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Wochenberliner: Leo Wohleb (Teil II)

Verehrte, zahleiche Leser,
vor zwei Wochen endete der erste Teil des Wochenkopfes zu Leo Wohleb folgendermaßen:
Und nächstes Mal Teil zwei des Wochenkopfes über Leo Wohleb, geboren
1888 in Freiburg, gestorben 1955 in Frankfurt am Main (das aber nur aus
Versehen), des ersten und einzigen Staatspräsidenten des Landes Baden,
der Zeit seines Lebens für die großbadische Sache kämpfte, dafür von der
Geschichte nicht geliebt wurde (außer von den Badenern
selbstverständlich) und der es vermochte, mit seiner Biografie eine
mindestens 54-prozentige Schnittmenge mit wichtigen Charakterzutaten der
beiden Großen Köpfe zu bilden. Außerdem bewahre ich eine von Leo Wohleb
eigenhändig unterzeichnete Ehrenurkunde auf, die meinem Urgroßvater,
glühender Badener, für Verdienste um das Vaterland verliehen wurde. Wenn
das kein Anlass ist.
Ähm. Was die Übereinstimmungen angeht: Naja, er hat auch mal im Großraum Berlin studiert (Theologie et al.), nämlich in Greifswald. Und er war superkatholisch, aber das ist ja nicht mal Konstantin. Wohlebs Vater war Kaufmann und hat nebenbei die Gemeindekasse der Freiburger Pfarrei St. Martin verwaltet. Wohleb selbst war ein hochgelobter Gymnasiallehrer, der sich witzigerweise während des ersten Weltkrieges auch um die kommunale Milchversorgung in Bruchsal (seine erste Stelle als Lehrer) verdient machte. Damals wurde man wegen so etwas ins Unterrichtsministerium berufen. Im Dritten Reich schlidderte der überzeugte Demokrat Dank Protektion gerade noch an ernsthaften Schwierigkeiten vorbei und überlebte die Zeit als Direktor an einem kleinen Baden-Badener Gymnasium.
1945 wurde er wieder in den Staatsdienst übernommen. Seine aktive politische Laufbahn endete mit der Niederlage beim vor zwei Wochen geschilderten Referendum; anschließend durfte er als deutscher Gesandter in Portugal wirken, auf einer Dienstreise starb er in Frankfurt am Main.
Aus heutiger Sicht erscheint Wohleb wie ein Tier vom andern Stern: Ein durch und durch von Überzeugungen druchdrungener und getriebener Mensch, den diese Überzeugungen erst zum Politiker machten und ihm das Amt auch wieder nahmen. Wohlebs unbedingter Glauben an rechtsstaatliche Verhältnisse und demokratische Abläufe machten es ihm unmöglich, am tatsächlich fragwürdigen Referendum über die Zukunft des Südweststaates nicht zu verzweifeln und sich darob nicht aus der Politk zurückzuziehen. Bei vielen erntete er damals Unverständnis, im Extremfall galt er als fanatischer Querkopf in einer Zeit, die längst keine Lust mehr verspürte auf vermeintliche ideologische Betonköpfe. Dabei hatte Wohleb schlicht und einfach Überzeugungen. Und deshalb ist er ein großer Kopf.
Jost Burger

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