Schalander| Wie sich der Berliner Friedrichshain verändert| grossekoepfe
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Wochenberliner

Wenn der eigene Kiez sich ständig verändert #schalander

Vor einigen Jahren zogen in das Restaurant an der Ecke neue Leute ein. Die Fenster abschleifend stand eine schwangere Frau auf einer Leiter, an einem sonnigen Tag, und ich beobachtete das Treiben und fragte nach.

„Ja, eine Hausbrauerei soll hier entstehen und mit leckerer Küche.“ Ich erzählte der jungen Frau, dass ich in dem Italiener vorher meinen ersten von drei Heiratsanträgen bekommen hatte und leider diesen aufgrund des miesen Essens nicht annehmen konnte. Ich hoffte also auf besseres Essen und schönere Atmosphäre.

schalander Hausbrauerei Berlin

Schalander Berlin – eine Wirts- Hausbrauerei

Immer wieder besuchten wir als Familie das Wirtshaus Schalander und sahen den Kiez und unsere Familien wachsen. Erst eins, dann zwei und dann waren es bei beiden Familien drei Kinder. Immer mehr Gruppen, Radfahrer und auch Rentner kamen ins Schalander um dort zu essen und an den Abenden war es irgendwann richtig schwer einfach so einen Tisch zu bekommen. Auch zu den Einschulungsterminen und Zeugnisausgaben musste früh genug reserviert werden, sonst hatte man Pech.

Berlin Style beim Service trifft ja mein Herz

Immer mit angenehmer Rockmusik (und keiner Fahrstuhlbeschallung) und einem Personal was eher direkt als zu freundlich war fand sich das Schalander inmitten von Friedrichshainer Pizzerien und Kneipen irgendwann als fester Treffpunkt für viele Menschen wieder. Auch für  mich.

Immer wieder gab es Biere passend zur Jahreszeit und zu einigen Anlässen. Freitags roch das ganze Eckhaus nach Hefe und läutete so das Wochenende für alle ein.

Viele Jahre lang feierten wir dort Geburtstage mit unseren Freunden und brachten unsere Freunde dorthin mit. Unser Babyfon reichte zwar nicht bis in den Schankraum, aber danke eines Handybabyfons haben wir einige Abende kniffelnd an den Tischen des Schalanders verbracht und gesehen wie Paare sich dort trafen und andere Paare sich dort trennten.

schalander Hausbrauerei Berlin

Das Schalander zieht aufs RAW Gelände

Bereits vor einiger Zeit haben sich die Wirtsleute Jutta und Max entschieden einen Biergarten mit reinem Bierausschank in der Revaler Straße auf dem RAW Gelände Haus 9 zu eröffnen. Weniger Küche und wieder mehr zurück zum Ursprung eines Schalanders, dem Ausschank von selbstgebrautem Bier, wollten sie und das zog. Bier trinkende Gäste verweilten nun auch häufiger dort und das Bier wurde nicht mehr in der Bänschstraße gebraut.

Heute wurde das Schalander in der Bänschstraße geschlossen. 40% Mietsteigerung waren angesetzt und das konnte und wollte die Familie nicht mehr mittragen. Neun Jahre lang haben sie den Kiez bewegt und waren immer ein Treffpunkt für Familie und Freunde im Kiez zum Essen und Trinken. Wir waren immer zu Weihnachten dort und waren froh darüber, dass hier niemand für die Gans am Herd stehen musste.

Heute Mittag waren wir noch mal mit den Kindern essen und haben kurz daran gedacht welche Feierlichkeiten wir alle hier gefeiert haben und wie sehr sich der Kiez (und auch wir uns) in den letzten Jahren neu aufgestellt haben. Das Schalander zieht weiter und letzten Endes wir auch irgendwann mal, alles verändert sich und anscheinend hat die nächste Welle der Gentrifizierung schon längst zugeschlagen.

schalander Hausbrauerei Berlin

Ein neues Restaurant wird an der Ecke einziehen und vielleicht das Gefühl von Kieztreffen abfedern können, drücken wir die Daumen für keinen miesen Italiener. Denn ab jetzt heißt es dann wohl: Ab zum RAW Gelände ins Haus 9 wenn man wieder ins Schalander gehen will, bis dahin reicht das Babyfon aber auf keinen Fall ; )

Alu

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