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Kulturleben Wochenbuch

Wochen-Buch: Die narzisstische Gesellschaft von Hans-Joachim Maaz

Als Wessi muss man ja vorsichtig sein, den Ex-DDR-Psychologen und Beschreiber vereinigt-deutscher Realitäten Hans-Jochaim Maaz zu loben. Allzuschnell wird der Vorwurf laut, hier freue sich ein BRD-Westler über einen Ostler, der seinen (ostdeutschen) Landsleuten kollektiven Untertanengeist konstatiert, der sich von 1933 bis heute ununterbrochen durch die Lande östlich der Linie Flensburg Kassel Garmisch hitlert. Wer so denkt, hat den „Gefühlstau“ ungenau gelesen, denn in diesem seinem gesamtdeutsch erstmals Schlagzeilen machenden Buch attestierte Maaz seinen real-sozialistisch erzogenen Mitbürgern zwar tatsächlich die Verinnerlichung großdeutscher Kuscherexzesse, zugleich entwarf er jedoch überzeugend das Komplement auf westdeutscher Seite: Das des gernegroßen Wir-sind-wieder-wer-Wessis, der bis heute in so allerliebsten wie treffenden Witzchen weiterlebt wie diesem: „Kommt ein bescheidener Wessi zu Tür hinein. Bruhahahah!“

Kommt ein Wessi zur Tür herein

Was damals vielen als Munitionierung zur pauschalen Diffamierung jeglichen Ostgewächses diente, kommt in Maaz‘ aktuellem Buch gesamtdeutsch, differenzierter, aber deswegen nicht weniger zur Ost-West-Psychodebatte beitragend herüber – auch wenn es um die Folgen der „Wiedervereinigung“ gar nicht explizit geht. „Die narzisstische Gesellschaft“ erzählt ganz allgemein von einer Menscheit, die in ihrer großen Mehrheut im frühsten Alter keine unbedingte Liebe erfuhr – eine Kränkung, die sich seit Jahrzehnten, Jahrhunderten gar in zwei denkbaren Kompensationen äußert: Dem „Größenselbst“, das Einsamkeit und Kränkung in übertriebener Selbstdarstellung zu heilen versucht: oh ja, Künstler, Politiker, „Führer“, Entrepreneurs, laute Menschen und jene, die alles hassen, und das „Größenklein“, das Komplement in Form von kleinmütigen ,verzweifelten, abhängigen, folgenden Menschlein.

Die Ost-West-Scheiße

Müßig zu sagen, wo Maaz welchen Typ dieses Januskopfes verortet, dennoch luzide und lesenwert seine Analyse der Abfolge narzisstischer Kompensationen auf deutschem Boden. Und wem der ganze Ost-West-Scheiss zu blöde ist: Wer sich ernsthaft mit den Verletzungen der frühesten Kindheit aueinandersetzen mag – wer wissen will, warum die liebe Frau, der beste Freund immer nur „was Negatives“ sagen kann, wer wissen will, wie der Falle der ewig verletzten und drum ewig sich und andre hassenden narzisstischen Verletztheut entgangen werden kann: Der lese bitte Maaz‘ Buch.
Heulen ist aber nicht, ihr Loser.
Jost Burger

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