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Gastpost SIE: Wenn aus Eltern Großeltern werden

Heute haben wir einen Gastbeitrag von einer anonymen Leserin:


Hören Großeltern auf Eltern zu sein?

Mein Kind ist nun seit 18 Monaten auf der Welt. In diesen Monaten habe ich so wenig wie noch nie mit meinem Vater gesprochen. Nein, wir haben uns nicht gestritten. Nein, wir sehen uns sogar recht häufig- beinahe jede Woche. Und trotzdem hat er seit der Geburt seines Enkelkindes kaum mehr ein Wort an mich gerichtet. Es geht sogar so weit, dass er seine Begrüßung mit den Worten “Erst die wichtigen Menschen” einleitet und sich direkt ans Kind wendet. Seine Tochter lässt er stehen.

Nun könnte man meinen, dass er ein spezieller Fall ist, und er ist weiß Gott sehr speziell. Doch trotzdem ist der Grundzug seines Verhaltens ähnlich dem meiner Schwiegereltern- den anderen Großeltern in der Familie. Ich bekomme Nachrichten, dass sie mal wieder vorbei kommen wollen, “denn sie vermissen das Kind” oder wollen einfach mal knuddeln. Auf die Rückfrage: Mich? kommt nur immer “Nee, dat Kind”. Ach ja, danke. Das witzige an dieser Konstellation ist, dass diese Seite Großeltern vorher sehr abwesend in unserem Leben war. Vor Geburt des Kindes waren sie kaum zu sehen, zu hören und selbst recht passiv, was den Kontakt angeht. Nun ist da aber diese kleine Wesen und schon kommt nach wenigen Tagen Fotoabstinenz Nachrichten, ob denn alles OK sei? Ja, warum denn nicht? Nur, weil ich seit zwei Tagen kein Foto eines schlafenden, essenden, lachenden Kindes geschickt habe?

Wenn ich das so schreibe, werde ich richtig traurig. 

Denn eigentlich bin ich die Tochter, die zur Mutter wurde und damit ihre Eltern verlor. Oder eben der Sohn, dessen Eltern mit der Geburt des Enkelkindes auf der Strecke blieben. Nun sind wir hier- zwei Eltern mit engagierten Großeltern, die ungefragt vor der Tür stehen und dem Kind jeden Wunsch von den Augen ablesen. Selbst wenn es schläft. Das ist auch ihre Aufgabe! Aber ist es nicht auch ihre Aufgabe, weiterhin für ihre Kinder dazu sein? Kann man das verlernen? Ich sitze mit meinem Vater gemeinsam am Tisch und alles, worüber wir sprechen können, ist das Kind. Frage ich nach seinem Job, meinen Großeltern oder anderes, kommen knappe Antworten und direkt im Anschluss Fragen über sein Enkelkind. Es wird beobachtet, kommentiert, gespielt und gekuschelt.

Foto:Aluberlin

Ich wurde in den vergangenen 18 Monaten befördert, habe neue Projekte angefangen und andere wichtige Projekte abgeschlossen. Früher hätte sich mein Vater damit vor anderen gebrüstet (ja, so ist er). Letzte Woche hat er mich im Nebensatz gefragt “Ach, du wurdest befördert?”. Würde ich meine Schwiegereltern fragen, was ich jetzt beruflich mache, würde ich sie in eine peinliche Situation bringen und das Schweigen zwischen uns verstärken. Würde ich alle Beteiligten nach dem Lieblingsessen des Kindes, der aktuellen Windelgröße oder dem Lieblingsplüschtier fragen, wüssten alle die Antwort inklusive netter Anekdoten. Ein Gespräch würde entstehen.

Vielleicht ist meine Sichtweise überspitzt. Sicherlich ist mein Blick getrübt. 

Doch trotzdem wurmt es mich. Es wurmt mich, zu sehen, dass wir auf der Strecke bleiben. Und doch kann ich es nicht pauschalisieren. Denn es gibt einen Familienteil, den ich bisher nicht erwähnte: meine Mama. Denn ja, sie ist noch meine Mama und zeigt es mir auch. Sie nimmt mich in den Arm, hört mir zu und REDET mit MIR. Sie fragt, wie es mir geht und geht einfach mal mit dem Kind auf den Spielplatz, dass ich schlafen kann. Sie bringt nicht nur dem Kind etwas mit sondern hat auch immer Blumen für mich dabei. Jede Woche.

ENDE
Danke für den schönen Artikel liebe Frau Anonym. Wenn Ihr Lust habt einen Gastartikel zu schreiben, dann schreibt uns gern eine E-Mail.

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3 Comments

  • Sari
    27. August 2015 at 07:23

    Irgendwie komisch, dass alle doch diese Situation irgendwie kennen, oder? Man steht erst einmal eine ganze Weile daneben, bis man registriert und dann auch begrüßt wird… nun ja…so ändert sich alles…

  • 2KindChaos
    29. August 2015 at 06:41

    Oh ja das kenn ich sooo gut! Bei mir sind es die "Schwiegereltern" (nicht verheiratet) – das geht auch so weit dass sie mich bei der Begrüßung völlig ignorieren und total geflashed mit duzi duzi auf das Kind (jetzt: die Kinder) zulaufen und ich krieg dann nach zehn Minuten ohne Augenkontakt ein Hallo hingeknallt. Wenn sie mich (!) etwas fragen wird sich gleich weggedreht sobald das Kind nur Luft holt (Hui wie spannend) und mein Satz verebbt im Nichts. Irgendwann hab ich es mal angesprochen da waren sie nur beleidigt, ich muss das doch verstehen wenn sie ihr Enkelkind halt so wenig sehen dürfen. Echt jetzt mal 😉 Und bei Telefonaten (die ich mittlerweile nicht mehr führen will) ging es auch nur darum was ihr Sohn alles macht und vor allem was die Kinder machen, basteln, malen, spielen, ich bin nur noch die Auskunftsgeberin und allerhöchstens dann interessant wenn ich schwanger die Entwicklung des Fötus gefährden könnte oder welche Entscheidungen im Kindesleben getroffen werden. Ich denk schon dass man daran sehen kann wie wichtig man wirklich für manche Menschen ist, denn meine Eltern interessieren sich auch noch für mich auch wenn sie auf die Kinder abgehen 😉

    Liebe Grüße, Frida

  • Steffi W.
    29. August 2015 at 20:01

    Bei mir ist es noch nicht mal mehr die Mama…

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