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Leben mit Kindern Wochenkind

Und die Welt dreht sich einfach weiter. Scheiße. #Gastpost

Heute haben wir mal wieder einen anonymen Post auf dem Blog von einer guten Freundin. Haltet Eure Taschentücher bereit und drückt Eure Lieben.


Und die Welt dreht sich einfach weiter. Scheiße.

Es gibt diese Tage, an denen gibst du deinen Lieben einen Kuss, wünscht ihnen einen schönen Tag, winkst ihnen nach und wirfst Handküsse, bis sie aus dem Sichtfeld sind. Es gibt Tage, an denen rufst du ein flüchtiges Tschüss in den Flur und eilst aus der Tür. Es gibt Tage, an denen gibst du deinem Mann keinen Abschiedskuss, weil du böse mit ihm bist, und gehst. Und dann gibt es diesen einen Tag, an dem Abends nichts mehr ist, wie es morgens war. An denen jemand nicht mehr heim kommt- nie wieder. Nie wieder wird er durch die Tür kommen, so sehr du dir das auch wünschst. So war es im Lebensplan nicht vorgesehen. Doch große Pläne laufen selten glatt. Irgendwas geht schief- und dann ist es vorbei. Aus Leichtsinn, schnell und planlos.

Diese Worte geistern mir seit Tagen durch den Kopf, mit all seinen Konsequenzen. Der Konsequenz, dass jemand die Liebe seines Lebens verloren hat. Dass Kinder ihren Vater verloren haben, eine Mutter ihren Sohn, Freunde ihre bessere Hälfte, Nachbarn einen von ihnen. Das alles wegen einer Leichtsinnigkeit, einer fixen Idee, die eigentlich alltäglich ist. “Ich geh nur mal eben Schwimmen und melde mich dann wieder”. Und von da an ist Funkstille.
Diese Worte geistern mir durch den Kopf, als ich die Frau, die sich gerad von ihrem Mann verabschieden musste, auf dem Heimweg beobachte. Sie musste entscheiden, dass er nicht mehr leben darf. Denn ihn ihm war nicht mehr der, den sie mal kannte. Sie hat schwer zu tragen, die Ereignisse der letzten Tage haben sie schon gezeichnet. Doch der schwerste Gang steht ihr gerad bevor. Ich stehe am Fenster und beobachte sie. Ihre Söhne stürmen auf sie zu und freuen sich. Sie laufen durch den Garten, spielen mit dem Ball. Sie beobachtet ihre Kinder, die wohl ein letztes Mal unbeschwert spielen, ein letztes Mal ohne Sorgen. Dann wird ihre Mutter ihnen sagen, dass ihr Vater nie wieder kommen wird. Er hat sich eines Morgens verabschiedet- wie auch immer- und kommt nicht mehr wieder.
Tage an denen die Welt stillsteht.

Es gibt diese Tage, an denen bleibt die Welt kurz stehen, wird einmal durchgeschüttelt und dreht sich dann einfach weiter. Ob man will oder nicht. Ich würde am liebsten laut “Halt” rufen, “Scheiße” schreien und mich heulend auf den Boden werfen. Doch was ändert es? Die Welt dreht sich weiter, das Leben muss weiter gehen und sei es nur für die Kinder, die ja nicht meine sind. Und trotzdem fühlt es sich so an. Denn ich habe Familie, wie sie. Ich liebe meinen Mann, wie sie. Ich möchte, dass alles ewig so gut weiter geht. Wie sie es wahrscheinlich auch wollte. Und doch können wir es nicht beeinflussen. Ein Grund mehr, laut zu brüllen und sich zu wehren. Vergeblich. Uns bleibt nur, den Moment zu leben, alles in uns aufzusaugen und zu genießen. Um Kraft zu haben, wie sie.

ENDE
Danke für den wichtigen Text, der uns an unsere Lieben erinnert. Ihr habt auch Lust mal was zu schreiben, dann meldet Euch bei uns grossekoepfe@gmail.com

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2 Comments

  • Eni
    15. September 2015 at 18:49

    Wow – ein sehr tiefsinniger Beitrag. Eigentlich kann man nur nicken, chancenlos, sich ergeben. Denn so ist es wohl, das Leben. Wir kleinen Lichter sind Marionetten von – äh, von wem eigentlich? Wer nimmt sich das Recht raus, Familien auseinander zu reißen, sie zu trennen, sie unglücklich zu machen und sie zurück zu lassen?

    Eni, die manchmal erdrückt wird vom Leben

    http://www.thirty-ehrlich.de

  • meretine
    16. Januar 2016 at 21:01

    Ich habe erst vor wenigen Tagen darüber geschrieben wie meine Welt Stillstand und eierte. Hier: https://chaosqueenlein.wordpress.com/2016/01/08/nur-eine-nacht/Es hat mich so viel dankbarer werden lassen auch für Kleinigkeiten

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