Mein Kind soll niemals Fleisch essen an der Waldorfschule
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Mein Kind soll niemals Fleisch essen – an der Waldorfschule

Gibt es Fleisch an der Waldorfschule?

Man hört kaum noch etwas von dieser Diskussion um die Frage, wie viel Autorität und Disziplin man dem Nachwuchs angedeihen lassen solle. Vermutlich, weil sie zum Alltagsdiskurs gehört mittlerweile:  “Kinder brauchen Grenzen”, das wird inzwischen mit Inbrunst auch von Oberschichts-Hippiemädchen aus Prenzlauer Berg mit westdeutschem Migrationshintergrund und gut verdienendem Anwaltsgatten skandiert. Während die Damen gleichzeitig im Bitte Bitte-Duktus um die Alltagskooperation von Klein Artur, Nelio, Renée-Jolande und Telemach ringen.
Höchste Zeit, mal wieder zu schauen, was die Waldörfler da so vorlegen. Allgemein gelten Waldorfschulen als Faszinosum, weil es da keine Noten gibt und man den ganzen Tag seinen Namen tanzt. Habe ich, glaube ich, schon so zwölf, dreizehnmal erwähnt. Genauso wie die Tatsache, dass es dann in der Praxis oft ganz anders kommt.

Neulich zum Beispiel, beim ersten Elternabend der Eingangsklasse (“Sonnenklasse”), die ab August meine kleine Tochter besucht. Erwartungsgemäß brennt den Eltern die Frage nach dem Essen am meisten auf den Fingern – wozu hat man die Verantwortung für die Pädagogik schließlich abgegeben, nicht wahr. Ebenfalls erwartungsgemäß in diesem Zusammenhang dann die Frage einer sehr verhungert aussehenden Mutter, wie “das mit dem Fleisch” sei.
Es ist nämlich so: Die Erzieher in der Eingangsklasse wählen aus, welches Mittagaessen der Caterer bringt. Nix Mitspache der Eltern! Und, das sagt die junge und sehr ernsthafte Erzieherin, man gehe da nach Erfahrung vor. “Wenn wir die Wahl haben zwischen Paprikabratling und Schnitzel, dann wählen wir das Schnitzel. Das Paprikazeug essen die Kinder nämlich nicht.”
Gulp. Ganz schöner Hammer. Aber OK. Es wird doch sicher so sein, fragt die verhungerte Dame, dass vegetarisch ernährte Kinder kein Fleisch kriegen, oder? Nun ja, sagt die junge und sehr ernsthafte Erzieherin, normalerweise gelte die Regel, man müsse von allem kosten. Aber bei Fleisch mache man da eine Ausnahme. Äh, sagt die verhungert aussehende Mutter, aber mein Kind soll grundsätzlich niemals nicht kein Fleisch essen! Was, wenn die Brage voller Genuss das Tote Tier in sich hineinschlingt? Sind Sie da nicht vor?

Mein Kind soll kein Fleisch essen

NEIN, sagt die junge und sehr ernsthafte Erzieherin. “Sie glauben doch nicht, dass ich Ihrem Kind das Schnitzel wegziehe, während die übrigen 16 Kinder fröhlich weiterfuttern, oder?” Man muss dazu wissen, dass die junge und sehr ernsthafte Erzieherin auch ein bisschen verhungert aussieht, was aber vermutlich an ihrem Phänotyp liegt, sie aber ansonsten die attraktivste – was sag ich: schönste! –  junge und sehr ernsthafte Erzieherin zwischen Hoppegarten und Spandau ist. Es wird oft unterschätzt, und zwar ganz klar aus ideologischen Gründen, welch Gewicht das Wort einer sehr jungen und sehr ernsthaften Erzieherin hat, die obendrein wunderschön ist, wenn ihr Gegenüber eine verhungert aussehende Veganer-Mutter ist. Die Folge ist betretenes Schweigen. Und ein von der verhungert etc. Mutter gemurmeltes “Das ist das erste, was ich hier richtig Scheiße finden werde”.
Zuckersüßes Lächeln von der jungen und sehr ernsthaften Erzieherin. Natürlich total schön.
Der geneigte LeserIn wird sich seinen Reim darauf machen, inwieweit diese kleine Episode etwas mit dem Autoritäts-Diskurs zu tun hat. Eins ist jedenfalls klar: Besorgte Eltern dieser Welt, die Waldorfschule ist keine Option für euch. Die setzen euch einfach viel zu viele Grenzen.
Jost Burger

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