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Ihre Sicht Schulkind

Ich sehe mein “großkleines” Kind an und mache ein Foto mit meinem Herzen.

Ich mache ein Foto mit meinem Herzen

Ich sehe mein großes Kind an. Es wird nun bald acht Jahre alt
sein. Acht Jahre die so schnell vergangen sind, ich bin immer noch erstaunt. Als
ich 19 Jahre alt war, bin ich davon ausgegangen, dass dies das Jahr meines
Lebens wird. Es war ein verdammt gutes Jahr in meiner Erinnerung, aber im
Vergleich zu den letzten acht Jahren nur ein Staubkorn.
Acht Jahre sind nur ein Staubkorn


Braucht sie mich wirklich noch?

8 Jahre und jeden Tag
wächst sie mehr. Längst braucht sie mich in vielen Momenten nicht mehr
wirklich. Sie formuliert klar ihre Wünsche und Ideen. Sie organisiert sich
Verabredungen und schafft sich eigene Welten. Zu Papas Geburtstag sang und
tanzte sie unlängst durch das Wohnzimmer und ich habe mich gefragt wie lange
sie diese Unbedarftheit noch behalten wird, diesen Moment der Kindheit der aus
ihr strahlt wenn sie durch das Wohnzimmer hüpft. 
Im letzten Jahr hat sie auf
einer Tagung bereits ihren ersten eigenen Vortrag gehalten, über Kunst. Ich
musste fast weinen. Da stand mein kleines Mädchen und sprach mit 30 Erwachsenen
über Kunst und das Kunst alles sein kann, auch dieser Stuhl und ich wäre fast
von dem selbigen gekippt.


Sie wird groß

Welche Wege und Schritte werde ich von
Ihr noch begleiten dürfen, wenn sie erst 14 Jahre alt ist? Wird sie sich
schminken, wird sie ihre kleine Zickigkeiten zu Großen werden lassen? Wie
werden wir umgehen lernen mit dem #Pubertier? Manchmal, da gibt sie mir schon
einen kleinen Vorgeschmack wenn sie mich „nervige Doofmama“ nennt, sich drei
Minuten später meine Ohrringe leiht und sich an mich kuschelt. Wird sie mich
noch gerne zu meiner Arbeit begleiten wollen, oder eher genervt sein von der
Mutter die auf so vielen Hochzeiten tanzt? Wird sie weiterhin so zart bleiben,
immer ein wenig blass? Wird sie weiterhin so viel mit mir reden? Sie ist stark,
es werden harte Mutter-Tochter-Jahre werden. 
Wie wird sie mit 16 Jahren sein?
Werde ich auch eine Bushaltestelle, wie MamaMia brauchen um die Jungs, oder
Mädchen, von ihr fernzuhalten? Wird sie die ganze Zeit am Handy hängen und ihren
Freundinnen von ihren doofen Eltern erzählen? Wird sie ihre Liebe zur Kunst
weiterentwickelt haben, oder ihre Liebe zur Geige? Werden wir viele dieser „So
war das damals bei mir.“ Gespräche führen, oder wird sie gar nicht fragen nach
damals?
Mit 18 Jahren wird sie rechtlich erwachsen sein, aber wie
wird sie sein? Wird sie noch zur Schule gehen? Oder einen Beruf erlernen? Wird
sie weiterhin ihre Liebe zu Menschen behalten haben die sie so auszeichnet?
Wird sie auch glauben, dass 19 das beste Jahr ihres Lebens sein wird? Wann wird
sie ausziehen und mich zurücklassen mit all meiner Liebe zu ihr? 
Mit 33 wird
sie so alt sein wie ich jetzt. Vielleicht ist dann längst selbst Mutter und ich
kann mich als Oma völlig neu erfinden? Werden wir ein gutes Verhältnis haben
und regelmäßig telefonieren?
Ich frage mich:

 Werde ich noch da sein um sie zu begleiten?

Meine Angst davor, dass einem der Kinder etwas passieren
könnte ist jeden Tag da. Ich möchte sie wachsen sehen. Ich möchte ihnen dabei
zusehen können, wie sie groß werden und mich überholen. Ich möchte meine Kinder
begleiten durch das Leben. Ich möchte ihnen eines Tages mit runzligen Händen
über ihre Gesichter streicheln können und in dem Gesicht meiner Tochter das “kleingroße” Mädchen erkennen das sie im Moment für mich ist.
Mein kleines Mädchen wird groß, ich mache ein Foto mit meinem Herzen.
Alu

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6 Comments

  • Katarina
    5. Mai 2015 at 06:27

    Schnief.
    Ich verstehe deine Gedanken.

  • Mama³
    5. Mai 2015 at 07:23

    JEtzt habe ich dreimal ganz tief Luft geholt um nicht loszuheulen…
    so schön und wahr geschrieben. Geht mir fast jeden Tag genauso und auch das mit der Angst ist ein großes Thema in meinem Alltag.

    Versuche immer viele Fotos in meinem Herzen zu machen und hoffe, der Speicher ist nicht zu schnell voll .

    Liebe Grüße
    Stephi

  • emmaundlukas
    5. Mai 2015 at 11:36

    Hallo,
    sehr schön geschrieben. Ich denke oft genauso und bewundere die Entwicklung meiner Kinder.

    Liebe Grüße, Heike

  • Steffi W.
    6. Mai 2015 at 08:38

    Da sitz ich hier im Wartezimmer des Arztes,der mich durch die Schwangerschaft mit meinem Mädchen begleitet hat und habe Tränen in den Augen…mein Mädchen ist noch klein,aber gaaanz langsam löst sie sich. Zum Glück braucht sie mich danach aber wieder ganz viel. Wie wird sie wohl mal sein?

  • Wundertütentag
    6. Mai 2015 at 12:10

    Wunderbar geschrieben!!! Und ganz besonders toll: Dass Du nicht automatisch davon ausgehst, dass es die Jungs sein werden, an denen Deine Tochter interresiert sein könnte, sondern dass es auch Mädchen sein könnten.
    Das hat mir in MamaMias ansonsten auch sehr schönem Text gefehlt.

  • Anonym
    6. Mai 2015 at 12:43

    …du sprichst mir aus der Seele. Verdrücke auch gerade eine Träne. Meine Maus ist 7 und ich denke jeden Tag das gleiche. Genießt den Moment!!! 🙂 Liebe Grüße, Katrin

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