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Wochenberliner: Über Willi Bänsch und die Bänschstraße

Woher kommt eigentlich der Name Bänschstraße?

Berlin Friedrichshain 2003, Bänschstraße, im Herbst. Man sitzt (als neu zugezogener Wessi) im Café und fragt den Ober: “Wer war’n der Bänsch?” Sagt der Ober (vermutlich auch aus dem Westen, würde er aber nie zugeben): “Keine Ahnung. Im Zweifel ein antifaschistischer Widerstandskämpfer!”

Es ist halt wahr: Im Zweifel sind Ostberliner Straßen nach antifaschistischen Widerstandskämpfern benannt. Weshalb sich hier auch so gern die Autonomen aus Schwaben die besetzten Häuser vom Senat schenken lassen, auf dass dann ihre autonomen Hunde autonom und antifaschistisch vor die eigene Haustür kacken können.
Zum Glück herrscht heute, 2012, Gentrifizierung in Friedrichshain, dem angeblichen “Arbeeterbezürk”. Die Bänschstraße, bis 1951 “Mirbachstraße”, bleibt. Benannt nach Willi Bänsch, geboren 1908, von den Nazis – und mithin dem deutschen Volk – ermordet 1944. Sein Name findet sich auf einem dieser Antifaschisten-Winkel, die noch aus Ostzeiten zur Erkläung an den Häusern der antifaschistisch benamsten Straßen hängen. “Willi Bänsch, 1908 – 1944, Schlosser (manchmal auch: Schmied), antifa … ” – genau.
Und sonst? Er gehörte der KJVD an, sein “Heimatbezirk” ist Friedrichshain, er “kämpfte gegen die Nazis” ab 1933, wurde 1936, nach anderen Quellen 1935, eingelocht, konnte 1944 fliehen und wurde doch wieder verhaftet und kurz darauf, im November 1944, ermordet. In der DDR hieß ein Torpedoschnellboot “Willi Bänsch“, das sank aber 1968, in Seefeld gibt/gab es eine POS “Willi Bänsch”. Sonst weiß man nichts bis wenig über ihn. Doch eine ganze Straße ist nach ihm benannt. Das erscheint nachlässig. Warum gibt es keine Biografie? Hatte er eine Frau, hatte er Kinder? Wie sah er überhaupt aus? Ist er einfach mit einem Straßennamen versorgt und damit historisch entsorgt worden? Oder reicht letztendlich eine ganze Straße, um ihn würdig im Gedächtnis zu behalten – braucht es mehr nicht?

Ja, wahrscheinlich ist das so. Immerhin: Ihren, seinen Namen durfte die schönste Straße des Nordkiezes in Friedrichshain auch nach der Wende behalten. Die Kacken lassenden antifaschistischen Autonomen sind schon jetzt fast vergessen. Bänsch bleibt. Manchmal ist Geschichte halt doch gerecht.

Jost Burger

Jost Burger Blog, grosse koepfe

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