Die perfekte Mutter? Wer ist das?

Seit Tagen wird in diversen Blogs das Thema perfekte Mutter und auch Vereinbarkeit besprochen. Frau Mierau hat das Thema angestoßen, Anja hat darauf reagiert, Mareice hat die Momente aufgegriffen, Katharina hat über die schlechteste Mutter geschrieben und Carolin hat dann über Vereinbarkeit geschrieben. Es sind wunderbare Texte.

Ich weiß nicht was eine perfekte Mutter ist. Ich bin auf jeden Fall keine, soviel ist sicher. Ich weiß nur, dass ich jeden Morgen gegen 5:45 Uhr aufstehe, meinen Kindern einen Kuss gebe und dann zur Arbeit fahre. Diese Fahrten sind die ruhigsten Minuten des Tages.

Familienblog zur Vereinbarkeit, Mamablog, Papablog, Aluberlin, Blogfamilia
Working mom und dad!

Angekommen im Büro trinke ich einen Kaffee und starte in den ersten Tag des Tages.Nachdem ich in mehr als 8 Stunden auf Arbeit mein Bestes gegeben habe,setze ich mir wieder meine Kopfhörer auf und fahre durch die laute Stadt Richtung Schule und Kita und dann, dann beginnt der erste Tag von Neuem

Der Tag beginnt nach der Arbeit erneut für Eltern

Ablauf:

16:30 Uhr Mutter holt K1 und K2 nach absolvierter Arbeit aus den Betreuungseinrichtungen ab. Mutter hat beide Kinder heute noch nicht gesehen, da Vater morgens bringt und dann in die Bibliothek fährt.

16:45 Uhr Ankommen zu Hause. K1 wirft die Kleidungsstücke dekorativ in den Flur und verschwindet im Kinderzimmer.

16:47 Uhr K2 steht heulend im Flur. Die Hose im eigens gewählten „KrissKross“ Stil rutscht und so schafft er es nicht die Schuhe auszuziehen, da die Hose immer dazwischen rutscht. Die mütterliche Hilfemaschine kommt an, zieht an der Hose und plädiert für den Eigenversuch von K2 sich die Schuhe selbst auszuziehen.

16:50 Uhr K2 hat die Schuhe inzwischen aus, heult immer noch, denn die Hose ist ja wieder gerutscht und schleudert diese dann mit viel Emotionen in die Ecke.

16:55 Uhr Mutter versucht beide Kinder im Kinderzimmer daran zu erinnern 1. Hausschuhe anzuziehen, 2. Ihre Anziehsachen aufzuhängen, 3. sich Hände waschen zu gehen.

K1 erledigt die Dinge in umgedrehter Reihenfolge, nicht ohne zu sagen, dass Mutter die schlimmste Mutter  aller Zeiten sei und sie endlich ihre Ruhe haben will.

17:03 Uhr K2 stürmt nackig in den Flur und schimpft mit Mutter weil diese ihre Schuhe noch trägt.

17:05 Uhr Mutter trägt K2 zum Kleiderschrank und überredet ihn zum Tragen einer Unterhose und den Hausschuhen.

17:10 Uhr Beide Kinder wünschen sich einen Kinderkaffee und Apfelstückchen.

17:11 Uhr Die Mutter betritt die Küche. Anscheinend hat im Laufe des Tages ein Tornado durch diesen Raum gefegt, denn Müslireste von heute Morgen und Frühstücksschalen sowie Brotdosenreste liegen wahllos verteilt im Raum.

17:20 Uhr Tisch und Arbeitsplatte sind wieder benutzbar, der Wasserkocher läuft und Mutter setzt sich einen Moment auf einen klebrigen Küchenhocker.

17:22 Uhr: K1 kommt fragen wann endlich der Kinderkaffee fertig sei und außerdem habe sie noch Bastelaufgaben wo sie ja denn nun wirklich mal Mutters Hilfe gebrauchen könnte.

17:35 Uhr Alle drei haben ihre Getränke, Mutter setzt sich im Kinderzimmer auf die Couch und lauscht dem friedlichen Spiel von zwei Kindern was durch stetiges Bohren, Brüllen und Hämmern von der Baustelle gegenüber unterbrochen wird. Zwischendurch winken die Bauarbeiter wie jeden Tag Mutter und den zwei Kindern zu.

17:45 Uhr Ende des ruhigen Spiels. K2 hat Lego Movie Figuren von K1 versteckt und antwortet auf die Frage des Verbleibs mit: „ Sie sind weg, die hat der Wind mitgenommen.“ Zudem findet er, dass genug Kleidung für heute getragen wurde und entkleidet sich erneut komplett.

17:55 Uhr K1 weint bitterlich, die Lego Figuren sind unauffindbar und K2 sei ein „doofer kleiner Doof Mann“.

18:03 Uhr Mutter hat K2 wieder angekleidet und ist dabei im Kinderzimmer nach den unauffindbaren Figuren zu suchen.

18:11 Uhr Es klingelt an der Tür. K2 springt nackig in den Flur und öffnet dem Vater die Tür.

Vater trägt Essen nach Hause. Er hat Salat und Brot erbeutet.

18:13 Uhr Vater versucht sich auszukleiden, wird jedoch von einer kleinen Klette (K2) daran gehindert.

18:17 Uhr Es ist dem Vater gelungen sich seiner Jacke zu entledigen und K2 wieder eine Hose und Hausschuhe anzuziehen.

18:27 Uhr Mutter und Vater haben den Einkauf eingeräumt und bereiten nun Brote und Salat vor. K2 hat sich leider bereits die Möhren geschleppt, spielt Hase und knabbert jede einzelne nach fein säuberlichem Abspülen an.

18:35 Uhr Vater und Mutter haben sich die Möhren zurück erobert, K1 weint immer noch weil das Lego verschwunden ist. K2 weint, weil die „Möhris dem Hasen gehören“.

18:45 Uhr Vier Personen sitzen am Abendbrottisch, es geht ohne größere Vorfälle heute. Auf die Frage was K2 heute in der Kita erlebt hat, kommt wie immer die Antwort: „ Nichts. Gespielt.“ K1 wünscht sich das Blumentopf Lied „So lala“ um ihren Tag beschreiben zu können. Sonst sei es in der Schule, bereits am ersten Schultag nach den Ferien, langweilig gewesen.

18:57 Uhr Beide Kinder gehen ins Bad um Zähne zu putzen. Mutter und Vater bereiten sich für den Einschlafkampf vor indem sie sich zwei Minuten aneinander lehnen und sehnsüchtig nach draußen starren.

19:03 Uhr Mutter putzt K2 die Zähne nach, K1 kämmt sich die Haare. Vater versucht K2 zur Nachtwindel zu überreden.

19:15 Uhr Beide Kinder liegen in ihren Betten. Mutter liest K2 eine Geschichte vor, Vater lauscht den Ausführungen von K1 im Hochbett, nach der Geschichte wird getauscht. K2 verlangt nach Hörspiel. Vater und Mutter lehnen ab, es gibt nicht jeden Abend Hörspiel. K1 soll mal lieber noch Lesen üben und K2 Bücher anschauen.

19:27 Uhr Beide Eltern verlassen das erste Mal für heute Abend den Raum (am Ende werden sie nicht mehr gezählt haben) und setzen sich nebenan ins Büro um weitere Aufgaben an diesem Abend zu verteilen.

19:45 Uhr K2 steht im Büro, nackt. Er will von K2 ins Bett gebracht werden. Vater kann ihn zum Unterhemd überreden. K1 ist ruhig und schlummert bereits ein.

20:09 Uhr Beide Eltern trauen sich ins Wohnzimmer und wollen den Rest Tagesschau sehen.

20:13 Uhr K2 steht im Wohnzimmer und will unbedingt das Mutter kuscheln kommt. Mutter bringt K2 ins Bett

20:45 Uhr Vater kommt Mutter im Bett von K2 wecken. K2 hätte ihn geholt, da Mutter in seinem Bett eingeschlafen sei.

20:48 Uhr Müdes Muttertier schleppt sich zurück ins Wohnzimmer und nippt an ihrer Teetasse. K2 und Vater sind weiter im Kinderzimmer zu Gange, anscheinend will K2 noch „viel mehr Bücher, viel mehr“

21:23Uhr Mutter geht Vater im Bett von K2 wecken. K2 hätte Bescheid gesagt, dass der Vater in seinem Bett eingeschlafen sei.

21:47 Uhr Vater und Mutter schleppen sich beide zurück ins Wohnzimmer und versuchen einige noch offene Punkte wie Termine, Überweisungen und wichtige Punkte zu besprechen. Mutter schreibt ihren Projektpartnern E-Mails und telefoniert noch mit einigen wichtigen Leuten. Vater schreibt E-Mails und sortiert seine Bibliotheksergebnisse von heute.

22:03 Uhr K2 fragt an ob denn jemand kuscheln kommen könnte? Vater geht ins Kinderzimmer wo K2 das Licht wieder angemacht hat und somit K1 geweckt hat, die nur unter meckern wieder einschläft.

22:07 Uhr Vater und Mutter treffen sich auf dem Weg ins Bett. K2 fragt aus dem Kinderzimmer an, ob er kuscheln kommen kann. Mutter antwortet nein und gibt K2 erneut ein Küsschen.Auf dem Weg ins Bad schreibt sie eine Notiz „Endlich Mittagsschlaf in der Kita diskutieren und Ergotherapie anrufen“.

22:23 Uhr Mutter ist bereits eingeschlafen, sie liegt unbequem da Lego Movie Figuren sich in ihr Rückrad bohren und Vater liest noch etwas.

23:02Uhr Mutter steht auf und bemüht sich K2 eine Windel anzuziehen, im Dunkeln, ohne jeden Laut.

1:03 Uhr K2 kommt ins Bett von Vater und Mutter. Vater soll gehen, K2 möchte bei Mutter schlafen. K1 steht auch vor dem Bett, sie kann nicht schlafen und außerdem will sie auch bei Mutter schlafen und nicht alleine.

1:05Uhr K2 weint weil Vater in sein 1,70 Bett gewechselt hat, damit K1 im Kinderzimmer nicht allein schlafen muss. K2 will aber nicht, dass Vater in seinem Bett schläft.

01:23Uhr Alle schlafen.Mutter muss noch den Wecker stellen. 05:45 Uhr wie jeden Morgen aufstehen, Frühstück machen und zur Arbeit wo sie gegen 06:45 Uhr zu sein hat, damit sie K1 am Nachmittag zum Kunstkurs bringen kann.

 Workingmom und Workingdad sind real

So sieht mein Alltag aus, da ich Vollzeit berufstätig bin. Wenn wir beide an einem Abend zu Hause sind, dann ist das bei uns eher selten. Da der Mann sich durch Projekte und Vorträge im Rahmen der Dissertation profilieren muss, ist er oft Tage- oder Wochenlang weg. Ich bin durch meine Projekte oft unterwegs und lege die Termine meist im Anschluss an lange Bürotage.

Ich habe immer gesagt, dass ich mich weder nur über die Arbeit, noch über das Muttersein definieren möchte. Ich möchte nebenbei noch Ideen und Engagements weiterentwickeln und schöne Dinge erleben, ich möchte das alles unter einen Hut bekommen und ich möchte glücklich sein. Glück und Perfektion passen für mich nicht wirklich zusammen.

Ich denke an so vielen dieser Tage, dass eine gute Mutter nicht ausmacht alles perfekt zu absolvieren, sondern einfach nur die Tatsache, dass sich alle Menschen dieser kleinen WG gesehen fühlen. Jeder mit seinen Bedürfnissen. K1 mit Bastelaufgaben, K2 mit Kuschelmomenten vor dem Schlafen gehen, der Mann mit seinen Projektideen und ich mit meinen Ideen.

Wo bleibt die Work- Life- Balance?!

Wir nennen diese Jahre die Rush-Jahre und sehnen uns nach Work-Life-Balance?

Was ist, wenn wir uns aus monetären Gründen diese nicht leisten können?

Was ist mit all den Alleinerziehenden die 40 Stunden die Woche arbeiten gehen?

Was ist mit all denen, die wenig Wahl haben? Diese Bilder von einer Mutter die immer entspannt und liebevoll das Abendbrot bereitet, den Haushalt schmeißt und mit den Kindern spielt und dann noch verführerisch auf der Couch auf den Liebsten wartet, sind Bilder über die nur lachen kann. Ich kenne keine Familie in der all das zusammentrifft.

Ich bin des Perfekten müde geworden

Ich habe an vielen Tagen nicht mal mehr die Lust mich überhaupt mit irgendjemanden zu unterhalten, nach meiner Arbeit und reiße mich eigentlich nur für die Kinder zusammen. Perfekt sein, dazu habe ich keine Zeit und mein Haushalt auch nicht. Vielleicht sollte ich mir das mal als Spruch an die Tür pinnen.

Lassen wir doch los von diesem perfekten Bild einer Mutter und gehen wir lieber jeden Tag Schritt für Schritt (wie Beppo der Straßenkehrer) in Richtung Zufriedenheit, jeder für sich und jeder in seinem Tempo.

Alu

Vereinbarkeit