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Seine Sicht

Die Wintersonnenwende wird im Friedrichshain gefeiert

Die Wintersonnenwende wird im Friedrichshain gefeiert

Vor zwei Wochen habe ich hier die Konzentration auf das Thema “Wissensgesellschaft und was sie mit den Normalos macht” angekündigt. Dann hatte ich einen Hexenschuss, und es war erstmal Schluss mit Erhellendem. Nun ist demnächst Weihnachten, der Wochenkopf war der Tod, und ich muss immer noch zwei Artikel redigieren. Wie krieg ich das unter einen Hut? Wie werde ich Konstantin und Anne gerecht? Was machen die Normalos, habe ich schon alle Geschenke, und kann mal jemand Sinn in diese Zeit, in diese Welt geben?
In der Kneipe im Haus feiern sie Wintersonnenwende. Sagt Sonny, der Wirt. Womit er mich aus dem jahreszeitlichen Gefühlskorsett erlöst: Man kann die Welt auch anders sehen. Und dennoch in ihr sein. So wie mein Söhnchen, der Unvergleichliche. Entschuldigung, man soll nicht von den eigenen Kindern schwärmen. Aber mein Sohn fragt jeden und jede, ob zu ihnen der Weihnachtsmann oder das Christkind kommt. (Wir sind aus Süddeutschland. Bei uns bringt das Christkind die Geschenke, Herrgottnochmal.) Mein Sohn wird auch in zehn und zwanzig und dreißig Jahren noch solche unbedarfte Fragen stellen. Das mit dem Sauerstoff nach der Geburt hat nicht so gut geklappt. Mit seinen Fragen macht er Räume warm. Die OECD-Statistik über Abiturienten-Zahlen erhöht er allerdings so nicht. Aber die Augen von Sonny, dem Wirt, haben geleuchtet, als er von den geheimnisvollen Ritualen um Weihnachtsmann und Chistkind erzählen konnte, die in seiner Patchwork-Familie herrschen. Und die Nachbarin – vom Söhnchen fünf Minuten später befragt – kriegt die Assoziationskurve zum weihnachtlichen Kirchgang hin. Weil, wenn das Christkind kommt, geht die Familie vielleicht zum Pastor und nicht zum Karstadt.
Ist das zu platt? Leute, ich bin eingefleischter Atheist. Aber was kann’s Tolleres geben als eine private endjahreszeitliche Großwetterlage, die – Obacht – auf die Bergpredigt hinführt. Selig sind, die … nicht so schlau sind. Denen geht’s gut. Und sie machen die Welt besser.
Jost Burger

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1 Comment

  • muell
    22. Dezember 2012 at 21:27

    Dein lieber Sproß trifft einfach den Berliner Puls, denn auch unsere Feier ist eine Mischform und vermutlich ist das "auch gut so".
    Als meine Frau sagte, die Große glaubt nicht mehr lange an den Weihnachtsmann, die Große ist fünf. Sagte ich alter Katholik, gut so, dann können wir die Lücke mit Sinngehalt (Christkind) füllen. Fraglich nur, ob für die Große da dann der gewünschte Sinn dahintersteckt. Weiß-rot mit Bart macht halt auch für viele Sinn.

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