Wie ich als Vater die Geburt unseres Babys total verpasste
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Baby Schwangerschaft Seine Sicht

Kurz davor und kurz danach – Wie ich, als Vater, die Geburt von K3 knapp verpasste –

Kurz davor und kurz danach – Rund um die Geburt von K3
Ich bin mit dem Kinderkriegen nicht gänzlich unerfahren, doch leicht eingerostet ist meine “Jungvaterschaftserinnerung” schon.

Umso erstaunlicher ist es, wie alles zurückkommt in dem Moment, doch meist erst dann, wenn Mann sowieso keine Wahlmöglichkeiten mehr hat, oder etwas ändern könnte.
Mann mit Kind, danach.
 

In den letzten zwei, drei Wochen vor der Geburt stellte sich so ein daraufhin warten ein (was letztlich uns alle leicht lähmte) und mich teilweise erschrak.

Wenn meine Frau abends ins Bett kam (mit dem schönen, runden Bauch) und vor sich hinsprach “Was machen wir denn mit K2, wenn heute Nacht das Kind kommt”, dann sah ich mich schon mit einem übermüdeten Jungen in einer Klinik sitzen (und hoffen, dass jemand ihn abholen kommt) und fühlte mich schon einmal prophylaktisch schlecht.

Doch auch hier hatten wir irgendwie Glück, denn das Baby hatte es nicht eilig mit dem selbstständig heraus kommen. Wir riefen also (auf ärztlichen Rat) irgendwann in der Geburtklinik unserer Wahl (nach VET und Nierendiagnose) an und rückten zu dem vereinbarten Termin ein. So konnte (zumindest gefühlt) zuvor alles geregelt werden. Die Tatsache gab mir Sicherheit und Gewissheit für die Nierendiagnose der Frau. Was nun kam, kannte ich bereits in groben Zügen. Auch beim dritten Kind hatten wir uns für diese Geburtenmetropole am nördlichen Rand Berlins entschieden. Ich bin ja ein bekennender Verfechter der medizinischen Komplettversorgung.

Vorteil der Klinik war, wir kannten den Laden und ehrlich gesagt hilft das um nicht zu viel zu erwarten, oder am Ende enttäuscht zu werden.

 

Wir kamen also in der roten Zone am Kreißsaal an.

Dort war bereits einiges los, immerhin hatte man in diesem Juli innerhalb seit 1942 dort 111111 Kinder zur Welt gebracht (1980 war ich eines davon, 2007 K1, 2010 K2). Mittlerweile kommt man auf über 2500 Landungen im Jahr. Allein an unserem Stichtag waren es insgesamt dann 14 Kinder. Das klingt für viele Eltern abschreckend, mir aber schenkt das Vertrauen. Das Kreissaal Personal versteht anscheinend ihr Handwerk und am Ende (im Krisenfall) kommt es für mich darauf an und nicht auf die Menge Lavendelöl in der Duftlampe im Geburtenzimmer.
 
Dabei war ich auch dieses Mal beeindruckt mit wieviel Zuneigung, Zuwendung und Verbindlichkeit die Hebammen im Drei-Schichtbetrieb Frau und Kind den Start in die Welt erleichtern.
Es bleibt natürlich ein Krankenhaus, wo man vor allem Sozialstudien betreiben kann und mitbekommt wie Menschen so aussehen, wenn sie denn Kinder gebären. Das kam mir aber alles sehr gelegen, denn auch ich sah am Ende sicher sehr mitgenommen aus. Gleich wie, wir erhielten das erste CTG, eine Einrichtung deren häufige Anwendung in der Klinik mich am Ende um Fachmann für Herztöne des ungeborenen Kindes und der Wehentätigkeit der Frau machte (und die mir nicht immer sinnvoll erscheint). Meine wehende Frau verschob mittlerweile selbstständig den Senso ohne das Personal zu belästigen.
Spaziergang – Gang.

Wir liefen über die Flure hin und her und sahen andere werdene Eltern.

Alu wurde zum Nachmittag in ein Wehenzimmer, mit drei anderen Frauen, eingeschifft. Einen Platz für den Vater gab es nicht. Eine junge Frau lag schon seit fünf Tagen dort und hoffte auf ein Ende ihrer Reise. Sie fiel uns auf, weil sie und ihr Freund bereits etwas von Ureinwohnern hatten, später wussten wir weshalb.
Dieser Fakt machte der Frau schlechte Laune, hatten wir doch bei K1 und K2 Räume zugewiesen bekommen, in denen wir beide in den Stunden vor der Geburt für uns blieben. Doch auch das gehört zum Verlauf, nicht immer ist eben die “lauschige Wehenlounge” frei. Na ja, wir hatten viel Zeit zum Reden an der frischen Luft und zum ins Smartphone gucken. Wie das wohl war, dachte ich so bei mir als die ersten beiden Kinder kamen und wir höchstens mal eine SMS an die Eltern schickten?!
Gleich wie, etwas später war der Aufmerksamkeitsfokus klar ;-). Nun gut, das Vierbettzimmer schreckte uns zuerst nicht, dachten wir doch Mittags noch, wir würden keine Nacht darin erleben und nur ein Schubser würde genügen. Doch nach vielen schönen Spaziergängen, durch den Park und über das Klinikgelände, stellte sich noch kein richtiger Startschuss ein.

Da kam auch bei mir langsam wieder die Erinnerung an den Geburtsvorgang zurück.

Vor den Kreißsaal hatte der liebe Gott doch noch ein paar Vorboten gestellt, wie starke regelmäßige Wehen, Platzen der Fruchtblase usw. usf.. Am Ende des Tages hatte ich also als werdender Vater die Wahl: Auf der Bank im Flur, oder für ein paar Stunden bei meinen Eltern im nahen Haus zu nächtigen?! Die diensthabende Hebamme meinte, es würde sich wohl noch eine Weile hinziehen und gab der Frau Ibuprofen und so einigten wir uns (mit einem etwas komischen Gefühl) lieber noch etwas zu schlafen und ich sollte dies lieber in einem Bett tun, als auf einer  Bank im Krankenhausflur.
Der CTG Raum, voll Zen.

 

Die Kilometer zum Haus meiner Eltern gingen gut mit dem Taxi, doch als plötzlich Alu anrief  “Wir gehen jetzt in den Kreißsaal. Die Fruchtblase ist im Schlaf gesprungen” um 10 vor 4 Uhr nachts, kam  einfach kein Taxi in das Haus 200 m vor der Berliner Stadtgrenze.
Leider teilte man das dem panischen Vater (MIR!)  erst nach 15 Minuten Wartezeit mit. Nun war kurzer Rat teuer. Doch bisher war die Zeit im Kreißsaal immer mehrere Stunden lang gewesen (dachte ich so bei mir), so würde meine Hand doch auf jeden Fall noch rechtzeitig kommen, um sie sich auch dieses Mal zerdrücken zu lassen, oder um einen Anranzer zu erhalten wie: “Du bist schuld”.
Ich machte schnell das Rad meiner Mutter startklar und radelte in 11 Minuten zügig zur Klinik (Bestzeit!).
Nachdem ich mich noch kurz am Kreißsaal erkundigen musste in welchem Saal meine Frau sei, hörte ich Alu bereits (unverwechselbar) und betrat dann ich den Kreißsaal in dem Moment als eine Hebamme das Kind aus dem Beckenbereich meiner Gattin emporhob und Alu auf den Bauch legte.

Seien wir also ehrlich, ich war (fast) zu spät.

Da unsere Tochter  K3 ein Turbokind von 30 Minunten Kreißsaal gewesen war, gab es kein Halten. “Da war nix aufzuhalten, der Muttermund war in 20 Minuten offen”, sagte die Hebamme. Die Nabelschnur konnte ich noch durchschneiden und irgendwie ging mit dem Turbo der Wunsch von Alu dieses Mal in Erfüllung, das dritte Kind zuerst zu sehen.
Nur die arme Gynäkologin, deren Hand (statt meiner) herhalten musste, war nicht zu beneiden.
Trotz meiner Frustration, nicht wirklich beigestanden zu haben, fand ich mich schnell ein und erlebte nun gemeinsam mit meiner starken Frau (die das ganz allein gewuppt hatte) diese entspannte Ankommensphase mit Nachgeburt, Kinderschau, kuscheln, trinken, essen und das neue Leben bestaunen.
Baby, danach.

 

In großen Strecken  waren es nur wir drei und ab und ab und an medizinische Fachfrauen.

Da lag es nun, unser neues Glück und alles war so richtig in dem Moment, obwohl der Betrieb rege weiterging und wir nebenan eine Frau gebären hörten. Wir waren komplett. Nach fast drei Stunden zogen wir um. Ein Familienzimmer war noch frei und wir machten uns auf den Weg dorthin in unser erstes Bett und zu den ersten beiden Nächten auf der Wöchnerinnenstation doch davon später einmal mehr…
Konsti
Babyblück

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2 Comments

  • Tina Massendefekt
    1. September 2016 at 08:02

    Konsti, bzw. Alu ich bin so froh, dass ihr schreibt 🙂 ich lese gern, und gebe die Hoffnung nicht auf, dass auch bei uns das alles so klappt… Und gerade die Sicht von Konsti gibt mir die Hoffnung, dass mein Partner, das auch alles kann 😀

  • Sonnenshyn
    2. September 2016 at 07:12

    Es wäre für mich bis vor kurzem noch ganz furchtbar gewesen wenn mein Mann nicht dabei wäre. Das ist nämlich gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn viele Möglichkeiten unseren Sohn abzugeben haben wir nicht. Mittlerweile ist es mir vollkommen egal. Ich will einfach nur dass das Kind aus mir raus kommt, egal wer dabei ist. *lach* Und im Endeffekt ist es doch auch irgendwie egal. Die magischen Momente erlebt man ja dennoch gemeinsam. 🙂 Sonnige Grüße.

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