Ein Vater denkt über Bildung & Gesellschaft nach - Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
Seine Sicht

Ein Vater denkt über Bildung & Gesellschaft nach

Wer wird denn was? Über Biografien in unserer Gesellschaft

Wer im “Bildungsministerium” sitzt, ist nicht selten promovierter Jurist. Wer für die GEW arbeitet, hat in aller Regel studiert. Und wer als Journalist oder Publizist zum Thema Bildung veröffentlicht, schaffte wahrscheinlich wenigstens das Abitur. Über Bildung schreiben, Bildung vorantreiben, Bildung aus staatlicher Sicht veranstalten, das tun hierzulande Akademiker. Das bestimmt ihre Sichtweise: Wohin es möglichst viele kleine Menschenkinder zu treiben gilt, ist Abitur plus Studium. UN-Organisationen hauen in dieselbe Kerbe – sie messen die Bildungsserfolge eines Landes an der relativen Zahl der Hochschulabgänger. Und seit der Diskurs die “Wissensgesellschaft” beschwört, Peter Drucker den Arbeiter der Zukunft als “Wissensarbeiter” beschreibt, kann sich so recht niemand mehr vorstellen, wie man ohne einen Hochschulabschluss überleben soll.

Das halte ich alles für ausgemachten Bockmist. Menschen bleiben Menschen, und vielen von ihnen ist es nicht gegeben, höhere Bildungsweihen zu erlangen, lebenslang zu lernen, überhaupt besonders viel zu lernen. Some people just ain’t bright. Jedenfalls nicht nach den Maßstäben des verächtlichen und deshalb umso verachtenswürdigeren “Bildungs”Bürgertums à la Sarrazin, der Gemüsehändlerfamilienbetriebe des Respektes nicht würdig befindet.
Wohin mit denjenigen, die nicht den neuen alten Ausschlusskriterien des Bürgertums entsprechen? Wer damals kein Latein konnte, kann heute vielleicht nichts mit “open innovation”, mit Projektemacherei, Selbstorganisation und vielleicht nicht mal Facebook und all dem Mist was anfangen. Und, noch schlimmer, was machen wir mit Leuten, die unabhängig von alldem schlicht und einfach nicht besonders helle sind? In dieser schönen neuen Wissensgesellschaft? Sollen wir sie verachten, wie die Protagonisten jener Wissensgesellschaft die Vorstellung verächtlich machen, es könnte in zwanzig Jahren noch Schalterbeamte bei der Post geben – wo das doch genausogut ein blöder Computer erledigen kann?
Dieses Themas werde ich mich in den kommenden Wochen und Monaten annehmen, auch in diesem Blog. Ich bin überzeugt, dass in dieser nun schon seit vielen Jahren laufenden Diskussion grundlegende Aspekte vergessen werden. Ich halte es für lohnenswert, Fragen nachzugehen, wie ich sie oben angerissen habe. Ab dem neuen Jahr wird also mein Thema “Bildung & Gesellschaft” sein – aber ohne die Scheuklappen und Exklusionsfantasien des neuen alten Bildungsbürgertums. Ich freue mich drauf!
Jost 

You Might Also Like...

1 Comment

  • muell
    7. Dezember 2012 at 22:10

    Wir klugen Bildungselitler inkludieren die anderen einfach, nachdem die Integration so gut geklappt hat, dass wir ihre Ergebnisse nicht abgewartet haben. Wir sind ja gehobene Mittelschicht, wir hoffen mehr als wir machen. Denn überall lernen wir schau zuerst auf dich. Diejenigen, die wirklich Lehrer werden, um vor Grundschülern zu stehen, belächeln wir. Und wenn der Hausmeister mehr als Comics liest sind wir überrascht.
    Meine Großmutter die Frau Tischlermeisterin (weil ihr Mann Handwerksmeister war!) wäre stolz auf mein gehirne (vielleicht weil Sie es nicht verstünde). Ich würde lieber ein Hochbett bauen können, als schon mal Ratzinger gelesen zu haben.
    Gutes Thema, weiter so!

Leave a Reply