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Kulturleben Wochenberliner

Wochenberliner: Anna Pavlova und ein Kuchen

Wohl dem, der Frauen nicht mehr als
„Torte“ bezeichnet. Gelobt sei hingegen der Konditor, der Torten
nach einer Frau benennt. Nicht selten werden diese unsterblich. Die
1907 viel zu früh verstorbene S. Kirsch aus Süddeutschland zum
Beispiel kennt heute noch jeder. Genauso erging es auch der überaus
zarten Anna Pavlova. 1881 in Leningrad – damals wie heute St.
Petersburg – geboren, war sie eine der bekanntesten Prima Ballerinas
(Ballerinen?) des frühen 20. Jahrhunderts. 1931 starb sie – an
einer Lungenentzündung und mit 49 Jahren während ihrer
Abschiedstournee.

Anna Pavlova

Da war „die Pavlova“ ein Weltstar,
dessen Ruhm sich bis in jene damals noch sehr abgelegene Weltecke
verbreitet hatte, in der sich die Kronländer Australien und
Neuseeland befanden. (Mittlerweile sollen sie die Unabhängigkeit
erlangt haben.) Wo genau, über dieser Frage kommt es bis heute zu
Seeschlachten zwischen den beiden Ländern – klar ist, dass es „da
unten drunten“ passierte: Nämlich, dass eine zauberhaft leichte
Baisertorte nach der berühmten Ballerina benannt wurde.
Eine „Pavlova“ ist eine
Baisertorte, der ein wenig Essig oder Zitronensaft beigemischt wird,
sodass die Masse beim Backen innen weich bleibt. Aufgeschnitten, wird
sie dann großzügig mit Früchten (Passionsfrucht, ansonsten alles,
was zur Hand ist – Erdbeeren, Gummibärchen, Rote-Früchte-Mischung
500 g) gefüllt und garniert. Es soll Menschen geben, die Sahne oder
Frischkäse untermischen, das ist aber nicht kanonisch. Leicht wie
der Tutu der Pavlova jedenfalls schwebt die Torte dann auf den Tisch
und verzückt die Gäste. In Australien, Neuseeland und
den angeschlossenen englischsprachigen Ländern (Commonwealth) gehört
sie zum Standardrepertoire; neben verkohltem Grillfleisch und
gefrorener Hammelkeule ist sie der einzige kulinarische Beitrag zur Weltküche
aus dem europäischen Teil des Südpazifiks.
Das müsste doch die Pavlova postum
erfreuen. Wer weiß. Vielleicht sähe sie ihren Namen ja lieber mit
etwas anderem Unvergesslichen verbunden. 1907 nämlich schrieb ihr
ein berühmter Choreograf einen Tanz auf den Leib, der bis heute für
das klassische Ballett schlechthin steht: den sterbenden Schwan.
Herrgottsack, man kann eben nicht alles haben.
Jost Burger

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