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Wochenberliner: Was der BER und ein Kleinkind gemeinsam haben

Was der BER und ein Kleinkind gemeinsam haben

Lange gehörte ich zu dieser Sorte Mensch, die dachte man müsse
überlegt handeln, so dass alles hieb- und stichfest ist, sozusagen
unabänderlich, alternativlos. Doch umso mehr ich mich kennenlerne desto mehr
merke ich, dass ich zum Idealbild des preußischen Beamten wenig tauge.
Sicher mein Ziel ist Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit und
das geht im Vergleich auch sehr oft gut, doch immer punktgenau, dass werde ich
nicht mehr hinbekommen.
Gestern hörte ich den theologischen Begriff der „Metanoia“,
der Buße. In katholischer Lesart ist das eine Wiedergutmachung oft im
Zusammenhang mit dem vergessenen Sakrament, der Beichte. Es kann aber auch die
Teilhabe am Leiden Christi bedeuten. Doch so hoch müssen wir gar nicht gehen. Eine
wichtige Eigenschaft geht all dem nämlich voraus: Die Bereitschaft eigene Fehler
und Versäumnisse zu erkennen und diese zu bereuen, im Bemühen darin es
zukünftig besser zu machen. Wie immer das auch aussehen kann. Wenn andere
Menschen darin verwickelt sind, müssen wir auf deren Vergebung hoffen, sie um
Entschuldigung bitten. Denn unsere Tat selber voll und ganz entschuldigen, dass
können wir nur in den seltensten Fällen.
Ich stelle immer wieder fest wie viele Menschen noch diese
althergebrachte Moral teilen. Gerne würden wir doch einfach einmal ehrlich
behandelt werden – auch wenn das bedeutet Vorbilder müssten Schwäche
eingestehen. Hätte mir Klaus Wowereit vor einem Jahr gesagt: „Konstantin, ich
will nicht lügen und auch nicht schwafeln [das würde er wohl nie sagen, Anm. d. Red.],
aber ich habe keine Ahnung wie lange es mit dem BER dauert, sicherlich ist 2013
nicht zu halten.“ Ich hätte ihm vergeben können. Merke: Keinen Arsch in der
Hose haben, heißt oft auch nicht eingestehen können etwas falsch gemacht zu
haben.
Zumindest diesbezüglich kann ich festhalten, ich bitte oft
um Verzeihung. Was zu viel benützt auch wieder inflationär und damit nutzlos
wird. Doch es gibt die Momente in denen Entscheidungen und Eingeständnisse
richtig und wichtig sind. Wo sich zeigt wie bereit man ist auch Negativfolgen
auszuhalten. Vielleicht können wir das ja Herrn Wowereit glauben. Nur es gilt
auch hier: Vertrauen anderer in einen selbst zu strapazieren ist ein
gefährlicher Weg um zu punkten.
Zurück zum kleinbürgerlichen Normalleben: Als wir unserem
zweijährigen Sohn ein großes Bett spendierten, ganz ohne Gitter, weil wir es
für an der Zeit hielten, stellten wie fest: Es klappt nicht. Wir wollten
durchhalten, hatten unseren Stolz und scheuten den Gedanken etwas aufgebautes
wieder ab und etwas Abgebautes wieder aufzubauen. Wir haben uns beraten, die
Erwartungen an das Kind zurückgenommen, uns eingestanden, dass an einem
Gitterbett per se nichts Schlimmes ist. Er fand seine Ecke und schlief sofort
wieder gut. Wir waren erfolgreich zurückgerudert.
Konsti

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