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Wochenbuch: Der Brockhaus

Der Brockhaus

In der Schweiz gibt es Brockenhäuser. Das sind nicht etwa aus grobem Alpengestein gehauene Almhütten, sondern ganz offizielle Second Hand-Läden. Sie verkaufen getragene Kleidung, aber auch gebrauchte Fernseher und ausgediente Möbel. Daran muss ich immer denken, wenn ich vom Brockhaus höre, der deutschen Enzyklopädie schlechthin. Ausgedient und abgetragen. Und doch mythenumweht, und in einer langatmigen, fast hundert Jahre alten Ausgabe zwei Meter einnehmend ganz oben in unserem bürgerlichen Angeberregal. („A“von 1926, wenn ich mich nicht täusche.)
Klar, es gibt ihn- unter auf den ersten Blick, und der zählt, nicht erkennbaren Nutzungsvoraussetzungen und -bedingungen – längst online. Aber wer denkt nicht ans Blättern in ehrwürdig sinnsstiftendem Geseite, geht es um den Brockhaus? Was mich – und das ist der Punkt des kurzen Eintrags heute – an der Sache fasziniert, ist das Überdauernde und die Quelle des Überdauernden: die permanente Neuerfindung dieses Wissenskanons. Und das unter unserer Nase.
Unter dem ganz alten Familien-Brockhaus findet sich in unserem Angeberregal die Taschenbuchausgabe des Brockhauses von 1981. Keine fünfzig Zentimeter breit, aber der Zeit entsprechend – ak-tu-a-li-siert. Mein alter, blauer, mit Goldschnitt versehener Brockhaus macht irgendwann zwischen den Buchstaben F und G die Machtergreifung mit. So ein Brockhaus kam ja damals nur buchstabenweise heraus. Plötzlich ist von Rasse und Führertum die Rede. In einem Werk, das den Anspruch hat, ewiges Wissen zu versammeln.

Weg vom Digitalen

Damals also schon hatten die Menschen das Problem, dass der Kanon kein Kanon, sondern nur Echo des Zeitgeistes ist. So gesehen, ist die stumpfsinnige Schnellgeistigkeit von Wikipeia und Co. nur folgerichti – und unwichtig,
Und jetzt löschen wir alle unseren Facebook-Account und trauen Online-Quellen nicht mehr.
Jost Burger

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