch nicht klar bleibt, wenn ich sehe, wie mein Kind darunter leidet. Da ist die Empathie dann doch wieder stärker. Aber kann man einem Kind mehr zumuten, nur weil eigene Grenzen erreicht sind? Bin ich nur egoistischer geworden? Und wenn ja, warum? Warum hat mich die Bereitschaft verlassen, mich voll auf das Kind auf die Selbstaufgabe einzulassen?

Ich habe so ein diffuses Gefühl: „Es reicht.“ Leider sage ich das auch viel zu oft. Jetzt bin ich mal dran.

Möglicherweise bin ich so lange über meine Grenzen gegangen, dass ich jetzt kaum noch etwas zugestehen kann? Aber was wäre die Alternative gewesen? Es gab keine, für mich ethisch vertretbare Alternative. Es wäre nicht zumutbar gewesen.

Aber wenn ich jetzt das Gefühl habe, es ist zumutbar, ist es das dann vielleicht auch?

Im Rückblick wird mir klar: Meine Kinder haben regrediert, die Große besonders. Und zwar nicht zu knapp. Kein Wunder, dass wir alle auf dem Zahnfleisch gehen. Egal, was ich gemacht habe, es konnte nicht richtig sein. Ich konnte es nicht richtig machen, und wenn ich mich noch so sehr bemüht habe. Nur: Dass wir derzeit nicht das Gefühl haben, es müsste uns doch eigentlich besser gehen, schließlich sind unsere Kinder 6 und 4!, das ist kein Wunder. Es war kein Pappenstiel.

Neulich Abend war ich endlich mal wieder beim Yoga. Ich kam energiegeladen an, fröhlich, frei und motiviert. Nach kurzer Zeit bekam ich Kopfschmerzen, die immer heftiger wurden, bis mir am Ende auch noch übel wurde. Ich würde mal sagen: Gutes Zeichen. Notautomatik ausgegangen. Dann zeigt der Körper, dass er eigentlich andere Bedürfnisse hat als das, was er gerade leistet. Der Urlaubs-Effekt aus der Vor-Kinder-Zeit: im Urlaub erst mal krank werden.

Ja, Urlaub von all dem wäre jetzt schön. Das Durchschnaufen hat allerdings leider nur einen Tag gehalten. Zurück zum Alltag der letzten Monate.

Und zurück bleibt auch der bittere Beigeschmack der Frage: Hätte dieser Alltag, der vielleicht nie zu Ende ist, weil er einfach das Leben oder unser Programm ist, der so sein soll, anders aussehen können, wenn ich nicht irgendwo falsch abgebogen wäre? Wenn ich nicht so unzulänglich wäre?

Vielleicht tauge ich als Mutter nur in Phasen, in denen es meinen Kindern richtig schlecht geht?

Anja

Danke Anja für deinen Artikel. Die Verzweiflung ist spürbar aber auch deine Liebe! Ich finde es toll, dass Du immer wieder neue Wege und Ansätze suchst und trotz allem eine tolle Mutter bist. Habt ihr noch Gedanken zu Anjas Text?

 

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8 Comments

  • Lisa
    24. Oktober 2018 at 21:40

    Ja, der Text ist irgendwie verschwommen, unklar, traumartig, ich spüre förmlich die Müdigkeit und die Unsicherheit… Mir scheint das Leben so kompliziert, warum zb kein besonders grosses Familienbett wenn die Kinder noch ängstlich sind und die Eltern brauchen, sondern nächtliches wandern in die Kinderzimmer, mehrmals. Da wäre ich auch am Ende. Muss es der Kindergarten am anderen Ende der Stadt sein, warum keine Schülergruppen welche den Schulweg gemeinsam bestreiten, Eltern die sich als Schülerlotsen abwechseln, warum überhaupt keine Unterstützung, vielleicht ein liebevolles Kindermädchen für persönliche Auszeiten… Kein Vorwurf meinerseits für solch gefühlvolle Eltern. Gossartig mit der abgeschlossenen Traumatherapie u ich bin mir sicher, die Kinder der Erzählerin werden so etwas nie benötigen. Danke für diesen Bericht.

  • ussemblage
    24. Oktober 2018 at 22:32

    ich bin sehr berührt! Zu Beginn hatte ich das Gefühl jemand schreibt unsere Geschichte auf, die Geschichte von Elternschaft die so nicht vorkommt im Gesellschaftsentwurf. Ein riesiges Dankeschön für diesen ehrlichen Text. Ich wünsche vor allem Auszeiten, keine Durchhaltekraft, sondern absolute Auszeiten. Alles Liebe, Ursula

  • Sophie (Kinderhaben.de)
    24. Oktober 2018 at 22:54

    Oh wow, krasser Beitrag. Ich kenne vieles davon, wenn auch vielleicht nicht so ganz extrem. Liebe Anja, schau gerne mal bei mir auf dem Blog vorbei. Da habe ich in der Vergangenheit auch oft darüber geschrieben, dass ich völlig am Limit und darüber hinaus war. Dann habe ich gemerkt, dass mein älteres Kind ein gefühlsstarkes Kind ist, also echt in vielerlei Hinsicht deutlich extremer als „normale“ Kinder. Und ich habe gemerkt, dass auch ich viele Eigenschaften habe, die ins gefühlsstarke bzw. hochsensible Spektrum einzuordnen sind. Seitdem ich das weiß, kann ich besser damit arbeiten. Ich verlinke dir mal den ersten Artikel zur Themenreihe: https://kinderhaben.de/mein-gefuehlsstarkes-kind-das-besondere-erkennen/

    Was ich gelernt habe, ist vor allem:
    – Meine Freiräume sind für mich überlebenswichtig! Ich bin eine schlechte Mutter, wenn ich quasi 24/7 nur für die Kinder da bin. Je mehr Zeit ich für mich selbst habe (Yoga, Badewanne, mal grundsätzlich was alleine machen), desto mehr kann ich die Mutter sein, die ich sein will (und die ich natürlicherweise bin). Meine Freiräume nehme ich mir also kategorisch! Die stehen im Kalender und da ist nix dran zu rütteln!
    – Mein gefühlsstarkes Kind verlangt nach Grenzen. Deswegen habe ich so einige Denkmuster aus dem Bereich der bedürfnisorientierten Erziehung hinterfragt. Heute sage ich: Bindungsorientiert – ja, immer! Bedürfnisorientiert? Ja, aber vor allem auch in Bezug darauf, dass Mama, Papa und alle weiteren Familienmitglieder auch Bedürfnisse haben. Grenzen kann man respektvoll, aber deutlich ziehen. Eine gute Mutter zu sein, bedeutet nicht, sich aufzuopfern und den Bedürfnissen der anderen unterzuordnen!

    Das jetzt erst mal in aller Kürze. Wenn du mehr Fragen hast, dann gerne über meinen Blog. Alles Gute!

  • Sophie (Kinderhaben.de)
    25. Oktober 2018 at 09:25

    Oh wow, krasser Beitrag. Ich kenne vieles davon, wenn auch vielleicht nicht so ganz extrem. Liebe Anja, schau gerne mal bei mir auf dem Blog vorbei. Da habe ich in der Vergangenheit auch oft darüber geschrieben, dass ich völlig am Limit und darüber hinaus war. Dann habe ich gemerkt, dass mein älteres Kind ein gefühlsstarkes Kind ist, also echt in vielerlei Hinsicht deutlich extremer als „normale“ Kinder. Und ich habe gemerkt, dass auch ich viele Eigenschaften habe, die ins gefühlsstarke bzw. hochsensible Spektrum einzuordnen sind. Seitdem ich das weiß, kann ich besser damit arbeiten. Ich verlinke dir mal den ersten Artikel zur Themenreihe: https://kinderhaben.de/mein-gefuehlsstarkes-kind-das-besondere-erkennen/

    Was ich gelernt habe, ist vor allem:
    – Meine Freiräume sind für mich überlebenswichtig! Ich bin eine schlechte Mutter, wenn ich quasi 24/7 nur für die Kinder da bin. Je mehr Zeit ich für mich selbst habe (Yoga, Badewanne, mal grundsätzlich was alleine machen), desto mehr kann ich die Mutter sein, die ich sein will. Meine Freiräume nehme ich mir also kategorisch! Die stehen im Kalender und da ist nix dran zu rütteln!
    – Mein gefühlsstarkes Kind verlangt nach Grenzen. Deswegen habe ich so einige Denkmuster aus dem Bereich der bedürfnisorientierten Erziehung hinterfragt. Heute sage ich: Bindungsorientiert – ja, immer! Bedürfnisorientiert? Ja, aber vor allem auch in Bezug darauf, dass Mama, Papa und alle weiteren Familienmitglieder auch Bedürfnisse haben. Grenzen kann man respektvoll, aber deutlich ziehen. Eine gute Mutter zu sein, bedeutet nicht, sich aufzuopfern und den Bedürfnissen der anderen unterzuordnen!

    Das jetzt erst mal in aller Kürze. Wenn du mehr Fragen hast, dann gerne über meinen Blog. Alles Gute!

  • Anja
    25. Oktober 2018 at 12:10

    Danke, Ihr Lieben, für Eure Gedanken.
    @Lisa: nur in Kürze: An Schlafszenarien haben wir wirklich schon alles gehabt. Im großen Familienbett schläft bei uns niemand mehr gut, alle treten sich. Aktuell Hochbett und Bett darunter war ein gereifter Kinder-Wunsch. Wir werden aber wieder zu 2 Familienbetten übergehen, je 1 Kind plus 1 Elter, das hatten wir schon mal 2014-2017. Haben gerade wieder zweites Ehebett gekauft. Kindergarten deshalb weiterhin dort, weil nach 3 gescheiterten Eingewöhnungen an anderen Orten mit krassen Folgen dort meine kleine Tochter angekommen ist (nach 1 Jahr Eingewöhnung). Den würde ich behalten selbst wenn ich nach Timbuktu zöge. Der Kindergarten ist wirklich beispiellos toll und noch mal von vorne eingewöhnen, dafür habe ich keine Kraft. wir haben uns insgesamt schon eine ideale Umgebung geschaffen. Schulweg mit anderen Kindern ohne einen von uns Eltern traut meine Große sich noch nicht. Wir ließen sie sofort gehen!

    @Sophie: Ich selbst bin HSP, meine Große auch. Die Kleine… Da bin ich noch unsicher. Auch sensibel, aber eher Richtung autonomes Kind evtl.
    Meine Bedürfnisse denen meiner Kinder unterzuordnen, ist ganz und gar nicht meine Zielvorstellung, auch nicht meine Definition von Bedürfnisorientierung. Ich weiß um die Notwendigkeit von Auszeiten und wie beschrieben hatte ich nur das auch schon erobert, bevor es erneut so anstrengend wurde.

    @Ursula: Danke ❤

    Liebe Grüße
    Anja

  • Maggie
    25. Oktober 2018 at 22:55

    Hallo,

    Ich finde Du bist sehr streng mit Dir selbst. Ich weiß ja nicht, was genau passiert wenn Du “Befehle erteilst” oder drohst, aber da gibt es ja auch Unterschiede. Ich finde zB zu sagen:”Wenn ihr euch so aufführt, dann müssen wir eben nach Hause gehen.” schon etwas völlig anderes als zB “Wenn Du jetzt nicht sofort ruhig bist, dann musst du dich in die Ecke stellen/setzt es was!” (oder ähnliches wie es vielleicht vom Vater kam). Bedürfnisorientiert ist ja schön und gut, aber wenn man selbst spürt dass man es so nicht aushält, kann man nach Lösungen suchen und ich denke wenn man dann deswegen vielleicht die Bedürfnisse der Kinder nicht zu 100 Prozent erfüllen kann (das wäre zB bei meinem Sohn “Mama ist rund um die Uhr bei mir und beschäftigt sich mit mir” und das ist für mich halt keine Option, da ich arbeiten möchte und auch ab und zu etwas anderes machen will) ist das kein Weltuntergang. Man hat ja selber auch Bedürfnisse. Und eine glückliche Mutter macht Kinder doch auch glücklicher als jemand kurz vorm Zusammenbruch. Ich denke man spürt sehr deutlich wo man zurück stecken kann, und was gar nicht geht. Wo die eigenen Bedürfnisse so grundlegend sind, dass da drum herum dann ein Kompromiss mit den Kindern gefunden werden muss. Und wenn man mal laut wird, so was kann doch passieren. Oder mal Grenzen setzt und zwar sehr klare Grenzen. Die Kinder scheinen doch gut drauf anzusprechen. Und fühlen sich nicht weniger geliebt. Man ist doch selbst nur ein Mensch. Lange Rede, kurzer Sinn: mein Rat wäre nicht so streng zu dir zu sein, nicht soviel Angst zu haben was falsch zu machen, dem Bauchgefühl vertrauen dass man selber auch Limits hat (was man ja spürt) und es ok ist diese durch zu setzen. Dadurch verschwindet vielleicht das Gefühl der Überforderung. Du machst es glaub ich eh gut. Du hast nur sehr hohe Ideale.

    Viel Glück!

  • Franzisca
    28. Oktober 2018 at 10:34

    Liebe Anja

    Ich möchte Dir einfach eine tröstende, warme Herz-Umarmung schicken!

    Ich erkenne mich in deinem Text stark wieder.

    Liebe Grüsse,
    Franzisca

  • Katja
    3. November 2018 at 22:40

    Ich habe deinen Text mit vielen vielen „ohje… kenn ich, ich weis genau wie sich das anfühlt“ gelesen.
    Wir haben uns vor ca. einem 3/4 Jahr das normale Bett rausgeworfen und uns ein Matratzenlager mit 2,90m gebaut.
    Nach einiger Eingewöhnung wurden unsere Nächte endlich, endlich besser!
    Heute schläft unser 6jähriger gut, wird meist nur noch 1-3x wach.😊💚
    Unsere 4jährige genießt den Schutz des Familienbettes ebenfalls in vollen Zügen.

    Wir sind schon oft etwas schräg angeschaut worden… aber Hey!!! WIR SCHLAFEN ENDLICH WIEDER!
    Nach Nächten, in denen wir über mehr als 5 Jahre von 40-Minuten-Takt bis später 6-10 mal wach waren ein Segen.
    Ein Segen für alle.
    Der Alltag ist oft mit besonderen Kindern schon schwer und kräftezehrend genug… uns hat es unheimlich viel geholfen.
    💚liche Grüße

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