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Elternleben

Über die Selbstliebe #Gastpost “die gute Kinderstube”

Selbstliebe

Wer bin ich? Kenne ich mich? Wie gut kann man sich eigentlich kennen? Was wurde mir beigebracht, wer ich sei?

Da fliegen sie die Gedanken. (Bild von Pixabay)
Ich reflektiere unheimlich gerne und kann mir nicht vorstellen, nicht an mir zu arbeiten und mich nicht zu entwickeln. Für mich ist es ein Teil meines Lebenssinns, neugierig zu sein und so viel wie möglich zu lernen. Menschen, Beziehungen, Kommunikation – all das hat mich schon immer sehr interessiert und womit wäre es wohl sinniger anzufangen als mit mir selbst?


Früher mochte ich nicht nicht besonders.

Mein Selbstwertgefühl ist nicht schlecht, würde ich sagen. Zumindest war es früher wesentlich schlechter. Denn wenn ich ehrlich bin: Ich mochte mich früher nicht besonders. Viel schlimmer war allerdings, dass ich mir schlicht nicht vorstellen konnte, von anderen wirklich gemocht oder gar geliebt zu werden. 
Das ging soweit, dass Freundinnen in Teenagertagen sauer auf mich waren, weil ich mit ihren Möchtegern-Typen geflirtet hätte und ich überhaupt nicht verstand, was die von mir wollten. Ich hatte doch nur mit denen geredet und wer Bitteschön sollte an MIR interessiert sein?
Tatsächlich war das naiv. Ich wurde von Freunden meiner Freundinnen angegraben, ziemlich plump. Nun ja, an MIR interessiert waren sie nicht wirklich. 

Die Beziehungen in meinem Leben prägten mich.

Meine erste richtige Beziehung hatte ich mit 17 und er sagte mir nach drei Monaten, ich sei nicht die Liebe seines Lebens. Das passte gut zu meinem Selbstbild. Ich bin nicht die Liebe jemandes Lebens. Ein Flirt, nett, aber eigentlich ja zu moppelig und irgendwie langweilig.
In der nächsten Beziehung spürte ich zumindest am Anfang die Verliebtheit und konnte das kaum glauben. Ich tat alles, um nicht verlassen zu werden, um das zu halten – und wurde wieder verlassen. Oder auch nicht, denn nach einem weiteren Jahr on-off-Beziehung, war es einfach für uns beide vorbei.
Meine dritte Beziehung fing wieder mit den üblichen Selbstzweifeln an, doch dieses Mal beschloss ich, dass ich gut so bin, wie ich bin und wenn er das nicht sieht, soll er gehen. Und was soll ich sagen: Er sah es. Vielleicht. Vorübergehend. Oder wir dachten es. Bis er es nicht mehr sah und ich ihn, gut vier Jahre später, verließ.
Trotzdem war diese Zeit für mich sehr prägend. Ich lernte mich selbst besser kennen und begann, mich wirklich zu zeigen. Denn vorher hatte ich mich immer verstellt, aus Angst verlassen zu werden. So paradox, denn genau das führte meiner Meinung zum Verlassen werden.

Mag ich mich heute?

Manchmal. An vielen Tagen. Nicht alles an mir. Vor allem mit meinem Körper hadere ich immer wieder, aber auch mit einigen Eigenschaften. Als Mutter habe ich mehr an mir gearbeitet als in den dreißig Jahren davor. Trotzdem bin ich an manchen Tagen sehr unzufrieden mit mir. Aber ich vergebe mir heute viel schneller und nehme mich selbst auch mal in den Arm. 
Denn eins, das steht für mich mittlerweile fest. Ich will meinen Kindern vorleben, dass ich mich selbst liebe. 

Was meine Kinder wissen sollen.

Wir werden alt und sterben irgendwann – egal, ob wir bis dahin liebevoll zu uns selbst waren oder uns gehasst haben. Kein Mensch wird uns am Ende auf die Schulter klopfen, weil wir besonders hart mit uns in die Kritik gegangen sind oder unseren Körper so richtig eklig fanden. 
Niemand wird uns bedauern, weil wir uns selbst unzulänglich, dumm, hässlich oder zu dick fanden. 
Wir wissen nicht, wie lange wir leben werden, aber wir haben ein Stück weit in der Hand WIE wir in der uns geschenkten Zeit leben. Denn für niemanden als uns selbst, unsere Lebensqualität, unser Glück, unsere Zufriedenheit macht es einen Unterschied, ob wir Krieg gegen uns selbst führen, oder uns voll Liebe uns Freude genießen.
Ich freue mich darauf, mich immer besser kennenzulernen und mich gleichzeitig immer weiter zu entwickeln. Ja, ich habe Fehler, ich mache Fehler. Aber ich bin auch sehr einfühlsam, ehrlich, loyal, liebevoll, interessiert, intelligent, hilfsbereit, schlagfertig und manchmal sogar witzig.

Und hey – wenn ich weiter so an mir arbeite haue ich euch alle in 20 Jahren um.
Danke Julia für diesen sehr persönlichen Text. Wer mehr von Julia lesen will, dem sei Ihr Blog sehr empfohlen.

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