Wochenbuch: Europa entdeckt seine Vielfalt von Michael Borgolte - Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
Kulturleben Wochenbuch

Wochenbuch: Europa entdeckt seine Vielfalt von Michael Borgolte

Die EU hat da letztens den Friedensnobelpreis bekommen, das dürfte hinlänglich bekannt sein. Ganz kurz hat sich darob Europa gefeiert – oder den Kopf geschüttelt. Worüber sich aber alle einig waren: die Existenz eines Europas an sich. Als Idee, Konzept, Struktur, geografische und vor allem historische Tatsache. Europa – gerne gleichgesetzt mit „Dem Abendland“ – scheint allen Teilnehmern des Diskurses eine gesetzte Größe. Was dann für so Allerlei herhalten darf, in unseren Zeiten vor allem als Folie für einen“christlich-jüdisch-abendländischen“ Wertekanon, den es tunlichst gegen die Moslems zu verteidigen gilt. Europa also als feste, schon immer gegebene Größe?
Pustekuchen. Bis zum Ende des Hochmittelalters – mindestens – war in dem geografischen Raum, den wir heute als „europäisch“ bezeichnen, eine ebensolche bewusste kulturelle Identität in keinster Weise gegeben. Gedacht wurde allenfalls in religiösen Zusammenhängen, die die jeweilige weltliche Macht legitimieren sollte – und zwar in Räumen, die wir heute in Nord-, Mittel-, Südwest-Europa etc. etc. einteilen würden und die nur begrenzt etwas miteinander zu tun hatten. Keinesfalls also ein „Europa“ an sich. Und: keinesfalls ein rein christlich basiertes Europa.
Wie schön, dass derlei Einsichten in Büchern wie dem von Michal Borgolte vermittelt werden, der den dritten Band des „Handbuches der Geschichte Europas“ verfasst hat, erschienen bei UTB unter dem vielsagenden Titel „Europa entdeckt seine Vielfalt. 1050 – 1250“. Nicht gerade in reißerisch interessantem Ton, aber mit einer unglaublichen faktischen und sprachlichen Dichte führt Borgolte durch die Geschichte von Wales ebenso wie die von Spanien (die Mauren! die Mauren! die Mauren!) oder Russlands. Was stets auf eine Regionalgeschichte hinausläuft, in die Rom oder Byzanz oder Bagdad … hineinpfuschen, die aber eben Regionalgeschichte bleibt, mit oft vollkommen verschiedenen geistesgeschichtlichen Entwicklungslinien, die bis heute fortwirken. Eben: Pustekuchen: Ein Abendland. Zieh dir das mal rein, Christsozialer Politiker. Und beschränke dich dann auf den bayerischen Kirchturm.
Michael Borgolte
 
 Jost

You Might Also Like...

1 Comment

  • muell
    4. Dezember 2012 at 18:03

    Ich liebe Borgolte und: WILL HABEN!!!

Leave a Reply