Ein Familienmoment im Auto - Auto reisen mit Kindern
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Ein Familienmoment im Auto – Auto reisen mit Kindern

Autoreisen mit Kindern

Heute keine Gedanken. Es ist ja sowieso Freitag. Keine Gedanken heute. Stattdessen fahren wir durch die Altmark. Später ins Wendland. Immer weniger Gedanken haben wir. Die
Straße wird immer schmaler. Die Landschaft immer schöner. Die Gedanken immer weniger.

Gedankenleere. Leere Landschaft.

Als wir noch Gedanken hatten, wussten wir: Dafür gibt es ein Wort, für diese Gleichzeitigkeit. Doch jetzt: Leere. Und Wehrkirchen. Und jede Menge freie Gewerbegebiete. In Orten mit seltsamen Namen: Salderatzen. Letzlingen. Loge. Kolborn. Sallahn. Quadendambeck. Waddenweitz. Und diese Wehrkirchen! Nur Gedanken gab es hier noch nie. Auch keine Verfertigung der Gedanken beim langsamen Fahren. Oder war das Verfestigung? Jedenfalls immer noch schneller als der Routenplaner erlaubt. “War der auf
“öffentliche Verkehrsmittel” eingestellt, oder warum sind wir schon jetzt in Kalberbeck?”, fragt die Frau. In Kalberbeck wirbt auch ein Schild für ehrliche Ostbrötchen. Ja, für Brötchen, aber nicht für Gedanken! “Schau, da ist schon Heidekraut!”, sagt die Frau. “Das ist Dill. Heide wächst nicht in Reih und Glied und auch nicht einen halben Meter hoch”, sage ich.
“Außerdem ist es Spargel”, sage ich dann. Keine Gedanken. Die Discos heißen “Neid Klapp”. Etwas später die Dorfkneipen “Wendenknüppel”. Und überall stehen da diese grellgelben Kreuze. Vielleicht hat “RePo, der billige Baumarkt”, ein gutes Geschäft mit einer übrig gebliebenen Lieferung Holzanstrich, außen, signalgelb gemacht. “Sind wir schon im
Westen?” Auch wieder keine Gedanken. Hinter mir die Kinder machen Autofahrgeräusche, dann fährt das Auto schneller.

Wahnsinnig schöner Herbstwald. Buchen und Eichen haben die Füße im Feuerroten, die Birken sind noch grün und gelb. Dann noch eine Rockwell-Idylle, Haus, Weide, Ponys, Tiere.
Ganz ohne Gedanken. Es ist Ende Oktober. “Schau mal Papa, da sind Gänse!” “Nimmer lang, nimmer lang!” (beide Eltern zugleich. Gedankenlos.) Immer grün, nimmer grün. Nur halt
keine Gedanken. Ein Fluss, der “Obere Milde” heißt. Die Jüngste pupst. Dem Bub ist langweilig. Hupps, jetzt haben wir uns verfahren. In der Ferne ein Reh.
Jost Burger

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1 Comment

  • muell
    27. Oktober 2012 at 19:29

    Lesenswert, Danke dafür!
    "Neid Klapp" was für eine Kreation.

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