Wochenbuch: Das Lexikon der biblischen Eigennamen - Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
Kulturleben Wochenbuch

Wochenbuch: Das Lexikon der biblischen Eigennamen

Soll das Kind einen biblischen Namen haben?

Zu behaupten, Eltern litten bei der Namensauswahl ihres Nachwuchses unter einer gewissen Realitätsblindheit, wäre untertrieben. Da kann ein Paar noch so auf Individualität bedacht sein, am Ende heißen die Kinder doch wieder Ben-Luca und Sarah-Lea. Was zu bewerten mir fern liegt; wenn es um die Namen meiner Nachkommenschaft geht, folge ich pfeilgrad dem Trend zur wilhelminischen Ära. Inzwischen soll es in Prenzlauer Berg ja schon wieder den einen oder andern Fritz geben.
Fritz, meinetwegen. Hat ja eine gute deutsche Tradition. Anakin: warum nicht? Der spätere Darth Vader genießt gegenwartskultürlich mindestens so großen Bekanntheitsgrad wie die historischen Gestalten Europas. Sarah, Lea, Maria, David, Muriel dagegen … Meine erste Tochter hieße vielleicht Miriam, hätte ihre Mutter beim Listenerstellen nicht leise darauf verwiesen, ob das nicht ein wenig geschmacklos sei. Wir haben ein paar Zigtausend Miriams umgebracht, und jetzt soll unsere Tochter … ? Ich gebe zu, bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Sache noch nie so gesehen. Und auch bei all den – eben – Sarahs, Hannahs, Miriams, Muriels, Leas in Deutschland … war mir noch nie der Gedanke gekommen, ob das nicht vielleicht unangemessen sei.

Das Lexikon der biblischen Eigennamen

Ich habe bis heute keine Antwort gefunden. Allerdings hat die Sache das Bewusstsein für die Allgegenwart biblischer Eigennamen geschärft. Und in diesem Zusammenhang, um von einer ungelösten Trostlosigkeit zu einer faszinierenden Schmökerei zu schreiten, sei auf Hans Schmoldts „Kleines Lexikon der biblischen Eigennamen“ verwiesen, erhältlich in diversen antiquarischen Ausgaben für wenig Geld. Hier geht’s nicht nur um Maria und Joseph, sondern um die Ammoniter ebenso wie um Ptolemäus, Kleopatra und Kornelius. Letzterer übrigens der erste von Petrus getaufte Heide, aber das nur am Rande. Eine wahres „Who’s Who“ der Bibel und irre spannend wie jedes Namenslexikon: Rufen doch die Bezeichnungen für Völker, Gruppen und Menschen die stärksten Emotionen aund Erinnerungen hervor, die ganz wortwörtlich seit Tausenden von Jahren auf dieser Welt erklingen.
Außderdem taugt es prima dazu, endlich mal herauszufinden, was der Name von der Blage eigentlich wirklich heißt. Vielleicht ja was gutes.
Jost Burger

You Might Also Like...

3 Comments

  • muell
    11. Juni 2013 at 21:50

    Das mit dem Kornelius finde ich auch sehr spannend.
    Gibt es in diesem Meiterwerk auch eine TOP-Liste oder vielleicht eine Tabelle wo man die Abwandlungen und nichtdeutschen Formen findet?
    Ist Jost heilig oder biblisch belegbar?

  • muell
    13. Juni 2013 at 20:34

    Leider ist das ein Desiderat. Obwohl es sich vielleicht irgendwo im weltweiten Netz finden ließe. Achwas, ich bin mir sogar sicher. Jedoch fühle ich mich zu alt, um das heute noch zu googeln. "Jost" hingegen kommt entweder ganz prosaisch von Justus oder aber von Jodokus (nicht biblisch). Das war ein keltischer Bischof aus dem 6. Jahrhundert inklusive heilig und, angeblich, Namenstag. Da ich aber nicht aus der katholischen, sondern der evangelischen Kirche ausgetreten bin, hat das für mich eh keine Relevanz. Die Protestanten haben den Ahnenkult nämlich hinter sich gelassen.
    Kornelius: "heidnischer Hauptmann in Cäsarea, nach Apg 10,1-38 der erste von Petrus getaufte Heide" (Was bedeutet "Apg"?) (Ah. "Apostelgeschichte".)

  • muell
    13. Juni 2013 at 21:58

    Und wir wussten das natürlich bevor wir den namen gewählt haben herr theologe.

Leave a Reply