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Kulturleben Wochenberliner

Wochenberliner: der junge Vater mit Kind

Der junge Vater mit Kind

Im Moment habe ich lange Tage. Nicht selten passen am Abend
Freunde auf die Kinder auf, weil ich noch berufliche Termine habe, so auch
gestern Abend. Gegen 21:30Uhr betrete ich noch den Kaisers. Ich will nur schnell
einige Einkäufe erledigen, denn auch dafür ist die Zeit gerade knapp. 

Da steht
er plötzlich da, dieser junge Vater mit dem Kleinkind auf dem Rücken. Das
Kleine schläft. Er steht da so vor dem Obstregal und zählt sein Geld von der
linken in die rechte Hand. In seinem kleinen Korb hat nur Tomaten, einen
Joghurt, eine Milch und einen Früchteriegel. Er steht da so vor den Äpfeln und
zählt nach wie viele er kaufen kann. Leise murmelnd zählt er die Geldstücke in
seine rechte Hand und packt drei Äpfel in seinen Handkorb. 
Der Apfel des Anstands

Ich erledige meine
kleinen Einkäufe und schlendere zur Kasse, schaue ob ich ihn nochmal sehe. Es
ist noch voll im Laden, um diese Uhrzeit. Die meisten Leute kaufen Bier, oder
Snacks. Es sind zwei Schlangen an beiden offenen Kassen. Parallel packen wir
unsere Ware aufs Band. Ich habe meinen Einkauf auch im Kopf überschlagen und
lege meinen Zwanzig-Euroschein aufs Band. Der Vater, mit seinem Kind auf dem
Rücken, zählt der Kassiererin seine Centstücke in die Hand. Es fehlen 13 Cent
um den Gesamteinkauf zu begleichen. 

Alle haben es eilig

Die Frau hinter ihm in der Schlange verdreht bereits die Augen, sie hat es anscheinend eilig.
Die Kassiererin schlägt nun vor den Apfel wieder wegzulegen. Keiner
der direkt Anwesenden an seiner Kasse kommt auf die Idee diesem Vater die 13
Cent zu geben. Es bricht mir echt fast das Herz. Überall preisen wir unsere
Menschlichkeit an und wo ist sie in diesen kleinen Alltagsmomenten?
Ich frage
nach drüben. „Was fehlt?“ „13 Cent, sagt die Kassiererin“ und sie tut mir leid,
weil sie diese nicht erlassen kann in diesem perfiden System der
Warenwirtschaft. Ich gebe ihr 20 Cent und schäme mich richtig dafür, dass noch
kein Anderer auf die Idee gekommen ist. Der Vater strahlt bis über beide Ohren.
Er nimmt seinen Apfel wieder in die Hand. 

Er packt seine wenigen Einkäufe in
eine mitgebrachte alte Plastiktüte und verlässt den Laden. 
Draußen wartet er
auf mich. Er wünscht mir einen guten Abend, gibt mir 7 Cent in die Hand und bedankt sich
für meine Aufmerksamkeit. Danach geht er, mit seinem Kind auf dem Rücken, seiner
Wege. 
Alu

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6 Comments

  • JesSi Ca
    27. März 2015 at 06:14

    Eine tolle Geschichte. Eine Geschichte voller Menschlichkeit und Wärme. Danke für diese Sorte an diesem grauen Tag! Ich nehme sie nun einfach mit in mein Leben hinein und freue mich darüber wie gut manche Menschen sein können.
    Für Dich waren es nur ein paar Cent, wenige Cent die Dich nun nicht arm gemacht haben, aber für den jungen Vater war es so viel mehr!!!
    Ich drücke Dich, auf bald
    JesSi

  • Anonym
    29. März 2015 at 20:33

    Woher hatte er plötzlich die 7 cent?

  • Anonym
    30. März 2015 at 10:27

    Wechselgeld. 13ct fehlten, 20ct hat Alu gegeben. Macht 7ct Rest.

  • Tante Cook
    30. März 2015 at 12:16

    20-13=7

  • Anonym
    31. März 2015 at 21:03

    Danke! Wofür? Na, ganz einfach. Fürs "Zurechtrücken" der Welt. Braucht Mensch manchmal einfach…

  • Anonym
    22. Juni 2015 at 07:39

    Erinnert mich daran, wie gut es uns geht und dass wir das öfter teilen sollten – DANKE!

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