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Kulturleben Wochenbuch

Wochenbuch: Claudia Kemfert: Kampf um Strom. Mythen, Macht und Monopole.

„Kampf um Rom“ ist ein
Historienschinken. „Kampf um Strom“ ist keiner, beschäftigt sich
aber mit einem historischen Thema, nämlich der Energiewende. Dass
die bis 2050, nicht bis 2022 geschafft sein muss, daran unter anderem
erinnert das – gelinde gesagt – kämpferische Buch. Nötig ist so
eine Erinnerung schon, denn – und darum geht es auf den 142 Seiten
– in all dem Gerede um Erneuerbare Energien, Atomausstieg und
teurem Ökostrom wird mittlerweile so viel von so vielen
interessierten Seiten in die politische Landschaft geschmissen, dass
manche Wahrheit unter die Räder kommt. Sowas zum Beispiel: Die
Energiewende sei ja in zehn Jahren gar nicht zu schaffen, weswegen
wir es einfach lassen sollten und natürlich fleissig weiter
Kohlekraftwerke von RWE brauchen, die dann 40 Jahre lang laufen. Nur
soll bis 2022 gar keine Energiewende, sondern nur der Atomausstieg
geschafft sein. Wär aber für die großen Energiebetreiber prima,
wenn sie bis dahin unser Land mit Kohlekraftwerken zugepflastert
hätten – dann wäre alles andere zu teuer, und alles bleibt beim
lukrativen alten.
Claudia Kemfert leitet die Abteilung
Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin: Sie hat das Buch geschrieben,
und ja, es ist nicht immer leicht. Aber sie knöpft sich ein paar der
ganz großen Themen rund um die vielen Menschen plötzlich nicht mehr
so wünschenswert scheinende Energiewende vor und „nennt Ross und
Reiter“, wenn es um die Verschleierung von Wahrheiten und den üblen
Einfluss von Lobbyisten geht (und der FDP, deren Vorsitzender
Kemferts Lieblingsfeind zu sein scheint). Und erinnert dabei – nur
ein Beispiel – daran, dass nicht der Ökostrom (bzw. dessen Preis
beim Verbraucher) zu hoch ist. Sondern der konventionelle Strom
schlicht zu billig ist, und zwar dann wenn man die ökologischen
Folgekosten, etwa die Endlagererforschung oder den Treibhauseffekt
hineinrechnet.
Man muss Kemfert nicht in allem folgen.
Aber das Buch ist absolut empfehlenswert für alle, die sich einmal
abseits der ewig gleichen Mainstream-Haudrauf-Diskussionen im guten
alten Sinne informieren wollen. Immer her damit.
Claudia Kemfert: Kampf um Strom.
Mythen, Macht und Monopole. Hamburg: Murmann Verlag 2013. 142 Seiten,
14,90 Euro, ISBN: 978-3867742573
Jost Burger

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