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Kulturleben Wochenberliner

Wochenberliner: Allaheyljnahmd, Unterwegs im Friedrichshain

Süßigkeiten im Hof 

Im Hof steht eine Palette. Zur Tarnung.
Die Palette ist beladen mit Hanutas. Candy Stars. Und
Kinderschokolade. Ganz unten hat jemand altes Eiskonfekt versteckt.
Ein Glück ist es kalt und das Zeug schmilzt nicht. So kalt, dass der
Atem der Kinder in großen Wolken über ihnen steht. Der der
begleitenden Mütter auch, das kann aber auch von den Zichten kommen,
die sie sich vor jedem Haus anmachen. Dit kann ja dauern wa, willste
ooch eene? Die renn ja büs ünn fümften Shtock Hinttahous. Vor allen sonst sieht man an diesem
Abend die Mütter, die „Hinttahous“ sagen. Vielleicht
rauchen die mit Hochdeutsch ja heimlich. Ich habe mich jedenfalls gut
vorbereitet. Wer es zu uns in den fümften Shtock Hinttahous schafft,
bekommt von mir einen Gutschein in die Hand gedrückt. Mit
Wegbeschreibung zur Samariterkirche. Dort wartet Frau Käßmann. Sie
hat ihr Niveau heute auf den Denkmalschutzcharakter des Gebäudes
hochgeschraubt. Für den Gutschein bekommen die dicken Kinder von ihr
eine Anfängerbibel. Wer beim Entgegennehmen den Mund nicht offen
stehen lässt, auch ein Exemplar Restbestände Aufbruch ’77 (die
neongrünen), wer dazu noch Danke sagt (upps), eine Oblate mit
Schokoüberzug (vom türkischen Bäcker). Nebenan die Nachbarn werfen
mit Rennmäusen nach einem Zombiepirat und einem Skelett. Die Mütter
ereifern sich und drohen mit Unterschichtsempörung. Wenig später
spritzt das Blut bis zur Decke des vollverkachelten Bades in der
Gentrifiziererwohnung ein Haus weiter. 


Man hatte sich die
Klingelstreiche der Armutseinwanderer aus Lichtenberg verbeten.

Die
ersten Autos brennen, als sich Väter für die Brechorgien ihrer
Fünfjährigen rächen. Dear achte Mahsriegel da war wat drünne, dit
weeß ick! Ein vietnamesischer Ladenbesitzer ist so ungeschickt,
scharf geröstete Erdnüsse zu verteilen. Sowas macht flennende
Nintendo-Junkies, die sich bei Mama beschweren. Leider auch bei
Vattern. Naja. Von den Fidschis jibt’s jenuch hier. Is doch’n schönet
Foierchen hier! Und neechsten Monat kann meene Alte hier ihrn
Astaethics-Neels-Shopp oufmachen. Derweil auf der Frankfurter Allee
der Fackelzug gegen Asylschmarotzer und Zigeuner so richtig Fahrt
aufnimmt. Zu sehen sind auch Plakate der CDU: Wir sind keine Nazis!
Aber man wird ja wohl noch. Könnte ja jeder kommen, einfach an die
Türe rummsen und was haben wollen.
Jost Burger

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