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Kindergartenkind

Wie das ist, Freelancer und Vater sein #Vereinbarkeit

Freelancer und Vater sein. Wie das gehen soll. Was man dazu sagen
könnte.

Noch immer, nach alledem. Fragt Konstantin. Vieles, ja
geradezu alles wurde geschrieben in einem Artikel über einen
sympathischen jungen Vater dreier entzückender Kinder, der zufällig
als Journalist in Berlin arbeitet – hier.
Vater und Sohn.

Alles gelogen natürlich, totaler Quark.

Freelancer und Vater sein, das bedeutet in der Regel, sich in
einem Wortorbit mit „flexibel sein“ zu bewegen. Ein Zauberwort,
das stets und dauernd fällt zwischen Moabit (netter Teil) und
Friedrichshain, zwischen Nord-Prenzlauer Berg und Kreuzkölln, wenn
es darum geht, wie man es mit der Kinderbetreuung hält. Zwei
Insgeheimverständnisse verbergen sich dahinter. Erstens: Wer
flexibel ist, kann jederzeit alles stehen und liegen lassen, um zur
öffentlichen Verantwortung/Erziehung/Rettung der Kleinen zu eilen.
Klar. Nur weil mein Text bis morgen fertig sein muss, kann ich heute
locker noch zum Elternabend, den Kuchen fürs Hortfest backen und
zwei der drei Gewächse aus den Umlandgemeinden abholen, in die sie
nach der Schule zum Spielen verbracht wurden (vermutlich
von flexiblen Elternteilen). Zweitens: Wer flexibel ist, der hat eine
Arbeit, die nicht so wichtig ist, mag das aber nicht so gern sagen
(oder hören). Mal ehrlich: Sonst wäre er (oder sie) ja nicht
flexibel. Arbeit zum Gelderwerb findet auch 2014 und auch in Berlin
nicht auf Inseln seliger Isolation statt, sondern im Verbund mit
anderen Menschen. Und die haben Ansprüche, sonst knallt’s. 
Was auch
in Ordnung ist. Wer aber arbeitet, ohne Ansprüchen genügen zu
müssen, hat ein Hobby und keine Arbeit.
Hinter diesem Wort: flexibel, an dem wir diesen Eintrag hier mal
festmachen, verbirgt sich manchmal auch die leise Trotzhaltung, dass
man dafür ja ganz viel Zeit für die Kinder habe. Klar.
Ganz dolle viel. Die Gewächse sehen den Herrn Papa nachmittags ab
fünf am Wohnzimmertisch verzweifelt in die Tasten hauen (im
Arbeitszimmer ist es zu heiß/zu unordentlich/dort klopfen sie ja eh
immer an die Tür), während sie sich einen verdammten Saft nach dem
anderen aus der offenen Küche holen und mit Rollerblades übers
Parkett ballern. (Obwohl das erstens durch Herrn Papa verboten ist und es zweitens
nicht ohne Grund einen Kindertrakt gibt, wohin sie sich gefälligst
zu trollen haben.) Dem Vater bleibt das Gefühl, weder den Kindern
noch der Arbeit gerecht zu werden, und die Kinder werden noch in
dreißig Jahren von der ungesund blauen Gesichtsfarbe sprechen, die
der Alte immer hatte. (Vom Schein des Bildschirms. Dies eine
Erklärung für alle unter 40-Jährige. Es war nicht schon immer
normal, die Visage ständig in einen Screen zu halten.)

Was aber ist denn nun spezifisch an der Situation des Freelancers
und Vaters? 

Das war ja die Frage. Hört sich das hier irgendwie
anders an als die Situation der Freelancerin und Mutter, deren Männe die Kohle herbeischafft und abends schlaff aufs Sofa rutscht? Klar doch.
Wenn die Erfolgsgattin nämlich gegen acht vom Kohle herbeischaffen nach Hause kommt, legt sie
nicht die Füße auf den Tisch und lässt sich ein Bier bringen.
Sowas machen moderne Frauen nicht mehr. Die erwarten auch kein
dampfendes Menü aufm Tisch. Und komm mir bloß nicht mit Sex!
Moderne Frauen gehen mal eben noch eine Wäsche einlegen und
organisieren den Familienkalender der kommenden dreizehn Wochen.
Abarbeiten darf den dann der Ehemann. Wenn er nicht wieder alles
vergisst, der kleine Trottel. Und das, meine Lieben, ist die
spezifische Lage des Freelancers und Vaters.
Jost Burger

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