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Wochenberliner: Die Berliner U-Bahn

Reisen mit der Berliner U- Bahn



In der U5: sitzt ein Mann mit einer Mandarine auf dem Kopf.
Sicher, eine hervorragende Position für Obst um nicht in den Taschen der Welt gequetscht
zu werden, jedoch ungewöhnlich. Er kann nicht stillsitzen, balanciert die
Mandarine auf dem Kopf hin und her bis sie 
runterfällt, genau in seine Hand. Fast strafend schaut er die Mandarine
an und platziert sie erneut. Kopf links, Kopf rechts. Die Mandarine hält sich
tapfer. Er steigt am Frankfurter Tor aus und winkt mit der Mandarine zum Abschied
auf seinem Kopf in die Runde.

U5 Eingang, Foto: K.Manthey





In der U8: werde ich an einem Dienstagmorgen freundlich  begrüßt. Ein junger, betrunkener Mann steigt
ein und wünscht allen „Isch wünsch euch einen juten Morgen, ick geh jetzt ins
Bett.“ Einige nicken, andere lächeln. Eine junge Frau schiebt ihr Kind hinter
sich. „Ick weeß, dit ist schwer, dass ihr jetzt ins Büro müsst und ick ins Bett
darf, aber dit is och nich so einfach mit dem nachts arbeiten und denn wollen
die Kollegen immer noch trinken!“ Er muss sich leicht am U-Bahn Glas abstützen.
Meine Sitznachbarin steht auf und verlässt den Zug. Sehr erfreut fragt mich der
junge Mann ob er sich setzen darf und erzählt mir aus seinem Leben. „Heute ist
jut, aber morgen da muss ick nach Hawaii. Kannste glooben Hawaii und janz
ehrlich dit ist weniger schön da.“ Ich erwidere das Hawaii sicherlich ein Traum
vieler wäre in dieser Jahreszeit, aber er lacht nur verwegen „Ach Schätzchen, Hawaii
ist doch ne andere Kneipe und keeen Land. Da muss ick arbeiten, weeßte
Barkeeper und da is nicht so schön.“ Ich verabschiede mich und wünsche ihm ein
gutes Ankommen am Ziel. Höflich bedankt er sich und bietet dann meinen
Sitzplatz in der U-Bahn feil.

In der U2: beobachte ich ein streitendes Pärchen. Es ist noch früh und die Menschen starren auf ihre Handybildschirme. Ich zähle durch. Fünf Lesende, ca. zehn Personen die aufs Digitale starren. Nur eine ältere Dame und ich starren auf das Paarschauspiel. Wortfetzen über Handtücher und Weichspüler wehen zu mir herüber. Ich sehe ihn mit den Augen rollen und sie die Arme verschränken. Jetzt holt er sein Smartphone raus und ignoriert seine Freundin. Ich schaue mich um, vielleicht haben ja all die Menschen gerade Streit mit ihren Partnern und versuchen so der Realität zu entfliehen?

In der U1: treffe ich eine Bekannte. Wir schaffen es
innerhalb von vier Stationen alle derzeitigen Lebensstationen zu besprechen. Stakkato
artig hauen wir uns die Facts um die Ohren. Mein Haus, meine Kinder, mein Auto,
mein Job, meine Eltern. Das Abnicken der Informationen gehört zum Ritus. Kurz
vor dem Ziel fragt sich mich nach meinem Befinden. Ich weiß ganz genau, dass
diese letzte Station dafür aufgespart worden ist. Denn welch andere Antwort
außer „Gut“ kann man da schon geben? Ich bleibe stumm und lasse den Zug
einfahren. Soll sie die Antwort auf diese letzte Frage doch selbst finden. Sie
hat noch zwei Stationen bis daheim.
 Alu 

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1 Comment

  • X-MAL ANDERS Ullrich-Turner-Syndrom
    4. Februar 2016 at 11:34

    Ich fuhr mal mit der U5 und es stieg ein Mann mit einem lebendigen Ferkel ein. Er führte es an einer Leine und unterhielt sich mit ihm bzw. ihr, weil er nannte es Lola. Das war wohl mein skurrilste Bahnerlebniss. Viele Grüße Anne

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