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Elternleben Leben mit Kindern

Was fehlt ist Zeit – die Sache mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Was fehlt ist Zeit – die Sache mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

 Es ist mitten in der Woche um 22 Uhr als Konsti von seiner Arbeit nach Hause kommt und wir treffen uns im Bett. Ich gehe, in der Woche, an Abenden an denen er nicht daheim ist mit den Kindern ins Bett.

Es bringt nichts sich künstlich wachzuhalten, wenn K3 ab spätestens 1930 Uhr an meiner Brust hängt und den Mond anbrüllt. Das abendliche Veranstaltungen zu seinem Jobprofil gehören, wussten wir bereits und leben auch schon längere Zeit damit, aber wie anstrengend es sein kann drei Kinder allein ins Bett zu bringen, das war mir ehrlich gesagt nicht bewusst.

 

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Müdes Wir.

Wir erheben die Stimmen

Da stehen wir also wieder, zwei Monate nach der Geburt und reden miteinander über die Vereinbarkeit. Wir erheben die Stimmen und alles was wir sagen wollen ist doch einfach nur, dass wir uns mehr Zeit zusammen und auch allein wünschen. Immer wieder reden wir darüber, wie anders sich das nun
anfühlt, mit nunmehr drei Kindern und einer komplett neuen Lebenssituation die uns so nicht bekannt war.

Damals waren wir Studenten und alles war easy.

Bei K1 waren wir beide Studenten, wir hatten massig Zeit für das Kind und uns. Wir konnten jeden Nachmittag mit ihr gemeinsam verbringen und nahmen alle Arzttermine zusammen wahr. Wir hatten viele Freunde die gern bereit waren die große Tochter abzuholen, zu bespaßen und zu verwöhnen. Unsere Wohnungsschlüssel waren oftmals flügge in dieser Zeit.

Der Mann nahm die 12 Monate Elternzeit

Bei K2 entschieden wir uns wieder für das beste Modell für die gesamte Familie. Konsti nahm 12 Monate Elternzeit und ich trat eine 40 Std. Stelle an. Ich begann immer morgens um 6 Uhr zu arbeiten und so verbrachten wir die Nachmittage stets zusammen. Es war eine verdammt harte Zeit, aber die finanzielle Situation hätte es uns eben nicht erlaubt, das ich reduziere, oder wir beide in Elternzeit gingen. Wenige unserer Freunde hatten Zeit für beide Kinder, holten sie gemeinsam ab und planten Unternehmungen. Die Kinder fanden jedoch mehr und mehr sozialen Anschluss, der es uns Eltern auch mal ermöglichte gemeinsame Zeit zu planen.

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Wir backen kleine Brötchen.

Alles auf Anfang mit einem Baby

Nun stehen wir wieder am Anfang. Vor der Elternzeit von K3 haben wir Beide in Vollzeit in Berufen gearbeitet die immer wieder Reisen, Abendveranstaltungen usw. von uns forderten. Im Schnitt war (und ist) Konsti nun mindestens zwei Abende die Woche unterwegs für den Job und ist meist auch noch am
Wochenende gefragt. Freunde, die die Kinder abholen und bespaßen könnten, haben wir nicht mehr. Die meisten Freunde sind einfach inzwischen selbst berufstätig, oder haben Familie. Die sozialen Kontakte der beiden Kinder laufen inzwischen getrennt. Es gibt also auch da immer zwei Orte wo sie dann abgeholt werden müssen. Das Baby hat nur uns als soziale Kontakte, die meisten unserer Freunde
kennen unser drittes Kind noch nicht mal persönlich, weil einfach die Zeit dafür fehlt.

Ist Familienarbeitszeit die Lösung?

Ich sitze also hier und denke über das wieder von Frau Schwesig stark unterstützte Modell der Familienarbeitszeit nach. Ich finde das Modell recht reizvoll das Vater und Mutter in Teilzeit gehen, finde jedoch die mindestens 28 Stunden wirklich viel, denn bei (drei) Kindern muss auch die Logistik für drei Kinder gemanagt werden (im schlimmsten Fall drei verschiedene Betreuungsorte) und die maximal 300 Euro ersetzen eben nicht im Ansatz den Ausfall der Familien dadurch entstehen würde wenn sie sich für diesen Weg entscheiden. Ich denke darüber nach, wie das alles noch werden wird nun
mit drei Kindern und der gemeinsamen Zeit. Dieses ist nämlich irgendwie verdammt knapp, egal in welchem Modell. Eigentlich wünsche ich mir eben doch den Lottogewinn und somit eine entspannte Zeit mit allen Familienmitgliedern. Ich wünsche mir ein ganzes Dorf, das mir hilft drei Kinder von A nach B und zurück zu befördern, zu führen und groß zu bekommen.

Ich wünsche mir einen Lottogewinn

Wir stehen wieder am Anfang, wir müssen uns neu ordnen und organisieren. Wir werden viele Kämpfe ausfechten müssen, innerhalb der Familie, um allen Wünschen und den finanziellen Ansprüchen (Miete, Essen, Schulausflüge und Reisen der Kinder) gerecht zu werden. Ich weiß wir stehen damit nicht allein, es gibt so viele Familien die alle Schwierigkeiten haben alles unter den berühmten Hut zu bringen. Familien, Allein – und getrennt Erziehende für die Vereinbarkeit eben doch viel zu oft reine Logistik bedeutet.  Ich wünsche mir für unsere gemeinsame Familienzeit neue Lösungen für alle Familienkonstellationen in diesem Land, denn immer wenn ich das Wort ZEIT in so
einen Artikel schreibe muss ich unweigerlich an die grauen Herren und Momo (Affilink) denken und dann wird mir innen drin ein bisschen übel und ich möchte gleich einen Protestmarsch vor das BMFSJF organisieren. Alu
Zum Thema Vereinbarkeit ist auch gerade ein Ebook mit vielen tollen Beiträgen von Felicitas Richter und vielen bekannten BloggerInnen erschienen, welches ihr HIER runterladen könnt.

Zeit mit den Kindern

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7 Comments

  • Katharina Lorber
    18. Oktober 2016 at 07:58

    Ich kann dich total verstehen. Ist bei uns ähnlich und an manchen Tagen breche ich einfach innerlich uns äußerlich zusammen.meine Strategie ist, mir Inseln mit mir, mit Freunden, den Kindern und natürlich meinem Mann zu schaffen. Die kleinen Dinge zu sehen und vieles zu übersehen. Und vor anderen klar zu stellen,dass nur weil ich noch für drei Kinder entschieden habe, die Last nicht bei mir alleine bzw. Auf meiner Familie liegen darf.

  • Anonym
    18. Oktober 2016 at 17:50

    Ach mensch…immer wieder ein dilema. und hut ab wie du das schaffst…ich kann da als einkindmutter nicht mitreden und habe größten respekt…wir arbeiten beide bewusst teilzeit, müssen finanziell ganz schön haushalten aber haben ausreichend zeit für uns. aber das ist ja leider nicht immer möglich…ich drück dir auf jeden fall ganz fest die daumen für den lottogewinn. ;)lg carola

  • Lotti
    19. Oktober 2016 at 06:15

    Hi, wir haben auch seit Mai ein drittes Kind. Bei uns ist im ersten Jahr immer ein Elternteil Vollzeit zu Hause, so dass es eigentlich ganz luxuriös ist (vor allem keine Auseinandersetzungen wer bei krankem Kind sich bei der Arbeit abmeldet). Aber es gibt auch viele Abende und Wochenende, wo der Vater Dienst hat. Die Routine mit 3 Kindern alleine wird immer besser. Bei euch bestimmt auch bald. Aber wie das wird, wenn wir beide wieder arbeiten (Vollzeit? Geht das überhaupt? Und was ist mit den Schulferien???), weiß ich auch noch nicht…Wohl dem der Großeltern in der Nähe hat, die ersten mal gerne einspringen, zweitens das auch können (schon in Rente, aber noch nicht zu alt….)

  • Suse{Ich lebe! Jetzt!}
    19. Oktober 2016 at 09:11

    Danke.Ich glaube, wir müssen die Gesellschaft einmal umkremüeln, Lebensarbeitszeit, bedingungsloses Grundeinkommen- ich glaube das würde Wirtschaft, gesellschaft und Familien entspannen.Aber dafür müßte man den Fokus an sich ändern: weg vom Konsum, hin zum Leben.Leider habe cih auch kein Patentrezept. Würde das gerne mal im größeren Rahmen diskutieren…Ich wünsche Euch beiden viel Kraft den richtigen Weg für Eure Familie zu finden. Zum Glück trägt Liebe auch Durststrecken.Liebe GrüßeSuse

  • Felicitas Richter
    19. Oktober 2016 at 09:24

    Was für ein persönlicher und ehrlicher Artikel! Ich kann mich sehr gut an diese anstrengende Zeit erinnern. Aber ihr seid im Gespräch und sucht immer, wie es (noch besser) gehen kann. Super! Ich wünsche euch viel Kraft und Momente der Ruhe und des Friedens!

  • Arbeit und Familie - Ich will die Kinder, den Job und diese Frau.
    17. Oktober 2017 at 06:34

    […] dennoch stehe ich in den letzten Wochen vor einem Dilemma. Meine 40 Wochenarbeitsstunden kollidieren mit meinen Pflichten als gleichberechtigter Vater, dessen … Die Toleranz der Menschen in meinem Umfeld ist vorhanden auch die Bereitschaft sich einzufühlen, […]

  • Wie groß sind die Kinder plötzlich sind, allein mit drei Kindern
    1. Mai 2018 at 06:10

    […] Was fehlt ist Zeit – die Sache mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie […]

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