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Kindergartenkind

Wie lange bleibe ich noch zu Hause, Mama? #Coronatagebuch

Irgendwann dieser Tage erreichte ich einen Zustand der völligen inneren Aufgabe. Na und, dachte ich plötzlich. Dann bleiben die Kinder eben bis August noch zu Hause. Was soll sein? Wir werden uns hier schon arrangieren allesamt und es macht mir auch gar nichts mehr aus, dass die Kinder jeden Tag wie ein Wirbelsturm durch das Haus fegen und am Abend selten vor 22 Uhr Ruhe ist.

Ich werde ab jetzt einfach jeden Tag nehmen wie er kommt und alles nur noch auf mich zukommen lassen. Carpe Diem mal anders, nämlich im Rhythmus der Kinder.

In dieser Stimmung begann ich täglich mit dem kleinsten Kind zu basteln. Keine riesigen und aufwendigen Dinge, aber immer etwas kleines und schönes fürs Gemüt. Wir stellten schon Salzteiganhänger mit Blumen her, bemalten Vogelhäuser, strichen den Zaun und bastelten in einem Anfall von völliger Selbstaufgabe aus alten Klopapierrollen Vogelfutterrollen für unseren Garten.

Bastelmutti_Corona_grossekoepfe

Klopapier und Erdnussbutter

Bastelmutti_Corona_grossekoepfe

Sechskornmischung und Rosinen und Kordel

Bastelmutti_Corona_grossekoepfe

Der Garten unserer Singvögel.

Das kleinste Kind war jedes Mal begeistert. Sie malte und gestaltete jede Aktion ganze fünf Minuten interessiert mit und freute sich beim Aushärten, Aufhängen oder Verschenken über ihre großartigen Basteleien.

Diese kleine Ritual mit dem Kind ist wirklich schön. All das macht etwas mit ihr und mit mir, diese intensive Zeit. Fast wie Elternzeit, nur ohne Ruhe.

Gleichzeitig zeigt mir ihr Drang nach Wissen, Basteleien und dem Austausch mit den Nachbarn (die bekommen nämlich oftmals die gebastelten Dinge) aber auch, wie sehr sie sich nach anderen sozialen Kontakten sehnt. Sie vermisst ihre Freundinnen und ihre Erzieherinnen des Kindergartens. Sie vermisst die kleinen Gartengefährte und die Rutsche auf dem Hügel. Ihr fehlt der Bastelraum und die Leseecke.

An einigen Tagen spricht sie auch davon. Sie fragt dann nach Liedern, die ich nicht singen kann, oder Büchern die wir nicht zur Hand haben. Sie fragt nach dem grünen Roller oder der kleinen Puppe mit dem Wollanzug. Sie möchte wissen warum Corona bei ihren Freunden ist oder wann die Kita wieder öffnet.

Kindergartenkind_Corona

So sehr wir/ich auch versuchen ihr eine schöne Zeit zu gestalten, so sehr merke ich auch, wie wichtig und nötig der jeweilige einzelne Kosmos ist. Sicher, dieses Kind könnte auch Kindergarten frei aufwachsen, aber so kennt sie es nicht. Sie kennt und schätzt ihre Routinen und ihre bekannten Pfade und es tut mir weh, dass wir ihr all das gerade nicht geben können. Gerade ihr, die sie sich nach unserem Umzug im Herbst so sehr nach Anschluss und nach einer festen neuen Umgebung gesehnt hat, wird all das gerade total entzogen. Es gibt kein Online-Morgenkreis oder keine Spielgruppe mit anderen Kleinkindern, es gibt nur sie und den Rest ihrer Familie.

Da hilft dann auch mein persönliches Bastelmuttigen nichts. Und wenn dann bald ihre Geschwister, für zwei Stunden am Tag, wieder in die Schule gehen, dann wird es umso schwerer sein ihr glaubhaft zu erklären, dass sie noch keinerlei Wiedersehen erwarten kann und das wir dann hier bleiben, noch weitere zehn Wochen.

Ich frage mich wirklich, was wird sie versäumen? Wie wird es ihr nach Corona gehen? Werden wir eine neue Eingewöhnung mit ihr machen dürfen/müssen? Werden ihre Freundschaften überhaupt noch existent sein?

Alu

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3 Comments

  • Sabrina Barbara
    14. Mai 2020 at 20:28

    Liebe Alu,
    mir gehts ähnlich. der große hätte derzeit allerlei Vorschulaction zu erleben und man merkt, dass ich seinen großen Wissensdurst und Tatendrang mit seinen Kumpels niemals stillen kann. und der 4jährige hatte sich gerade so gut im Kindergarten eingelebt…es bricht mir das herz….

  • Viermalmeins
    19. Mai 2020 at 09:31

    Hallo Alu, ich kenne mich null mit Vögeln aus (1 Euro für die Kalauer-Kasse 😂), habe aber selbst aktuell ein Vogelhäuschen im Garten mit einer Familie drin. Und deshalb letztens aufmerksam per Zufall gelesen: Man soll bitte komplett auf fettiges Körner-Nüsse-wasweißich-Futter verzichten im Frühjahr. Die Eltern füttern ihre Brut damit und die verrecken jämmerlich, weil sie das (noch) nicht verdauen können. Normal essen die aktuell halt Insekten usw. Also Klopapierrolle leider doof.

  • Alu und Konsti
    19. Mai 2020 at 11:00

    Mhnm, ich habe was anderes gelesen, nämlich das Singvögel hier gerade Unterstützung benötigen, weil es so wenig Insekten gibt. Es handelt sich dabei übrigens nur um reine Körner

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